Erinnerung an das Grubenunglück 1930: Glocke kehrt auf Grubengelände zurück

Erinnerung an das Grubenunglück 1930 : Glocke kehrt auf Grubengelände zurück

Als sich der schier endlos wirkende Trauermarsch in Bewegung setzte und vom Anna-Gelände in Richtung Nordfriedhof aufmachte, läutete sie ununterbrochen.

Die ehemalige Glocke der evangelischen „Notkirche“ auf dem Zechengelände steht in jeglicher Form als Mahnmal für das große Grubenunglück 1930 in Alsdorf. Ab sofort ist sie Teil der erweiterten Dokumentation im Energeticon und kann besichtigt werden. Fast auf den Tag genau 88 Jahre später hat Bürgermeister Alfred Sonders in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Vereins „Pro Energeticon“ diese erweiterte Dokumentation vorgestellt. Zwischen dem Gedenk-Mosaik, das aus dem alten Gymnasium in Ofden seinen Weg in die „Waschkaue“ gefunden hat, und der Gedenktafel mit den Namen aller unmittelbaren Todesfälle des Unglücks wird die Glocke ihren neuen Platz finden.

 Im Nebenraum zur Waschkaue führten Sonders und Vereinskollege Rudolf Bast, ehemaliger Rektor des Gymnasiums und passionierter Heimathistoriker, in die Thematik ein. Das große Grubenunglück von Alsdorf – hervorgerufen durch eine „Wetterschlagexplosion“ – kostete insgesamt 299 Menschen das Leben. Viele der Bergleute hatten in Alsdorf eine neue Heimat gefunden. Viele von ihnen waren evangelisch getauft, so dass eine zusätzliche, protestantische Kirche gewünscht wurde. Der EBV kam diesem Bedürfnis in Form einer „Notkriche“ im Bereich des Knüpfungspunkts des heutigen Denkmalplatzes und Zentralparkplatzes nach. In eben jener Kirche fand auch besagte Glocke eine erste Heimat.

 Bast erklärte, dass das Glockenläuten noch lange vor dem Sirenensignal den Schichtwechsel bekanntgab. Nachdem die „grüne Baracke“ als Notkirche ausgedient hatte, wurde die Glocke an die Ofdener Paul-Gerhardt-Kirche weitergegeben. Nach einer langen Odyssee war für das gute Stück auch in Ofden kein Platz mehr – eine Einlagerung oder gar Verschrottung wäre für die Verantwortlichen von Pro Energeticon jedoch eine Katastrophe gewesen. „Die Stadt Alsdorf verdankt den Opfern des Bergbaus viel. Mit unserer Dokumentation können wir ihr Andenken wach und in Ehren halten“, erläuterte Bast.

Mit Unterstützung von der Sparkassen-Kulturstiftung konnte die „lange Reise“ der Glocke nun beendet werden. Sparkassenvorstandsmitglied Thomas Salz bekräftigte, dass „eine Verwurzelung in der Heimat und das Interesse für deren Geschichte ein wichtiger Baustein ist, um auch in internationalen Kreisen Gesellschaft und Gemeinschaft zu fördern“. Alfred Sonders hat von seinem Großvater individuelle Eindrücke vom Tag des Unglücks erhalten. Zum Zeitpunkt der Explosion hatte dieser seine Schicht bereits hinter sich, wurde jedoch als Ersthelfer unmittelbar zu seinem Arbeitsplatz zurückbeordert.

Der Bürgermeister dankte stellvertretend im Namen des Vereins der Sparkasse für die großzügige Unterstützung. Viele Ideen und Aktionen der vereinsinternen Projektgruppe könnten mit dem eigenen, aus Mitgliederbeiträgen und Spenden aufgestellten Budget gar nicht umgesetzt werden. Für Alsdorf sei es elementar wichtig, die Verknüpfung von Geschichte, Gegenwart und Zukunft stetig zu fördern. Die lange und wechselvolle Vergangenheit der Stadt verdiene es, erforscht und dargestellt zu werden.

Für „Pro Energeticon“ zeichnet sich bereits ein nächstes Projekt ab. Die Projektgruppe um Bast, Hans-Peter Thelen, Hans Vorpeil und Nijaz Ganic planen eine Dokumentation über den „Vater der Grube Anna“, Wilhelm Sassenberg. Der Ingenieur war mit seinen technischen Innovationen der Mann, der den Weg für den Bergbau in Alsdorf-Mitte erst ebnete. Eine Würdigung seines Schaffens in Form von Ausstellungen, Vorträgen und Filmvorführungen stellt die nächste Aufgabe des Vereins dar.

((yl))
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