Baesweiler: Gesamtschule durch Schulterschluss mit Übach-Palenberg möglich

Baesweiler: Gesamtschule durch Schulterschluss mit Übach-Palenberg möglich

Zumindest das steht nun fest: Die Tage der Hauptschule in Baesweiler sind gezählt. Nachdem in diesem Schuljahr mit Ach und Krach eine Eingangsklasse mit 19 Schülern zustande kam, soll es zum kommenden Schuljahr keine mehr geben. Diese Nachricht präsentierte Bürgermeister Dr. Willi Linkens jetzt dem Schulausschuss.

Eine dritte weiterführende Schule will die Stadt dennoch anbieten können: In Sachen Gesamtschule scheint plötzlich ein Schulterschluss mit Übach-Palenberg möglich zu sein. Hinter dem stehen allerdings noch einige dicke Fragezeichen. . .

„Stehen ganz am Anfang“

Künftig könnte im Gebäude der jetzigen Hauptschule ein so genannter Teilstandort der Willy-Brandt-Gesamtschule geführt werden. Das wäre der erste seiner Art: eine kreisübergreifende Gesamtschule an zwei Standorten gibt es im Land bislang nämlich nicht. „Wir stehen da aber erst ganz am Anfang“, betonte Linkens, „da kommen noch einige Hürden“.

Erste Gespräche mit der Kölner Bezirksregierung geben Anlass zur Hoffnung, sagte er. Die hatte der Stadt zwar wiederholt eine eigene Gesamtschule versagt — weil vor allem die Gesamtschule in Übach-Palenberg die Baesweiler Auspendler braucht, um selbst nicht zu klein zu werden —, aber für einen Teilstandort gilt ein anderes Zahlenwerk. Muss eine eigenständige Gesamtschule mindestens vierzügig sein, reichen für beide Teilstandorte insgesamt sechs Klassen pro Jahrgang. Zum Beispiel drei in Übach-Palenberg und drei in Baesweiler. Diese Schülerzahl könne man erreichen, sagte Linkens. Vorausgesetzt, die bisherigen Auspendler aus Baesweiler bleiben künftig in der Stadt.

Auch seitens der Gesamtschule in Übach-Palenberg kämen gute Signale. Weil deren Schülerzahl sinkt und sie bald womöglich selbst mit Schülern aus Baesweiler ihre vier Klassen nicht mehr füllen kann, würde auch sie von der neuen Lösung profitieren, hieß es.

Völlig offen ist aber noch, was die Politiker in der Nachbarstadt dazu sagen und vor allem: die Eltern. Es ist ein Spiel mit vielen Unbekannten, doch „wir wollen heute nur ihr Einverständnis, in dieser Sache weiter zu verhandeln“, warb Linkens zu Beginn der Ausschusssitzung um einen entsprechenden Beschluss. Was er nicht verschwieg: Ein Opfer wird Baesweiler bringen müssen. Genauer: die Realschule. Zwar soll sie in dieser Planung Bestand haben und nicht — wie zwischenzeitlich Thema in der politischen Diskussion — in eine Sekundarschule umgewandelt werden. Doch dürfte sie laut Bezirksregierung dann nicht mehr vierzügig sein, sondern nur noch dreizügig, damit möglichst viel Schüler-Potenzial für den möglichen neuen Baesweiler Teilstandort übrig bleibt. Eine eigene Oberstufe hätte der nicht. Wer sein Abitur machen will, der müsste nach der zehnten Klasse nach Übach-Palenberg wechseln. „Nur so lässt sich bei den Wahlfächern die nötige Vielfalt gewährleisten“, sagte Linkens.

Keine Alternative?

Zustimmung für den Plan kam seitens der CDU von Christoph Mohr: „Unter den gegebenen Umständen wäre es die ideale Lösung. Für uns war immer maßgeblich, dass weder das Gymnasium noch die Realschule in Frage gestellt werden. Es bleibt jetzt eben diese Alternative — oder der Verzicht auf eine dritte weiterführende Schule.“

Ist das so? Für die SPD mahnte Dr. Karl Josef Strank vor zu viel Tempo. „In der Vergangenheit ist in dieser Sache viel versäumt worden“, sagte er, „aber wir sollten jetzt gründlich prüfen, ob die vorgeschlagene Lösung tatsächlich die einzig mögliche ist“. Seine Befürchtung: Durch Gesamtschulklassen in der Stadt könnte die Realschule „insgesamt geschwächt“ werden. Auch Harold Seelig sprach für die Grünen von zu vielen Versäumnissen in der Vergangenheit. „Man hätte über eine eigene Gesamtschule schon nachdenken sollen, bevor ringsum Gesamtschulen entstanden sind.“ Nun könne man nur noch reagieren.

Genau das soll jetzt geschehen: Bei einer Enthaltung der Grünen sprach der Ausschuss sich dafür aus, die Schaffung des Teilstandortes weiter voranzutreiben. Welche Hürden dabei warten, wird sich zeigen. Linkens: „Läuft alles glatt, könnten schon zum kommenden Schuljahr die ersten Gesamtschüler in Baesweiler lernen.“

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