Hebammen im Nordkreis informieren über die Vorteile des Stillens

Hebammen informieren in Weltstillwoche : „Das Kind profitiert von jedem Tropfen Muttermilch“

Vielen ist es unangenehm, wenn sie eine Frau sehen, die in der Öffentlichkeit ihr Kind stillt. Die Hebammen der Gesundheitspraxis Storchengruß können das nicht verstehen und klären in der Weltstillwoche über die natürlichste Sache der Welt auf.

Es ist ein sehr intimes Thema. So intim, dass viele Menschen unsicher sind, wie sie sich verhalten sollen. So intim, dass viele es nicht sehen wollen. So intim, dass viele Frauen das Gefühl haben, sich verstecken zu müssen. Dabei ist es die natürlichste Sache der Welt: das Stillen.

Die Hebammen der Gesundheitspraxis Storchengruß in Alsdorf wollen besonders im Rahmen der Weltstillwoche Anfang Oktober darüber aufklären, wie wichtig das Stillen ist, und dass keiner (egal ob Frau oder Mann) Berührungsängste haben muss und sich unwohl fühlen sollte. „Wir wollen uns für das Stillen stark machen und zeigen, dass es ein Recht hat, in der Öffentlichkeit präsent zu sein“, sagt Hebamme Hilke Aretz. Es ginge nicht nur darum, das Stillen im öffentlichen Raum selbstverständlicher zu machen, sondern auch, darüber zu reden und Hemmschwellen abzubauen.

„Stillen klappt per se erst einmal bei jeder“, sagt ihre Kollegin Birgit Capellmann. „In seltenen Fällen klappt es aber zum Beispiel aus medizinischen Gründen nicht.“ Die Hebammen stellen fest, dass viele Frauen stillen wollen, aber vermehrt unsicher sind, ob es auch tatsächlich klappt. Der Zweifel sei aber nicht nötig. „Es ist von der Natur so gewollt und vorgesehen, dass die Frauen ihre Kinder stillen. Oft geht dieses Bewusstsein verloren.“ Capellmann habe die Erfahrung gemacht, dass die Einstellung entscheidend ist, ob eine Frau stillen kann oder nicht.

Mütter sollen aber auch nicht gegen ihren Willen überredet werden, ihrem Kind die Brust zu geben. Da sind sich die Hebammen einig. „Keine soll diskriminiert werden, weil sie nicht stillt. Uns ist wichtig, dass jede darüber selbst entscheiden kann“, betont Capellmann und ergänzt aber auch: „Gestillt werden ist ein Grundrecht des Babys, schließlich hat die Natur es so eingerichtet. Daher unterstützen wir natürlich das Stillen und informieren die Eltern.“

Stillen hat viele Vorteile

Die Hebammen empfehlen, Babys sechs Monate lang voll zu stillen, also dem Kind nicht zusätzlich Wasser oder Tee zu geben. „Mütter sollen so lange stillen, wie sie sich wohlfühlen. Das Kind profitiert von jedem Tropfen Muttermilch“, sagt Capellmann. Alle notwendigen Nährstoffe seien in der richtigen Zusammensetzung darin enthalten, informiert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Muttermilch passe sich zudem den Bedürfnissen des Kindes an, und die enthaltenen Abwehrstoffe böten dem Säugling Schutz vor verschiedenen Infektionskrankheiten. „Die Werbung suggeriert, dass Pulvermilch genauso gut sei wie Muttermilch. Aber nein, das ist sie definitiv nicht. Muttermilch kann man nicht vollständig imitieren“, sagt Capellmann entschieden.

Auch Männer spielen eine wichtige Rolle

Trotz vieler Unsicherheiten, herrsche allgemein in der Gesellschaft mehr Selbstbewusstsein, wenn es um das Thema Stillen geht. Das Image hat sich zum Positiven verändert. Hebamme Heike Aretz sieht hier eine Wandel der Generationen: „Ich habe das Gefühl, dass heute vor allem die ältere Generation eher Probleme mit dem Stillen hat. Vor rund 30 Jahren hieß es noch, die Flasche sei besser für das Kind.“

Auch die Rolle der Männer habe sich gewandelt. Sie sind häufig involvierter in der Kinderbetreuung. „Mütter haben natürlich beim Stillen eine enge Beziehung zum Kind. Die kann der Vater aber auch aufbauen, indem er andere Aufgaben übernimmt. Zum Beispiel das Bäuerchen fördern, schunkeln und wickeln.“ Der Mann müsse ebenfalls positiv dem Stillen gegenüber eingestellt sein und könne seine Partnerin dann in der Öffentlichkeit unterstützen. „Ich verstehe nicht, wie Menschen ein Problem damit haben können, stillende Mütter in der Öffentlichkeit zu sehen. Das Baby bekommt Essen, hat aber nun mal keinen Teller vor sich.“ Es ginge nicht darum, die Brust rauszuholen, man könne auch diskret stillen. „Sensibel ist das Thema auch, weil die offene Brust schnell mit einem sexuellen Gedanken verbunden wird“, sagt Aretz.

Die Ausbildung wird durch ein Studium abgelöst

Den Frauen liegt ihr Beruf am Herzen, und er ist beliebt. Dass Hebammen fehlen, läge nicht an den Bewerbern, sondern an den fehlenden Ausbildungsstellen, sagt Kathrin Frantz. Die 34-Jährige arbeitet ebenfalls als Hebamme beim Storchengruß und hat vor zwei Jahren ihre Ausbildung abgeschlossen. „Auf 15 Ausbildungsstellen haben sich damals in meinem Jahrgang etwa 1000 Menschen beworben.“

Ob das Problem mit den mangelnden Plätzen in Zukunft mit der Einführung des Studiums gelöst wird, bleibt abzuwarten. Bis zum 18. Januar 2020 müssen alle EU-Mitgliedsstaaten die Hebammenausbildung an Hochschulen verlegen. Man braucht daher in der Regel die Fachhochschulreife, um Hebammenkunde studieren zu können. „Grundsätzlich ist es schon eine gute Sache, für eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu sorgen“, sagt Frantz. Man müsse abwarten, wie sich die Zahlen entwickeln, schließlich will nicht jeder nach der Schule studieren. Frantz kennt zudem Kolleginnen, die nicht hätten studieren wollen.

Nicole Schüler arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Hebamme und war lange im Krankenhaus tätig, bevor sie in Alsdorf bei der Gesundheitspraxis Storchengruß angefangen hat. „Ich hätte wohl nicht Hebamme werden können“, sagt Schüler, die kein Abitur gemacht hat. „Es wäre gut, wenn das Studium dafür sorgt, dass die Hebammen auch besser bezahlt werden“, sagt Schüler und ergänzt schnell: „Natürlich sollte dann das Gehalt derjenigen, die jetzt schon Hebammen sind, gleichgezogen werden.“

Die Diskrepanz zwischen dem Aufwand eines Studiums und dem Gehalt, das man als Hebamme später verdient, könnte einige abschrecken. „Unser Beruf ist sehr praktisch, und der Teil darf im Studium nicht zu kurz kommen“, sind sich die Hebammen Frantz und Schüler einig. „Unser Beruf ist immer noch ein Handwerk, und man wird immer erfahrener.“ Sie sind gespannt, wie sich die Zahlen entwickeln. Einen Platz im Hörsaal zu finden, sei nicht so schwierig, aber einen Platz beispielsweise im Krankenhaus zu bekommen, umso mehr.