Herzogenrath: Handschelle geht an Elisabeth Herrmann

Herzogenrath: Handschelle geht an Elisabeth Herrmann

Die Schlüssel hatte Elisabeth Herrmann in der Hand, als sie am Freitagabend aus den Händen von Dr. Wolfram Hamann die Herzogenrather Handschelle erhielt. Für die rund 70 Gäste im voll besetzten Auditorium in der Stadtbücherei von Herzogenrath war es natürlich ein Spaß, als sich der Vorsitzende des Fördervereins „Pro Stadtbücherei“ und die diesjährige Preisträgerin kurz gegenseitig die Handschelle anlegten.

„Es brauchte fast zehn Jahre, um hier zu stehen“, blickte die so Geehrte auf ihre bisherige Karriere und die aktuell neun verfassten Kriminalromane zurück. Damit gab sie augenzwinkernd das Kompliment des stellvertretenden Bürgermeisters Dr. Manfred Fleckenstein zurück, der in seinen einführenden Worten diesen Tag als „Höhepunkt in ihrer Karriere“ bezeichnete. Dr. Fleckenstein erinnerte noch an die Historie, wo in den 1960er-Jahren das Lesen von Krimis an sich verpönt und die Autorenschaft solcher Werke aus Frauenhand nahezu undenkbar waren. Heute sind solche Ressentiments undenkbar, was auch die Zahl von fünf Preisträgerinnen gegenüber vier Preisträgern seit dem Start der „Handschelle“ im Jahr 2006 zeigt.

Auch sonst war Elisabeth Herrmann bestens aufgelegt. Sie verstand es, nicht nur bei den Leseproben aus ihrem Buch „Das Dorf der Mörder“ die Gäste bestens zu unterhalten.

Quasi nebenbei streute sie ihre Motivation und ihre Ideen zum Schreiben ein, was auch aus der Zeit als Reporterin beim RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) stammt. Dort lernte sie beispielsweise eine Rattenzüchterin kennen, was in Sachen Fachwissen natürlich eine Steilvorlage für eine ähnlich angelegte Figur in ihrem Roman war. Dazu kennt sie sich rund um den Berliner Tierpark bestens aus, und so waren schon zwei wesentliche Säulen des Romans fertig. Mit ihrer dichten Erzählweise, die kleine Seitenblicke und viele Details mit einem dennoch mitreißenden Stil verbindet, fand sie schon viele Fans. „Ich habe erst nach 250 Seiten an einem Stück ihren Roman aus der Hand gelegt“, sagte beispielsweise Dr. Hamann bei der Einführung zu diesem spannenden Abend.

Für die Spannung sorgte Elisabeth Herrmann auch selbst. Mit feinen Lesestimmen, akzentuierter Sprechweise an der richtigen Stelle und einem fließenden, dennoch nie langweiligen Erzählstil, verflog der Abend in der Stadtbücherei im Nu.

Und so folgten die Gäste nicht nur der Geschichte um die etwas unerfahrene, vielleicht auch aufmüpfige, aber sicherlich gute Polizeimeisterin Sanela Beara. Sondern sie ließen sich auch von vielleicht auf den ersten Blick absonderlich anmutenden Details wie dem Satz „Sie wissen ja, dass ein durchschnittlich schwerer Mann innerhalb von acht Stunden von Ratten verspeist ist“ gefangen nehmen, die zeigen, dass Frauen wie Elisabeth Herrmann zu Recht mindestens genauso gut Krimis schreiben können, wie ihre männlichen Kollegen.

(mabie)