Herzogenrath: „Grubenlicht“: Sechs dunkle Jahre der Bergbaugeschichte

Herzogenrath : „Grubenlicht“: Sechs dunkle Jahre der Bergbaugeschichte

Jahrzehntelang war das „Grubenlicht“ von der historischen Bildfläche nahezu verschwunden. Ein Blick auf die Erscheinungsjahre der Zeitungen für die Bergleute lässt auf die Gründe schließen. Die Machtergreifung Hitlers war im Jahr 1933, 1939 begann der Zweite Weltkrieg — in genau diesem Zeitraum erschien das Blatt.

„Die Zeitung hatte den Zweck, die Bergleute auf Linie zu bringen“, sagt Jürgen Klosa klar. „Es sollte ein Gefühl der Kameradschaft hergestellt werden.“

Jürgen Klosa, der vor ungefähr zwei Jahren schon ein Buch über die Grube Adolf in Herzogenrath geschrieben hat und 23 Jahre in der Verwaltung der Grube Anna in Alsdorf gearbeitet hat, hat sich auf die Suche nach der Zeitung für die Bergleute gemacht — und ist in der preußischen Staatsbibliothek in Berlin und in der Bibliothek in Leipzig fündig geworden. Er beantragte Fernleihen, fotografierte insgesamt 1232 Seiten und pflegte sie händisch in eine Datenbank ein.

Acht Seiten lang war eine der 14-tägig erscheinenden Ausgaben normalerweise, zwei davon waren in der Regel politischer Natur, sagt Klosa. Auf vielen Titelseiten prangt Hitler, 80 Prozent von ihnen sind politisch gefärbt, nur etwa 20 Prozent bergbaulich, schätzt Klosa.

Pathetische Gedichte sprechen die Unterstützung für die nationalsozialistische Regierung aus, andere heroisieren die Bergleute und deren Arbeit, dazwischen finden sich immer wieder vermeintlich „harmlose“ Gedichte zu Hochzeiten oder Geburtstagen der Bergsleute. Es geht um die Leser-Blatt-Bindung, und: „Es herrscht ein strammer, nationalsozialistischer Geist in der Zeitung“, betont Klosa.

Warum also möchte Jürgen Klosa den Inhalt der Zeitung aufarbeiten? „Es schließt historische Lücken, die man für die Geschichte der einzelnen Gruben schließen muss“, erklärt er. „Man kann nicht einfach sechs Jahre in der Geschichte der Gruben ausblenden“, betont er. Und: „Geschichte ist Geschichte.“

Außerdem biete es eine ungefilterte Chronik. „Es lassen sich Todeslisten der Bergleute rekonstruieren, Eheschließungen und Geburten sind verzeichnet oder Kleinanzeigen, die erahnen lassen, was zur damaligen Zeit gebraucht wurde“, sagt Klosa. Auch über die jeweilige politische Lage gebe das „Grubenlicht“ einen Überblick, so dass Geschehnisse eingeordnet werden könnten.

Mithilfe der Datenbank kann Klosa zu jeder Zeche des Gebiets jedes Detail aus der Zeitung herausfinden, von Dankansagungen bis zu Reiseberichten und Fakten aus der Bergbaugeschichte.

Bei einem Erzählabend im Fördermaschinenhaus des Bergbauvereins Grube Adolf stellte er seine Ausarbeitungen vor — Gäste waren unter anderem der Geschichtsverein Baesweiler, der Landschaftsverband Denkmalpflege Übach-Palenberg und Mitglieder des Bergbaudenkmalvereins der Grube Adolf — wie es nun genau damit weitergeht, ist noch unklar.

Klosa könnte sich vorstellen, dass das Aachener Zeitungsmuseum sowie die Geschichtsvereine der Umgebung Material vom „Grubenlicht“ für ihre Archive bekommen. Außerdem würde er gern Nachforschungen zu Stammbäumen anstellen, die er ebenfalls bei der Durchsicht der Zeitungen gefunden hat.

Auch für Schüler, die beispielsweise Facharbeiten schreiben, könnte die Zeitung interessant sein, meint er. „Zum Beispiel können die Mechanismen, die in der Zeitung benutzt worden sind, herausgearbeitet werden.“ Nicht zu interpretieren und nicht darüber zu sprechen sei für ihn keine Lösung.

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