Alsdorf: Gesundheitsforum: Über zuviel Zucker und den Darm als „zweites Gehirn“

Alsdorf : Gesundheitsforum: Über zuviel Zucker und den Darm als „zweites Gehirn“

„Der Darm, unser zweites Gehirn“ — so hatte Privatdozent Dr. Carsten J. Krones seinen Vortrag überschrieben. Der Darm sei ein Motor, dem als Treibstoff Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette durch die Nahrung zugeführt werden müssten. Vorsicht mit dem Zucker, ermahnte Krones sein Publikum, und zwar auch bei Lebensmitteln, denen man es gar nicht so ansehe wie Fruchtsäften.

Diese seien nicht übermäßig gesund, da sehr zuckerhaltig. Fette seien Reserve für schlechte Zeiten, wobei es auch nicht gesund sei, gänzlich fettfrei zu essen. Der Darm, erläuterte der Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimalinvasive Chirurgie des Aachener Marienhospitals anlässlich des mha-Gesundheitsforums in der Alsdorfer Stadthalle, besitzt die Oberfläche eines Fußballfeldes und sei von rund 100 Billionen Helfern besiedelt, dem Mikrobiom. Diese seien zehnmal zahlreicher als alle körpereigenen Zellen mit 100-mal mehr genetischer Information in 10.000 verschiedenen Arten.

Viele der Mikroorganismen seien nicht kultivierbar und deshalb auch noch nicht vollständig wissenschaftlich verstanden. Mikrobiomgesellschaften kommen beim Menschen nicht nur im Darm vor, sondern auch im Mund, auf der Haut oder in der Gebärmutter. Sie siedeln sich durch den Geburtsprozess, in der Stillphase, über Außenkontakte, über die Nahrung und durch Übertragung von Familienangehörigen im und auf dem Körper an.

Zurück zum Darm: 50 Prozent der festen Biomasse, die der Mensch ausscheidet, sind Bakterien, klärte Dr. Krones auf. Sie sind wichtig für uns, da sie die Vitamine B und K synthetisieren, Nährstoffe spalten, das Immunsystem reifen lassen und Allergien mindern. Sie begrenzen und bekämpfen schädliche Mikroorganismen und besetzen Nischen, um Schädlingen vorzubeugen. Die Zusammensetzung der Darmflora habe, so Krones, auch Auswirkung auf das Gewicht, was der Mensch bislang aber nicht auszunutzen versteht.

Prozesse bleiben vage

Die Forschung am Mikrobiom des Darms ist seit dem Jahr 2000 quasi „explodiert“. Der Darm ist über drei Wege mit dem Gehirn verbunden: den Nervus vagus, die Hormone GABA und Dopamin sowie die Lipopolysaccharide. Daher kann eine Unpässlichkeit im Darm aufs Gemüt schlagen, eine Depression andererseits aber auch auf die Verdauung. Geht die Vielfalt des Mikrobioms verloren, entsteht eine Dysbiose. Das kann bei Bewegungsmangel geschehen oder bei chronischer Entzündung. Doch die Prozesse bleiben für die Medizin und die Wissenschaft vage: Immer noch stehe man vor einem Henne-Ei-Problem, sagt Krones.

Er zählt Krankheiten auf wie Krebs, Nahrungsmittelallergien, Diabetes, Adipositas oder Demenz, doch wo ist die Ursache, wo die Wirkung? Wer sich etwas Gutes tun möchte und einem Ungleichgewicht im Darm vorbeugen möchte, sollte ballaststoffreiche Pflanzenkost zu sich nehmen, wenig rotes Fleisch und wenig Zucker essen, grünen Tee wegen der Phenole trinken, sich mindestens dreimal pro Woche für 30 Minuten bewegen, einen ausgewogenen Tag-Nacht-Rhythmus pflegen, auf Antibiotika nach Möglichkeit verzichten genauso wie auf „Gifte“ wie Nikotin und Alkohol.

Die Zuhörer bedankten sich mit reichlich Applaus für den anschaulichen Vortrag eines Referenten.

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