Herzogenrath/Kerkrade: Grenzgänger genießen die Eurode-Kunstroute

Herzogenrath/Kerkrade: Grenzgänger genießen die Eurode-Kunstroute

Wenn man alle Bilder von Doortje Kuckelkorn betrachten möchte, muss man von Deutschland in die Niederlanden gehen. Zugegeben: Herzogenrath und Kerkrade liegen nicht weit voneinander entfernt.

Noch schneller funktioniert der künstlerische Grenzverkehr allerdings im Eurode-Business-Center (EBC). Dort muss man nur eine Entfernung von Zentimetern überwinden.

Um die Verbundenheit der beiden Städte auch in künstlerischer Sicht zu unterstreichen, steht ein Teil der Ausstellung von Doortje Kuckelkorn im niederländischen und der andere Teil im deutschen Bereich des EBC. Dort Doortje Kuckelkorn ist eine von vier Künstlern, die sich bei der „Eurode Kunstroute 2011” präsentieren.

Auf den Leinwänden präsentiert sich dem Betrachter eine Kombination aus verschiedenen Materialien wie Papier und Zeitung sowie eine Vielzahl von Farbabstufungen. „Ich habe klassisch angefangen mit Aquarellen und Kohlezeichnungen”, sagt die in Kerkrade lebende Künstlerin. „Aber das war nicht mein Ding. Darum bin ich zur abstrakten Kunst gewechselt.” Die Bilder leben von der darin befindlichen Energie, drücken Stimmungen aus. Namen haben sie nicht.

So liegt alles im Auge des Betrachters - eine Redewendung, die auch Seren Basogul in den vergangenen Monaten häufig zitiert und gehört hat. Sie präsentiert bei der Kunstroute im zweiten Obergeschoss des EBC einen Teil ihrer Diplom-Abschlussarbeit, die sie an der Fachhochschule Aachen im Studiengang Visuelle Kommunikation vorlegte.

In der Arbeit mit dem Titel „Cover/Discover” präsentiert sie porträtierte Frauen mit verschiedenen Kopftuchbedeckungen. Mit einer Steigerung der Bedeckungsfläche verändert sich die Wahrnehmung und der Betrachter beginnt mit dem Schubladen-Denken. „Mit dieser veränderten Wahrnehmung beginnt auch eine sich ändernde Interpretation”, erklärt Seren Basogul. „Die Menschen nehmen Denkmuster an, ohne sie zu prüfen.”

So sollten Vorurteile immer wieder hinterfragt werden, Meinungen könnten sich ändern. Und man dürfe nicht vergessen: „Hinter jedem Kopftuch steckt ein Mensch, der auch Mensch sein will und nicht aufgrund seines visuellen Auftretens auf etwas reduziert werden möchte.”

Reduziert

Reduziert ist allerdings die Kunst von Jenny Roost. Die von ihr gestalteten Bronzefiguren, die alle im Paar gezeigt werden, sind dünn, geradezu drahtig. Ein Effekt, der gewollt ist. „Draht ist ein faszinierender Stoff”, sagt die Niederländerin aus Hoensbroek. Das Metall bildet die Grundlage einer jeden Skulptur, die sie mit Händen formt und auf diese Weise ihre gesamte Kraft und Energie in ihre Werke projiziert. Eine konkrete Vorstellung hat sie zu Beginn ihrer Arbeit nicht, „ich lasse meine Hände und meine Phantasie fließen”. Und auch dann liegt es wieder im Auge des Betrachters, ob nun ein tanzendes oder ein kämpfendes Paar auf dem Sockel zu sehen ist.

Malerei, Fotos und Skulpturen

Es ist bereits das zweite Mal, dass die Städte Herzogenrath und Kerkrade gemeinsam die „Eurode Kunstroute” anbieten. 85 Künstlerinnen und Künstler aus beiden Städten beteiligten sich insgesamt und präsentierten an über 30 Standorten ihre Kunstwerke. Im „Werkplaats K” etwa, einer ehemaligen Schule, die Atelier- und Ausstellungsräume anbietet, haben sich Studenten und ausgebildete Künstler zusammen getan.

In der Artco-Galerie zeigen Künstler unterschiedlicher Sparten Werke aus den Bereichen Malerei, Fotografie und Skulpturen. Darüber hinaus eröffnete Artco neue Galerieräume in der Apolloniastraße, in der zur Eröffnung die Fotoarbeiten von Jutta Melchers in der Werkschau „People at an exhibition” gezeigt werden.

Im Frauenkommunikationszentrums konnten sich die Besucher nicht nur die Arbeiten von vier Künstlerinnen ansehen, sondern gleich auch eigene, für sie persönlich gestaltete Werke mit nach Hause nehmen.

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