Herzogenrath: Einschlagmenge unter erlaubtem Maß

Baumfällungen : Einschlagmenge weit unter dem erlaubten Maß

Der Forstwirtschaftsplan 2019 in Herzogenrath ist verabschiedet und hält fest: Gefällt werden nur Bäume, bei denen es wirklich nötig ist. Der Borkenkäfer bereitet nach wie vor Probleme.

Der Trend geht zu „sturm- und trockenresistenten“ Baumarten: Im Zuge des Klimawandels ist ein Umdenken bei Aufforstungen in den heimischen Wäldern nötig. In diesem Sinne äußerte sich in der jüngsten Sitzung des Umwelt und Planungsausschusses auch  Dr. Gerd Krämer, Leiter des mit der forsttechnischen Betriebsleitung in Rodas Wald beauftragten Gemeindeforstamts Aachen. Und warf seinen Blick auf Nachfrage von Katharina Herzner (Grüne) auch auf den gefährdeten Bestand der Eschen im Stadtgebiet. Nur rund ein Prozent werde überleben, so die Prognose des Forstexperten, aber: „Es gab schon immer ein Auf und Ab mit Baumarten.“

Erst im Frühjahr zu erkennen

Günter Prast (SPD) interessierte in diesem Kontext, wie denn die Bäume im Stadtgebiet generell die lange Hitzeperiode überstanden haben? So richtig könne man dies erst im kommenden Frühjahr sagen, erläuterte Ulrich Rible, Leiter des städtischen Bau- und Betriebsamtes, dass seine Mitarbeiter den Sommer über täglich mit vier Wagen, zwei á 5000 und zwei á 1000 Liter, zum Wässern unterwegs gewesen seien. Dennoch werde es aufgrund der extrem trockenen Witterung eine „natürliche Auslese“ geben, werden also Bäume absterben. Welche und wie viele könne man aber erst sagen, wenn die Gehölze im kommenden Jahr wieder austreiben. Vor allem zum Erhalt der Jungbäume bewährt hätten sich im Übrigen spezielle perforierte Gewebesäcke, die um die Stämme gelegt und mit rund 30 Litern Wasser befüllt werden, das sie kontinuierlich ans Erdreich abgeben. „Diese Säcke, insgesamt 130 Stück, sind sehr effektiv, denn durch das allmähliche Einsickern geht auf ausgetrockneten Böden kein Wasser mehr durch Abfließen verloren“, erklärt Rible im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit Blick auf die Jungbäume teilte Toni Ameis (Linke) dem Ausschuss indes seine Beobachtung mit, dass „eine große Partei“ im Zuge der anstehenden Städteregionswahl ihre Wahlplakate ausgerechnet auch an junge Stämmchen gehängt habe. Mit Blick auf Herbststürme habe er da nun Angst um die Bäumchen.

Anlass für die Baumdebatte war der Forstwirtschaftsplan 2019, den der Fachausschuss zu beschließen hatte.

Dass der Hiebsatz, also die nachhaltig jährlich einschlagbare Holzmenge in Festmetern, geringer ausgewiesen sei als erlaubt, kennzeichnete Dr. Manfred Fleckenstein (SPD) als „erfreulich“. Dennoch mahnte er, da, wo gefällt werden müsse, „schonend“ vorzugehen. Und er wollte unter anderem wissen, ob der angegebene Hieb im „Jungschen Wald“ – zwischen Ruif und Wefelen – tatsächlich nötig sei? Dazu betonte Herbert Koch, der zuständige Förster vom Aachener Gemeindeforstamt, dass grundsätzlich nur das eingeschlagen werde, was „dringend nötig“ sei. Auf besagten Flächen seien mit EU-Mitteln Pappeln mit Rotbuchen unterpflanzt worden. Die Pappeln aber wüchsen nun immer wieder nach. Zudem sei in einem Teilbereich eine Wegemaßnahme erforderlich gewesen.

Hohle Pappeln

Der Umfang der Fällmaßnahmen an der K1/Oststraße wollte unter anderem Toni Ameis nicht einleuchten, eine Verkehrssicherungspflicht sei für ihn da nicht unbedingt erkennbar. Das wiederum erläuterte Gerd Krämer: Um durchweg innen hohle Pappeln habe es sich gehandelt, wie vom Landesbetrieb Straßen mitgeteilt worden sei. Eine Baumlänge Abstand zur Fahrbahn müsse gewährt werden, um auch bei umstürzenden Bäumen die Verkehrssicherheitspflicht einzuhalten. Es seien aber auch Fichten beim Gefällten gewesen, beharrte Ameis. „Es waren Lärchen“, korrigierte Krämer. Und die hätten bereits schräg gestanden, ein Indiz dafür, dass kein fester Wurzelkontakt mit dem Boden mehr besteht.

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