Herzogenrath: Heftige Kritik an niederländischen Frackingplänen aus Herzogenrath

Herzogenrath: Heftige Kritik an niederländischen Frackingplänen aus Herzogenrath

Die niederländische Regierung plant die so genannte „Strukturvision Schiefergas“, die die Ministerien für Wirtschaft und die Ministerin sowie Infrastruktur und Umwelt Anfang 2015 dem Parlament in Den Haag zur Abstimmung vorlegen wollen. Dahinter verbirgt sich das Streben nach Schiefergas-Gewinnung durch das umstrittene Verfahren des Hydraulic Fracturing, kurz Fracking genannt.

Seit Christi Himmelfahrt bis 9. Juli liegen in Den Haag die Unterlagen des Berichtsentwurfs über Reichweite und Detailtiefe für eine vorgeschaltete „Strategische Umweltprüfung“ für „jeden interessierten Bürger“ öffentlich zur Einsichtnahme aus. Das Plangebiet zur Schiefergasförderung umfasst auch weite Teile des niederländisch-deutschen Grenzgebiets bis hinunter nach Süd-Limburg. Fracking unmittelbar neben Herzogenrath könnte also in absehbarer Zeit Realität werden. Unsere Zeitung sprach darüber mit Dr. Bernd Fasel, dem frisch gebackenen Fraktionschef von Bündnis 90/Die Grünen in Herzogenrath:

Das Vorhaben der Niederländer lässt Sie in der Grenzstadt Herzogenrath sicherlich besonders aufhorchen lassen ... Wie stehen Rodas Grüne zum Thema Fracking im allgemeinen?

Dr. Bernd Fasel: Diese Nachricht ist wirklich sehr beunruhigend! Mit Fracking kann kurzfristig scheinbar billige Energie gewonnen werden; wegen der wahrscheinlichen Verseuchung des Grundwassers würden wir allerdings den nachfolgenden Generationen ein giftiges Erbe mit unabsehbaren Konsequenzen hinterlassen. Aus dieser Perspektive ist Fracking ähnlich verantwortungslos, wie die Nutzung der Atomenergie! Fracking würde in unserer Region nur für rund zehn Jahre Energie liefern. Das Grundwasser wäre aber für viele Generationen verseucht. Man kann nur den Kopf schütteln über so viel Verantwortungslosigkeit!

Negative Konsequenzen durch den Einsatz giftiger Chemikalien machen vor Landesgrenzen nicht Halt. Was gedenken die Grünen zu unternehmen?

Fasel: Die Auswirkungen eines Frackings in den Niederlanden könnten auch für uns diesseits der Grenze massive Konsequenzen haben und eine ökologische Katastrophe bedeuten. Das ist nicht nur ein Prüfstein für die Deutsch-Niederländische Zusammenarbeit, sondern auch für unsere „Europastadt“ Eurode! Hier muss sich beweisen, dass Eurode nicht nur zum Feiern gut ist, sondern in ernsten Situationen auch effektiv agieren kann. Wir werden schnellstens entsprechende Anträge in die Gremien einbringen.

Das NRW-Umweltministerium erteilt für Fracking gemäß dem derzeitigen Stand der Technik (Verpressung eines Chemikalien-Wasser-Sand-Gemisches in den Boden) grundsätzlich keine Genehmigungen. Werden Sie sich auch an die Landesregierung um Unterstützung wenden?

Fasel: Die Zusammenarbeit mit unserer Landtagsfraktion funktioniert sehr gut und wir werden auch auf dieser Ebene alles versuchen, um dieses Wahnsinnsprojekt zu verhindern. Das Land NRW hat sich bereits seit längerer Zeit, in einem breit angelegten Prozedere — in „einer sorgfältigen und unabhängigen Untersuchung“ — mit dem Thema der Umweltverträglichkeit des Fracking auseinander gesetzt. Das Ergebnis wurde von den mit der Erstellung eines diesbezüglichen Gutachtens beauftragten Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachrichtungen und dem Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz im September 2012 vorgestellt.

Tenor der Resultate dieser Untersuchung war, dass angesichts eines möglichen Einsatzes von Fracking zur Gewinnung von unkonventionellem Erdgas im dicht besiedelten Europa hinsichtlich der Risiken für Mensch und Umwelt dringender Forschungsbedarf besteht. Dies betraf zunächst die möglichen Auswirkungen der im Frack-Fluid eingesetzten Chemikalien, wo seitens der Wissenschaft eine gewisse Hilflosigkeit zu verzeichnen war, weil die Zusammensetzung dieser Fluide — als Firmengeheimnis — nicht bekannt ist.

Einige bekannte Hauptbestandteile, die als Schmierstoff, Lösungsmittel, Bakterizid etc. im Fluid bisher unverzichtbar sind, gelten als giftig und sogar krebserregend. Da es sich grundsätzlich um ein bilaterales Problem zwischen zwei Staaten handelt, könnte es sich als erforderlich erweisen, auch unsere Bundestagsfraktion einzuschalten — auch hier haben wir einen direkten Draht. Falls erforderlich, werden wir alle politischen Ebenen mobilisieren, um unsere lebenswichtige Ressource Grundwasser zu schützen!

Sähen Sie im Zuge des Eurode-Zweckverbands, des Zusammenschlusses der Schwesterkommunen Herzogenrath und Kerkrade, eine weitere Möglichkeit der Einflussnahme, zumindest was das südlimburgische Grenzgebiet angeht?

Fasel: Wir werden in der Verbandsversammlung des Eurode-Zweckverbands am 5. Juni beantragen: „Kein Fracking in Eurode!“ Ich hoffe auf einen breiten Konsens mit den anderen Parteien. Wir müssen diese Bedrohung unserer Umwelt gemeinsam abwehren — da dürfen Parteigrenzen keine Rolle spielen!

Informationen zur „Strukturvision Schiefergas“ erteilt das Büro für Energieprojekte in Wateringen unter Telefon 0031/ 70/3798979.

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