Angeblicher Gewinn: Rentner sind häufig Opfer von Betrügern am Telefon

Angeblicher Lotteriegewinn : Rentner sollten aufpassen, wen sie am Telefon haben

Sie versprechen das große Geld, aber erst, wenn man eine hohe Gebühr bezahlt. Trickbetrüger suchen sich vor allem gutgläubige Rentner als ihre Opfer aus, denen sie am Telefon mit immer neuen Maschen das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Betroffene sollen sich an die Polizei und die Verbraucherzentrale wenden.

Siegfried Kuiff ist fast 80 Jahre alt und Rentner. Damit scheint er ein leichtes Opfer zu sein. Das dachten zumindest die Betrüger am Telefon, die vorgaben, ihm einen angeblichen Gewinn von 38.500 Euro auszahlen zu wollen. Er müsse lediglich eine Gebühr von rund 1000 Euro bezahlen. „Ich konnte mich aber nicht erinnern, an diesem Gewinnspiel teilgenommen zu haben, und wusste daher, was los ist“, sagt Kuiff. „Aber ich wollte das Spielchen mitspielen und sie mit ihren eigenen Waffen schlagen.“

Zuerst erhielt Kuiff einen Anruf mit unterdrückter Nummer. „Ich wurde gefragt, ob ich am nächsten Tag zwischen 8 Uhr und 12 Uhr zu Hause sei, da ein Geldtransporter und ein Notar vorbeikommen würden, um mir meinen Gewinn zu übergeben“, berichtet Kuiff. „Ich habe so getan, als würde ich mich freuen. Daraufhin hieß es, ich solle aus Sicherheitsgründen Stillschweigen bewahren. Eine Überweisung des Gewinns sei nicht möglich, denn das Finanzamt solle nichts von dem Geld erfahren, um Steuern zu vermeiden.“ Er fühlte sich in seinem Misstrauen bestätigt, da Lotteriegewinne in Deutschland steuerfrei sind. Der Rentner informierte die Polizei.

Das Spiel ging am nächsten Tag weiter. Wieder wurde bei Kuiff angerufen. Diesmal sah er eine Nummer auf dem Display. Am anderen Ende war nun angeblich ein Vertreter einer Sicherheitsfirma. „Man sagte mir, dass der Geldtransporter und der Notar unterwegs seien und ich nur noch den Transport zu bezahlen bräuchte. Dazu müsse ich iTunes-Gutscheine im Wert von rund 1000 Euro kaufen und dem Notar übergeben.“ Dies sind Gutscheine, die im Handel erhältlich sind und mit einem bestimmten Geldwert aufgeladen werden. Die Gutscheine gibt es von vielen Anbietern (wie beispielsweise Amazon oder Google), mit der Gutscheinnummer kann Guthaben auch elektronisch von jedem bezogen werden. Eine beliebte Masche der Trickbetrüger. Daher sollte die Nummer niemals weitergegeben werden.

Da es die Gutscheine auch im Internet zu kaufen gab, bot der Rentner an, diese zu aktivieren, wenn der Notar mit dem Transporter da ist. Dies wurde, genau wie das Angebot von Kuiff, alles zu überweisen, abgelehnt. „So musste ich leider auf meinen Gewinn verzichten und habe aufgelegt“, sagt Kuiff mit einem Augenzwinkern.

Der Polizei ist so eine Vorgehensweise der Trickbetrüger gut bekannt. Sie rät, nicht mit ihnen zu sprechen und nicht auf das Spielchen einzugehen, sondern sofort aufzulegen und die Polizei zu informieren. Auch der Anruf eines angeblichen Polizeibeamten (mit der angezeigten Nummer 110) oder der Enkeltrick, bei dem sich die Betrüger als Angehörige ausgeben und Geld wollen, seien gängige Maschen. Auf keinen Fall sollten persönliche Daten herausgegeben werden. „Wenn sich die Fälle häufen und wir einen Schwerpunkt erkennen, informieren wir die Öffentlichkeit“, sagt Frank Plum von der Polizei Aachen. Zurzeit seien vor allem der Nordkreis, Aachen sowie Eschweiler betroffen.

„Wir haben mit solchen Betrugsmaschen wöchentlich zu tun“, sagt Stefan Kilpper von Westlotto. „Dahinter stecken ganze Callcenter, die meist im EU-Ausland ansässig sind und Zugang zu Adressdatenbanken haben, die nach altmodischeren Vornamen abgesucht werden. Wir reden hier von Profis, von organisierter Kriminalität.“

Nicht überall, wo Lotto draufsteht, ist also auch Lotto drin. Wer angeblich gewonnen hat, ohne gespielt zu haben, hat es mit Sicherheit mit Betrügern zu tun. Wer Lotto spielt, zahlt mit seinem Einsatz bereits Gebühren inklusive Steuern. Bei einem Gewinn dürfen also keine erneuten Zahlungen anfallen. Auch mit diesem Wissen lasse sich Betrüger entlarven.

Nicht kriminell, aber unseriös

Schlechte Erfahrungen mit einer (anderen) Lotterie hat Kuiff aber dennoch gemacht. Wobei es hier wohl eher um unseriöses Geschäftsgebaren geht als um lupenreinen Betrug. Ihm wurden, nachdem er vermeintlich kostenlos im Internet gespielt hatte, 69 Euro vom Konto abgebucht. Mit einer kostenlosen Spielrunde werden viele gelockt, was sie aber oft nicht wissen: Es wird ein Abo abgeschlossen.

Obwohl Kuiff gekündigt hat, wird jeden Monat Geld bei ihm abgebucht, das er dann zurückbuchen lässt. Zudem bekommt er mehrmals am Tag Anrufe, ob er die Lotterienummern weiterspielen wolle. Er verweise dann auf seine Kündigung. „Einmal hieß es, um die Kündigung abzuschließen, müssten die Daten abgeglichen werden.“ Kuiff sollte seine IBAN-Nummer vollständig aufsagen. Da habe er das Gespräch abgebrochen.

In einem solchen Fall kann die Verbraucherzentrale Betroffenen helfen. „Wir widerrufen dann schriftlich den Vertrag“, sagt Claudia Schmitz von der Verbraucherzentrale NRW in Alsdorf. Damit werde ein Abschluss eines Abos gar nicht erst anerkannt, anders als bei einer Kündigung. Wenn bereits Abbuchungen stattgefunden haben, wird es etwas komplizierter. „Auch hier muss erst die Zahlung widerrufen werden, um den Vertrag aufzuheben“, sagt Schmitz. Bereits abgebuchte Beträge könne man sich bis acht Wochen nach der Kontobelastung von seiner Bank erstatten lassen. Ist eine Kündigung erforderlich, so müsse ein Schreiben aufgesetzt werden, das den nächstmöglichen Austritt fordert. „Hier ist es auch wichtig, dass wir die Adresse der Firma haben, um die Kündigung auszuhändigen. Die zu bekommen, ist häufig schwierig“, sagt Schmitz. Betroffene sollten sich von der Verbraucherzentrale beraten lassen und ihren Fall schildern, damit das Glücksspiel nicht zum Unglück wird.