Würselen: Gleichstellung ist keine Lust, sondern Pflicht

Würselen: Gleichstellung ist keine Lust, sondern Pflicht

„Lust auf Gleichstellung“ lautet der Titel einer Ausstellung zum 25-jährigen Bestehen der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der kommunalen Frauenbüros und Gleichstellungsstellen in NRW, die jetzt im Würselener Rathaus eröffnet wurde. Bürgermeister Arno Nelles und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Würselen und Landessprecherin Silke Tamm-Kanj berichteten zur Eröffnung Wissenswertes über die Aufgaben der LAG.

Chancengleich, diskriminierungsfrei und selbstbestimmt leben, jenseits von gesellschaftlichen Zuschreibungen und Rollenerwartungen: Für diese Zielsetzung gibt es heute einen breiten gesellschaftlichen Konsens. „Obwohl Frauen und Männer heute gesetzlich gleichgestellt sind, sieht die Wirklichkeit anders aus — von wahrer Chancengleichheit ist man noch weit entfernt“, sagte Nelles.

Beharrlichkeit ist gefordert

Deutschland dürfe nicht den Anschluss an viele andere Nationen verpassen. Deshalb müsse man auch in Würselen daran arbeiten, betonte Nelles. Es sei weniger die „Lust auf Gleichstellung“, um die es geht, als um die „Pflicht“. „Gerade angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels müssen wir jungen Frauen eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. Vor der Bundestagswahl sind alle Parteien aufgerufen, daran zu arbeiten, denn es ist eine gesellschaftliche Verpflichtung und Notwendigkeit“, betonte der Bürgermeister. Auch in Würselen, wo die Gleichstellungsstelle seit 1987 aktiv ist, bestehe Nachholbedarf. „Positiv war die Einrichtung vieler Heimarbeitsplätze. In der Stadtverwaltung steht demnächst ein Generationenwechsel an, bei dem auch Frauen verstärkt in Führungspositionen kommen sollen. Das ist ein Thema, das wir mit dieser Ausstellung in die Öffentlichkeit tragen wollen, um vorhandenes Potenzial zu nutzen“, sagte Nelles. Alle ansässigen Unternehmen seien dazu aufgefordert.

Welch starkes Netzwerk die kommunalen Frauenbüros und Gleichstellungsstellen darstellen, zeigt ein Aufsteller. Die LAG ist das 1988 gegründete Netzwerk der 375 Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten in NRW. Die Entwicklung gemeinsamer Positionen zu frauenpolitischen Themen und Handlungsempfehlungen sowie der Austausch auf Landesebene stehen im Fokus. Feine Unterschiede in der Sprache, eine geschlechtersensible Gesundheitspolitik und Gendermedizin sowie die Rolle des weiblichen Geschlechts im Breiten- und Spitzensport werden beleuchtet.

Bis zum 21. Juni

„Für eine Frauenquote“ steht plakativ auf einem der Aufsteller, die auch deutlich machen, wie die derzeitige Situation aussieht: Frauen verdienen durchschnittlich 22 Prozent weniger als Männer. Rund 48 Prozent aller erwerbstätigen Frauen in NRW sind teilzeitbeschäftigt. Der Anteil von Frauen an den geringfügig Beschäftigten liegt bei 67 Prozent. 2010 lag die Erwerbsquote der Frauen in NRW bei 67 Prozent — das Land nimmt damit bundesweit den vorletzten Platz ein.

Auf Einladung der Landtagspräsidentin Carina Gödecke hatte die 25-Jahrfeier der LAG im März im Plenarsaal des Landtages stattgefunden. „Dies zeigt die große Wertschätzung der Gleichstellungsarbeit im Land“, betonte Tamm-Kanj, die auch auf die Historie der LAG einging: 1982 wurde das erste kommunale Frauenbüro in Köln eingerichtet, weitere folgten 1984. 1994 war ein Meilenstein, denn seitdem ist fest vorgeschrieben, dass kreisangehörige Städte und Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern sowie kreisfreie Städte eine hauptamtlich tätige Gleichstellungsbeauftragte haben müssen. „Nach wie vor aber müssen Frauen für die Gleichstellung kämpfen, denn nichts erfolgt einfach so“, betont Tamm-Kanj.

Die Ausstellung der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauenbüros und Gleichstellungsstellen in Nordrhein-Westfalen ist bis zum 21. Juni im Rathaus, Morlaixplatz 1, zu sehen.

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