Franz-Josef Kochs: acht Jahre Vorsitzender des Alsdorfer Kunstvereins

Alsdorfer Franz-Josef Kochs : Mit Pappfiguren erzählt er Geschichten

Franz-Josef Kochs war acht Jahre lang Vorsitzender des Alsdorfer Kunstvereins. Zur jüngsten Wahl hat er sich nicht mehr aufstellen lassen. Schluss ist für ihn aber noch lange nicht.

Wuchtige Tannen umschließen sein Haus nahe der Alsdorfer Innenstadt. Dunkel ist der Weg zur Haustür. Das Klingelschild aus grob geschnittener Pappe, auf der in großen Buchstaben sein Name geschrieben steht: Kochs.

Pappe – der Stoff, der sein Schaffen seit Jahrzehnten dominiert. Denn Franz-Josef Kochs ist Künstler.

Acht Jahre lang war er der Vorsitzende des Alsdorfer Kunstvereins, bevor er sich bei der vergangenen Wahl vor wenigen Wochen nicht mehr aufstellen ließ und seinen Platz an die Nachfolgerin Martina Donner abgab.

Gesundheitliche Gründe habe sein Rückzug gehabt, und ihm sei die Organisation zu viel geworden, erzählt er, während er auf dem Sofa in seinem Wohnzimmer sitzt. Vitrinen, Tische, die Fensterbank – die Möbel, die in dem Zimmer stehen, sind voll von kleinen Skulpturen und Bildern. Werke, die er im Laufe seines Lebens von Künstlern gekauft und geschenkt bekommen hat. Fein säuberlich sind sie aufgestellt. Und zu jedem Stück weiß er eine Anekdote zu erzählen. Das läge auch daran, dass er eine Plaudertasche, ein Geschichtenerzähler sei, sagt er.

Mit seinen Pappfiguren stellt Franz-Josef Kochs Bräuche dar. Dieses Exemplare gehören zur Geschichte des Nikolaus-Brauchs. Foto: Nadine Eikermann

Einladungskarten aufbewahrt

Gerne erinnere er sich an das, was er mit dem Verein erreicht hat. Das Wichtigste seien ihm dabei immer die Künstler gewesen, erzählt er, und sucht dabei die Einladungskarten heraus, die der Verein für die Aussteller angefertigt hat. Alle hat er aufbewahrt. Sie seien das, was von einer Ausstellung übrig bleibt. „Verkauft wird bei so was ja fast nichts, die Künstler sind froh, wenn sie die Unkosten wieder drin haben. Deshalb sind die Einladungen so wichtig“, sagt er. Denn die habe man immer. Und dann erinnert er sich, an jeden einzelnen Künstler, den er in den vergangenen Jahrzehnten getroffen hat.

Einer davon war Willi Filz, ein Freund aus Belgien, der Jugendliche porträtiert hat. „Der hat auf meiner Couch geschlafen, und er ist dann morgens immer durch mein Schlafzimmer ins Bad geschlichen, um zu duschen“, erzählt er und lacht. Für ihn habe er sein Wohnzimmer geräumt, in dem er sonst bis tief in die Nacht seine Kunstwerke schafft. „Auf meiner Bettkante saß ich dann und habe dort gearbeitet.“

Kennengelernt haben sich die beiden in Belgien, als Kochs unterwegs war, um Bräuche mit seiner Kamera festzuhalten. Sie sind seine Inspiration. In Italien, Österreich, der Slowakei und der Schweiz war er unter anderem, um Festumzüge und Brauchtum zu beobachten. Die Fotos, die dabei entstehen, stellt er aus und erschafft passende Pappfiguren, die in Kombination ganze Geschichten erzählen. Für seine Arbeit nutzt er einfache Kartons, schneidet die Figuren zurecht und bemalt sie anschließend.

Ein Geschenk vom Vater

Schon als Kind habe ihn die Kunst fasziniert. „Eine meiner ersten Erinnerungen überhaupt ist, als ich bei meinen Großeltern auf dem Boden lag und die Stuppacher Madonna von Matthias Grünewald angesehen habe, die an der Wand hing“, erzählt er. Von seinem Vater habe er eine kleine Theaterbühne mit kleinen Schiebefiguren aus Pappe geschenkt bekommen, so entstand die Vorliebe für diesen Stoff. Auf dem Löschpapier seines Opas hat er dann selbst die ersten Zeichenversuche gemacht. „Illustrationen, kleine Filme habe ich darauf gezeichnet und Geschichten erzählt“, so Kochs. Momente sind es, die er gerne wiedergibt. Kunstwerke die Dinge, die ihn daran erinnern.

Die Wände in seinem Haus sind voll von diesen Momenten. Kaum Platz bleibt zwischen den ganzen Bildern, die dicht aneinander hängen. Nur wenige davon sind von ihm selbst. Denn eigentlich, so sagt er, stünde er selbst ja auch gar nicht im Mittelpunkt, schließlich gehe es um die anderen Künstler und um die Kunst an sich.

Das wiederholt er immer wieder, auch als er seinen neun Jahre alten Laptop hochfährt, um Fotos zu zeigen.

Ein weiteres Franz-Josef Kochs, das zur Geschichte des Nikolaus-Brauchs gehört. Foto: Nadine Eikermann

Eine Bereicherung

Diesmal keine Kunstwerke, sondern Erinnerungen an die Ausstellungen, die er für seinen Verein, in dem er seit 1993 im Vorstand war, organisiert hat. Viele davon in der Alsdorfer Stadtbücherei. Denn: „Wer Bücher liest, schaut sich auch Bilder an“, ist er sich sicher.

Ein positiver Nebeneffekt sei auch, dass die Stadt so immer „eine kulturelle Sache“ vorzuweisen hatte. Und mit Kunstverein und später dem Schaffrathhaus habe Alsdorf eine Bereicherung erfahren. „Es ist wichtig, dass es da keine Konkurrenz gibt“, betont er. Denn das Ziel der Vereine sei das selbe und auch das, was ihm am Herzen liege: regionale Künstler zu stärken und Ausstellungen in die Stadt zu holen.

„Ich habe noch viele Ideen gehabt, aber irgendwann ist es auch gut, wenn es mal ein anderer macht. Und ich helfe sehr gerne, aber ich muss es nicht mehr tun“, sagt er. Nun will er sich erst mal die Zeit nehmen, wieder mehr an eigenen Werken zu arbeiten.

Nachdem er schon unter anderem in Belgien und Holland ausgestellt hat, steht im kommenden Jahr eine Ausstellung in Adenau an. Darauf arbeitet er hin, und auch dort wird er mit seinen Pappfiguren Geschichten erzählen.

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