Alsdorf: Grundschule Ost/Kellersberg: Eltern gehen in die Offensive

Alsdorf: Grundschule Ost/Kellersberg: Eltern gehen in die Offensive

Bürgerinitiativen und Proteste aus der Bevölkerung zur Schulpolitik gehören in Alsdorf fast schon zum Tagesgeschäft. Erinnert sei an die Bürgerinitiativen gegen die Schließung der Grundschule in Busch oder gegen die Auflösung der Gerhart-Hauptmann-Hauptschule in der jüngeren Vergangenheit.

Widerstand seitens der Elternschaft regt sich jetzt auch in Alsdorf-Ost beziehungsweise Kellersberg. Dort wollen sich Eltern in einem offenen Brief an Bürgermeister Alfred Sonders zur prekären Situation an ihrer Grundschule äußern.

„Auf Mails oder Briefe antwortet der Bürgermeister ja nicht. Wir stoßen nur auf taube Ohren. Deshalb gehen wir jetzt mit unserem Ärger an die Öffentlichkeit”, sagt Ilka Tetzner, Mutter zweier Kinder aus Kellersberg, die die Grundschule in Ost nach der Zusammenlegung seit diesem Schuljahr besuchen, und Mitglied einer (noch) inoffiziellen Elterninitiative.

In Ost ist die Ganztagsbetreuung von rund 55 Kindern wegen des gesperrten Mitteltrakts der alten Gerhart-Hauptmann-Hauptschule, der dafür vorgesehen war, nicht sichergestellt.

In der Konsequenz müssen die Kinder jetzt zur Betreuung mit dem Bus von Ost in die alte Schule nach Kellersberg transportiert werden, was seitens der Schulleitung, des Betreuungspersonals, der Lehrer und nicht zuletzt der Eltern und Kinder als „nicht optimale und dauerhaft zumutbare Lösung” bezeichnet wird.

In dem offenen Brief, der der Redaktion vorliegt, werfen die Eltern dem Bürgermeister unter anderem eine verspätete beziehungsweise ausbleibende Informationspolitik vor: „Informationen des baulichen Zustandes des Gebäudes der Hauptschule, der künftigen Mensa und der Aufenthaltsräume der OGS, des Lehrschwimmbeckens durften wir Eltern aus der Zeitung erfahren”, bemängeln die Eltern im offenen Brief.

„Mit genau diesen Anreizen wollte man uns aber bei einer Informationsveranstaltung, zu der Bürgermeister Sonders und Schuldezernent Spaltner 2010 in die Stadthalle eingeladen hatten, den Wechsel unserer Kinder nach Ost schmackhaft machen”, erinnert sich Ilka Tetzner.

Bei dieser Gelegenheit habe man dem Bürgermeister auch eine Liste mit 700 Unterschriften zum Erhalt der Grundschule in Kellersberg übergeben, „die dieser wohl nicht einmal zur Kenntnis genommen hat”, blickt Ilka Tetzner zwei Jahre zurück.

Vertraglich sei die OGS mit dem Schulgebäude Ost geregelt, was nun nicht mehr zutreffe. Dies sei ein Vertragsbruch, heißt es in dem Schreiben. Vor diesem Hintergrund, bestätigt Ilka Tetzner, hätten bereits zwei Eltern ihre Kinder aus dem Angebot genommen.

Besonders die Busfahrten sind den Eltern ein Dorn im Auge: „Aufgrund dieser werden die Kinder unbewusst unter Druck gesetzt, um dem zeitlichen Ablauf der OGS einigermaßen gerecht zu werden.”

Und: „Kinder der OGS werden nach Beendigung der Betreuung nicht zu ihren Ausgangsorten gebracht!” Dies sei besonders für die kleinen Betreuungskinder aus den ersten und zweiten Klassen unzumutbar, ergänzt Ilka Tetzner.

Und auch mit dem regulären Bustransfer der Kellersberger Schüler nach Ost gehen die Eltern hart ins Gericht: „Die Kinder sind an der Haltestelle Broicher Straße durch parkende Autos und zum gleichen Zeitpunkt abfahrende Busse - die AL 3 nach Ofden, die Linie 31 nach Linden-Neusen und der Sprachschulbus nach Baesweiler - gefährdet.”

Zwei Kinder seien bereits in die falschen Busse eingestiegen. Zudem sei der Bürgersteig an der Broicher Straße für die Masse an Kindern viel zu klein. „Versprochen wurden uns - und hierfür wollte sich besonders die Kellersberger SPD einsetzten - sichere Haltestellen an der Ringstraße und an der ehemaligen Grundschule”, zeigt sich Ilka Tetzner besonders enttäuscht von den Kellersberger Genossen.

Die Eltern fragen sich nun, ob ein „normaler Unterricht” in Ost überhaupt noch möglich sei. Sie schlagen das „Baesweiler Modell” vor, nach dem zwei kleine Schulen an unterschiedlichen Orten (Ost alt und Kellersberg alt) von einer Leitung geführt werden.

Von Kostenersparnis durch den neuen Schulstandort könne kaum die Rede sein: Der fällige Abriss des Altbestandes und ein Neuaufbau würde die Stadt sehr viel mehr Geld kosten. Schon jetzt seien die durch die Grundschulzusammenlegung errechneten Einsparungen von 300 000 Euro jährlich kaum realistisch: Wegen der Weiternutzung des Gebäudes in Kellersberg müsse es schließlich weiter bewirtschaftet werden.

Zudem dürften auch die Bustransferkosten nicht außer acht gelassen werden, lautet die Einschätzung von Ilka Tetzner. „Die Eltern”, so das Versprechen im offenen Brief, „sind bereit, den Umzug der Schüler in ihre alte Schule durchzuführen”, wenn denn die Stadt nicht in der Lage sei, einen solchen zu finanzieren.

Anfragen unserer Zeitung speziell zur Busproblematik an die Verwaltung blieben am Freitag unbeantwortet...

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