Würselen: Gesundheitscampus in Bardenberg: Neuerungen und Zukunftspläne

Würselen : Gesundheitscampus in Bardenberg: Neuerungen und Zukunftspläne

Das Gelände des ehemaligen Knappschaftskrankenhauses in Bardenberg wird umfassend umgestaltet und neu genutzt. Dort wollen das Schwertbad Aachen und dessen Eigner, die Inoges AG, einen Gesundheitscampus einrichten. Das Rhein-Maas Klinikum Würselen (RMK) wird zum Kooperationspartner.

Vorbehaltlich der Entscheidung der Gremien der Gesellschafter, also des Städteregionstags und der Knappschaft Bahn-See (KBS), wird das Areal an die Inoges AG verkauft. Gemessen an der bisherigen Diskussion dürfte eine Zustimmung nicht mehr grundsätzlich infrage stehen. Den grundlegenden Empfehlungsbeschluss des Aufsichtsrats hatte auf Nachfrage unserer Zeitung Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU) bereits bestätigt.

Kooperieren in Bardenberg: RMK-Geschäftsführer René A. Bostelaar (l.) und Schwertbad-Geschäftsführer Reinhard Strauch. Foto: Stüber, Wolfsperger

Was bedeutet das im Einzelnen? René A. Bostelaar, Geschäftsführer des RMK, das seine Aktivitäten weitgehend auf den Standort Marienhöhe in Würselen-Mitte konzentrieren will, ist mit der Ausarbeitung des Kaufvertrags beauftragt. Dieser soll bis Februar unterschriftsreif sein. „Es geht um das ganze Areal“, sagt Bostelaar unserer Zeitung — und noch einiges mehr. Das Anwesen wird „wie gesehen“ übernommen, inklusive aller Bauten — zu einem Kaufpreis von drei Millionen Euro, wie es im Masterplan zur Weiterentwicklung des RMK eingepreist ist.

Kooperieren in Bardenberg: RMK-Geschäftsführer René A. Bostelaar (l.) und Schwertbad-Geschäftsführer Reinhard Strauch. Foto: Stüber, Wolfsperger

Heißt: Für Abrisskosten etwa des nicht mehr genutzten Schwesternheims muss die Inoges AG aufkommen — wobei diese sicherlich in die Berechnung der Mieten für Nutzer des Areals einfließen dürften.

Bostelaar geht davon aus, dass einige Bauteile nicht zur Disposition stehen, so etwa der „Turm“, in dem derzeit noch die Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) untergebracht ist, die aber bald nach erfolgten Anbau im Eingangsbereich des RMK am Standort Marienhöhe dorthin umzieht. Auch der historische Teil des Knappschaftskrankenhauses soll erhalten bleiben, ebenso der recht neue OP-Trakt. Dort, sagt der RMK-Geschäftsführer, dürfte die Inoges AG die OP-Säle und den Bereich Sterilisation „rausnehmen“, um eine Frührehabilitation für neurologische Patienten einzurichten. „Das Gebäude ist mit seiner Infrastruktur perfekt dafür.“

Anstelle des ausgedienten Schwesternheims soll die neue Schule für Pflegeberufe gebaut und von der Städteregion angemietet werden. „Die Krankenpflegeschule an Marienhöhe platzt aus allen Nähten. Um die Krankenpflegeberufe attraktiver zu machen, müssen wir die Ausbildung auch im Interesse der Patienten zukunftsorientiert und bedarfsgerecht gestalten. Dazu gehören angemessene Räumlichkeiten“, betont Bostelaar. Deshalb soll die Pflegeschule schon in diesem Jahr nach Bardenberg umziehen und provisorisch untergebracht werden. „Dazu wird Inoges die ehemaligen Stationen im historischen Teil nutzen“, sagt Bostelaar.

Die Inoges AG wird nicht nur Käufer, Entwickler, Bauherr und Vermieter auf dem Gelände sein, sondern auch mit dem RMK auf medizinischer Ebene eng kooperieren, wie der Geschäftsführer sagt. Es geht um den Bereich Geriatrie. „Wir stellen die medizinische Fachkompetenz, die Inoges übernimmt die Organisation der Reha“, spricht Bostelaar von einem gemeinsamen Betreiberkonzept.

In 2018 wolle das RMK die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die noch in Bardenberg angesiedelten Kliniken für Lungenheilkunde und Urologie nach Würselen-Mitte umziehen können. Das gelte ebenso für die Verwaltung. Bis März soll die neue „Stroke Unit“ (Schlaganfallzentrum) in der B3-Station fertiggestellt sein. Auch die „Weaning Station“ (für Patienten, die künstlich beatmet werden müssen) wird eingerichtet.

Laut Bostelaar wird das Untergeschoss des Hauses C ausgebaut. Aus dem Krankenhausstrukturfonds werde die vier Millionen Euro kostende Baumaßnahme mit 50 Prozent bezuschusst. Die Lungenheilkunde soll am neuen Standort 44 Betten umfassen. „Die richtige Übergabe des Bardenberger Geländes an die Inoges AG soll 2019 erfolgen.“

Der Geschäftsführer des Schwertbads Aachen, Reinhard Strauch, bestätigte auf Nachfrage die Angaben, ist aber noch vorsichtig, ob die Krankenpflegeschule so schnell umziehen kann. „Wir befassen uns mit der Projektierung. Verschiedene Architekturbüros erarbeiten Vorschläge. Zudem müssen wir uns über die Reihenfolge der einzelnen Maßnahmen in Bardenberg klar werden.“

Als Grundlage werde die Substanz verschiedener Wirtschaftsgebäude geprüft. Das alles geschehe in enger Abstimmung mit dem RMK. Gegebenenfalls könne der „Turm“ im Eingangsbereich in Bardenberg von der Krankenschule übergangsmäßig mitgenutzt werden. Langfristig sei dort die Einrichtung eines Ärztehauses denkbar. „Wir wollen auf dem Gelände in Bardenberg eine Campuslösung in Sachen Gesundheit hinbekommen.“

Das Schwertbad hat bereits im vergangenen Jahr seine Abteilung für Psychosomatik nach Bardenberg verlegt. Das Engagement der Aachener in Würselen soll ausgebaut werden. Ursprünglich sollte die Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen zumindest Teile des Areals des ehemaligen Knappschaftskrankenhauses weiterentwickeln. Das ist nun nicht mehr vorgesehen. „Falls die Politik das aber möchte, sind wir dafür offen“, sagt Strauch.

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