Würselen: Grünes Licht für neues Baugebiet

Würselen: Grünes Licht für neues Baugebiet

Die Tage des Baustoffhandels an der Bahnhofstraße sind gezählt. Damit nach dessen Schließung zwischen Bahnhofstraße und Nordstraße keine Brache entsteht, gab der Ausschuss für Stadtentwicklung, Straßenbau, Umwelt und Verkehr einstimmig grünes Licht für die Aufstellung eines Bebauungsplanes.

Dieses Thema war schon Anfang des Jahres im Ausschuss behandelt worden. Damals beauftragte die Politik die Verwaltung, in die Planung auch das Nachbargelände einzubeziehen.

Überplant worden ist demnach der innere Bereich zwischen Nordstraße, Bahnhofstraße und Bahnhof. CDU-Sprecher Balthasar Tirtey: „Eine vorbildliche Konzeption. Wir sind auf einem guten Weg.” Bedenken äußerte UWG-Sprecher Hans Göbbels lediglich wegen der zu erwartenden höheren Verkehrsbelastung. Da der Innenbereich des Geländes als allgemeines Wohngebiet festgesetzt werden soll, sind die beschlossene Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung eines Bebauungsplanes notwendig.

Der städtebauliche Entwurf sieht vor, im Innenbereich ein Wohnquartier mit freistehenden Mehrfamilienhäuser in zweieinhalb-geschossiger Bauweise zu realisieren. In der Bahnhofstraße soll in die geschlossene Bebauung ein dreieinhalb-geschossiges Mehrfamilienhaus eingefügt werden. Vorgesehen ist Wohnbebauung in barrierefreier Ausführung, „womit ein attraktives Wohnraumangebot in ruhiger und zugleich zentraler Innenstadtlage für verschiedene Wohnprofile geschaffen wird”.

Entstehen sollen 60 bis 70 Wohneinheiten in verschiedenen Wohnungsgrößen. Die Neubauten werden hochwärmegedämmt und energieeffizient errichtet. Zur zentralen Wärme- und Energieversorgung des Wohnparks Bahnhofstraße ist ein Blockheizkraftwerk geplant. Die Erschließung des Wohnquartiers soll von der Bahnhofstraße über eine Einbahnstraße erfolgen, deren Einfahrt im Bereich der heutigen Zufahrt auf das Gelände des Baustoffhandels liegt.

Die Ausfahrt erfolgt über die vorhandene Ein-/Ausfahrt in der Bahnhofstraße vor dem alten Bahnhofsgebäude. Von der Einbahnstraße zweigen Straßenstiche zu den Wohngebäuden ab. Unter den freistehenden Neubauten sollen Tiefgaragen entstehen. Zudem sind private Parkplätze nahe der Hauseingängen vorgesehen. Öffentliche Stellplätze sollen alternierend zur Verkehrsberuhigung entlang der Haupterschließung ausgewiesen werden. Insgesamt sollen 100 Stellplätze im Quartier realisiert werden. In einer Bürgerversammlung soll die Planung vorgestellt werden.

„Überarbeitungsbedürftig”

Für den Bereich Drischer Straße/Ringstraße/Sebastianusstraße besteht seit 1984 der rechtsverbindliche Bebauungsplan 5 A. Er war aufgelegt worden, um im Innenbereich eine Wohnbebauung zu ermöglichen. Mit Ausnahme einer Reihenhauszeile an der Sebastianusstraße wurde der Plan nicht realisiert.

Vielmehr beschloss 1998 der Stadtplanungsausschuss die Einleitung eines Aufhebungsverfahrens, um an seiner Stelle mit Hilfe eines neuen Bebauungsplanes 176 eine Nutzungsänderung in diesem Bereich herbeiführen zu können. Vor allem sollte der bestehenden Diskothek Berks eine große, teilweise überdachte Stellplatzanlage ermöglicht werden.

Dieser Plan wurde wegen nicht lösbarer Immissionsprobleme von der Bezirksregierung nicht genehmigt, so dass der alte B-Plan 5 A immer noch Rechtskraft besitzt. Auf der Grundlage eines städtebaulichen Vorentwurfes sollte jetzt die Aufstellung eines neuen B-Planes im Ausschuss beschlossen werden. Ziel sollte es sein, „mitten im Herzen von Würselen einen hoch qualifizierten Wohnstandort zu entwickeln, der vor allem den demografischen Wandlungen Rechnung trägt.”

Die bestehenden Baumbestände sollten - soweit machbar - erhalten bleiben, so dass sie als Distanzgrünflächen zu den umliegenden viergeschossigen Wohngebäuden dienen könnten. Da es sich um einen Bebauungsplan der Innenentwicklung handelt und die Größe der festzusetzenden Grundfläche weniger als 20.000 Quadratmeter beträgt, sollte der Bebauungsplan „im beschleunigten Verfahren ohne eine Umweltprüfung” aufgestellt werden.

Der noch gültige Plan setze Gebäude fest, „die wir so nicht mehr haben wollen”, unterstrich SPD-Sprecher Stefan Mix die Notwendigkeit der Aufstellung eines neuen Planes. Die Bürger sollten beteiligt werden und dann weiter daran „gefeilt” werden. Im Rahmen des Verfahrens könne auch den Belangen des Naturschutzes Rechnung getragen werden.

Dass der Vorentwurf noch überarbeitungsbedürftig sei und daher die Aufstellung des neuen B-Planes noch nicht auf den Weg gebracht werden könne, wandte CDU-Sprecher Balthasar Tirtey ein. Auch die FDP-Fraktion habe - so Sprecher Markus Carduck - Bauchschmerzen mit dem vorliegenden städtebaulichen Vorentwurf.

Technischer Beigeordneter Till von Hoegen hielt der Kooperation vor, keine konkreten Veränderungsvorschläge unterbreitet zu haben. Die Entscheidung werde nur bis nach den Sommerferien vertagt. Die Kooperation war nicht zu überzeugen, so dass die Aufstellung des B-Plans 207 erst einmal vom Tisch ist.