Herzogenrath: Furcht vor Fracking auch in Streiffeld

Herzogenrath : Furcht vor Fracking auch in Streiffeld

Es ist die Ungewissheit, die viele in der Bergbaukolonie am nordwestlichen Zipfel Merksteins zurzeit nervt. Über 46 Jahre, nachdem die Grube Adolf ihren Betrieb eingestellt hat, bergen die Erdschichten auf dem ehemaligen Zechengelände eine Gefahr, die nur schwer zu umreißen ist. „Fracking“ ist längst kein Begriff mehr aus den USA, der hierzulande nur im TV thematisiert wird.

Die nicht unbeträchtlichen Erdgasvorkommen auf Bundesgebiet umfassen auch den Bereich der ehemaligen Merksteiner Grube Adolf — das nächste vergleichbare Terrain liegt nahe Viersen. Längst haben diese verborgenen Bodenschätze Interesse bei der Industrie geweckt. Durch das sogenannte Fracking, bei dem eine Mischung aus Sand, Wasser und Chemikalien in tiefe Erdschichten gepresst wird, könnte man sich Zugang verschaffen.

Theoretische Gefahr

Noch sind solche Vorstellungen wage und rein theoretisch. Die Interessengemeinschaft (IG) zum Erhalt der Bergbaukolonie Streiffeld bewegt diese Bedrohung dennoch seit geraumer Zeit. Es war deshalb auch nicht verwunderlich, dass das Fracking ein großes Thema bei der Jahreshauptversammlung darstellte. Helmut Prast, Urgestein der IG mit langer Berufserfahrung als Ingenieur, berichtete umfassend über seine Recherchen zum Thema.

Sowohl die Bundesregierung als auch die Landesregierung NRW haben strenge Richtlinien zum konventionellen und unkonventionellen Fracking in Deutschland aufgestellt. Diese verbieten derartige Förderungen. Während Rot-Grün in NRW sich seinerzeit unermüdlich dafür einsetzte, bestünde laut Prast unter Schwarz-Gelb gegebenenfalls ein Abdriften zugunsten der Industrie. Das „Damoklesschwert“, welches über dem Streiffeld schwebt, würde laut Prasts Recherchekollegen Detlev Neckenbürger somit um einiges konkreter.

Beweislast bei Betroffenen

In Bezug auf die Beschaffenheit des Streiffelder Bodens lauern unabsehbare Gefahren. Ein durch Fracking verursachtes Verschieben der Schollen — beispielsweise am sogenannten „Adolf-Sprung“ — hätten Schäden im gesamten Umfeld zur Folge. Würde dereinst ein solcher Fall eintreten, hätten die Anwohner sogar noch die Beweisschuld. Es müsse nachgewiesen werden, dass derartige Schäden zweifelsfrei auf die Maßnahmen zurückzuführen sind. Mit Fairness habe das wenig zu tun.

In einem Punkt konnte Prast seine Kollegen beruhigen: „Momentan ist nichts konkret, aber aus meiner Sicht ist der grundsätzliche Wille zum Fracken gegeben.“ Im Plenum regte sich große Unruhe. Die Bergbaukolonie ist mehr als ein Wohnsitz — sie ist Heimat. „Was nützt es mir, wenn ich im Fall der Fälle Geld bekomme, meine Heimat aber weg ist“, echauffierte sich eine Dame. Grundsätzlich herrschte Einigkeit darüber, dass die „schnelle Mark“ in keinem Verhältnis zum unkontrollierbaren Risiko stünde.

Kooperation mit Vereinen

Gemeinsam mit anderen Vereinen soll frühzeitig etwaigen Entwicklungen in der Politik entgegengesteuert werden. PR-Arbeit bei Stadtfesten und anderen öffentlichen Veranstaltungen — beispielsweise das Sammeln von Unterschriften — sollen weiter forciert werden. In diesem Zusammenhang warb die IG auch für den Erhalt anderer Relikte aus den Zechenzeit.

Ehemalige „Wirtschaftswege“ an alten Grundstücken sollen grundsätzlich weiterhin für die Öffentlichkeit nutzbar sein. Als Beispiel nannte Referent Helmut Willms das „Haus Stiller“ an der Freiheitsstraße. Die teils unbefestigten Wege liegen mittlerweile auf Privatgrundstücken, welche der EBV seinerzeit veräußerte. Bislang gab es mit den Eigentümern kaum Probleme mit der Nutzung, ein gewisses „Gewohnheitsrecht“ hatte sich eingestellt.

Ein Fall aus dem benachbarten Alsdorf hatte die IG zuletzt hellhörig gemacht. Dort hatte ein Eigentümer einen ehemaligen Wirtschaftsweg „dichtgemacht“. Um eine ähnliche Eskalation in Streiffeld zu verhindern, warb Willms für eine intensive Kommunikation mit den Verantwortlichen. Für die Nachbarn in der Kolonie seien die Pfade eine wichtige Verbindungsstrecke.

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