Gymnasium Alsdorf führt nach Sommerferien Tablets in 7. Klassen ein

Jeder Schüler mit Tablet : Die Zukunft des Lernens beginnt in der 7

Das Dalton-Gymnasium in Alsdorf führt Tablets im Unterricht für jeden Schüler ein. Die Jahrgangsstufe 7 im kommenden Schuljahr macht den Anfang. Die Geräte müssen die Eltern zahlen. Gewissheit darüber, wie Geräte finanziert werden für Schüler, deren Eltern sich kein iPad leisten können, besteht noch nicht.

Im alten Gebäude fehlte es an allem – Hardware wie Software. Bei der Erinnerung an die Zeiten, in denen das städtische Dalton-Gymnasium noch über dem Alsdorfer Weiher seinen Standort hatte, scheint bei Schulleiter Wilfried Bock ein wenig Freude mit zu schwingen. Freude vor allem darüber, dass jene Tage der Vergangenheit angehören und die technische Ausstattung im Kubiz jetzt „up-to-date“ ist. Ein Problem wäre da aber noch: die jungen User. Oder anders gesagt, die „sogenannten Digital Natives“, sagt Martin Wüller, stellvertretender Schulleiter.

Gehe es um Apps, um Instagram, Youtube und Konsorten, steckten die Schüler ältere Generationen locker in die Tasche. Darüber hinaus sehe es nicht selten aber düster aus, was IT- und Medienkompetenz angehe. Das soll sich mit der konzertierten Einführung technikunterstützten Lernens nun ändern. In der kommenden Jahrgangsstufe 7 sollen jede Schülerin und jeder Schüler ein speziell für den Schulgebrauch ausgestattetes iPad bekommen, das im Unterricht eingesetzt wird. Die Kosten – je nach Ausstattung zwischen 349 und 519 Euro – die müssen die Eltern tragen. Ein Punkt, der für Diskussionen sorgte.

„Bring your own device“

Auch wenn man sie nicht sieht: Die Grundausstattung des neuen Gebäudes in Sachen Datenleitungen kann sich sehen lassen. Fünf Glasfaserleitungen führen für zwei Schulen, das Gymnasium und die Realschule, ins Kubiz. Zielvorgabe sei gewesen, dass alle Schüler gleichzeitig ein Video übers Netz schauen können, ohne dass die Verbindungsgeschwindigkeit in die Knie geht. Soweit, so gut. Nun hätte man Computer anschaffen können, um das schnelle Netz fürs Lehren und Lernen mit digitaler Komponente richtig auszunutzen. Was hohe Kosten nicht nur bei der Anschaffung bedeutet hätte. „Die Technik wird so schnell alt, wie soll eine überschuldete Gemeinde aus eigener Finanzkraft da Schritt halten“, fragt sich Bock. Die logische Folge in den Augen der Schulleitung: „Bring your own device“ – die Schüler bringen eigene Geräte mit, um sie im Unterricht zu nutzen.

Smartphones – immerhin hat nahezu jeder Schüler bereits eines – hätten sich für den Zweck nur begrenzt geeignet. Zum einen wegen der kleinen Bildschirme. Zum anderen, weil darauf zu viele Möglichkeiten der Ablenkung installiert sind. Die Geräte seien mit Spielen und Social-Media-Apps auf der einen, den Lernmöglichkeiten auf der anderen Seite aus schulischer Sicht Fluch und Segen zugleich. Dass die Kids ihre Geräte „völlig frei nutzen können, funktioniert nicht“, sagt Bock.

Gerecht oder ungerecht?

Bei der Suche nach geeigneten Geräten ist man auf die Tablets aus dem „Apple Education Program“ gestoßen, die bereits für den Einsatz in der Schule präpariert geliefert werden. Mit einer Software auf den Geräten, die sich nicht deinstallieren lässt, und einem Gegenstück bei der Schulverwaltung, kann letztere administrieren, welche Apps auf den Geräten installiert bzw. genutzt werden dürfen, wenn die Kinder auf dem Schulgelände sind.

Nun ist eine Anschaffung über mehrere Hundert Euro kein Pappenstiel, und die finanziellen Voraussetzung sind nicht in jedem Elternhaus die gleichen. Einige Eltern fanden es deshalb ungerecht, dass die Familien die Tablets selbst anschaffen müssen. Das gehe aber nicht anders, sagt Bock. Geld aus dem Digitalpakt könne dafür nicht hergenommen werden, weil die Tablets als persönliche Ausstattung der Schülerinnen und Schüler zählten. Und die dürfe nicht mit Mitteln aus einem öffentlichen Fördertopf bezahlt werden. „Es geht doch in allererster Linie um Bildungsgerechtigkeit. Ungerecht wird es, wenn wir sagen: Taschenrechner sind erlaubt und du kannst sie nutzen – wenn du dir einen leisten kannst.“ Die Gerüchte, es würde eine Aufteilung in analoge und digitale Klassen geben, fegt Bock mit Verweis auf ebendiese Argumentation vom Tisch, denn es wäre ebenfalls äußerst ungerecht, wenn Eltern, die es sich leisten können, ihre Kids in digitale Klassen „einkaufen“ können. Deshalb die Verpflichtung: Jedes Kind in der Klasse muss ein Tablet bekommen.

Am Ende habe die Schulpflegschaft nach dreistündiger Diskussion für die Idee mit den Tablets gestimmt, die Lehrerkonferenz war ebenso wie die Schülervertretung auch dafür. In der Schulkonferenz wurde der Plan mit einer Gegenstimme besiegelt. Mit der Bezirksregierung habe man ebenfalls über die Pläne in Alsdorf gesprochen. Es sei noch Neuland, habe es aus Köln geheißen, und es habe geheißen: „Fangt an“, erzählt Bock. „Die Schulaufsicht hat der Sache sehr positiv gegenüber gestanden.“ Die Tablets – die kleinste Version reicht laut Schulleitung für die Anforderungen im Unterricht vollkommen aus – werden von der Schule vor den Sommerferien gesammelt bestellt.

Den Eltern der betroffenen Schüler wurden der Plan sowie die Möglichkeiten bei der Anschaffung der Tablets (per Ratenzahlung etwa) in Infoabenden vorgestellt. Von rund 90 Prozent sei bisher die Rückmeldung gekommen, dass es mit dem Kauf klappt, sagt Bock. „Aber unser Ziel ist natürlich, dass auch der Rest mit einem Gerät versorgt wird. Die Frage ist noch, wie.“ Dafür setze man alle Hebel in Bewegung, Frage bei der Stadt nach Unterstützung, begebe sich auf Sponsorensuche, die Schüler hätten ihrerseits bereits die Idee geäußert, einen Sponsorenlauf zu veranstalten. „Was im Kleinen mit der Medienpauschale klappt, wird auch im größeren Maßstab funktionieren. Davon gehen wir fest aus“, erklärt Wüller. Schulleiter Bock fügt hinzu: „Wir müssen uns nichts vormachen: Es wird am Anfang holprig laufen und wir werden vor Problemen stehen. Aber das wird ein Erfolg werden.“