Alsdorf: Fotografie ist eine Sache der „Community”

Alsdorf: Fotografie ist eine Sache der „Community”

Es gibt Fotografen, die einfach Naturtalente sind. Die nehmen ihre erste Kamera zur Hand und wissen gleich, wie sie eine Landschaft, ein Gesicht oder ein Detail in Szene setzen können. Genau so einer ist Andreas Palmen nicht. Für ihn galt immer: Training statt Talent.

„Mein Auge fürs Motiv hab ich mir wirklich hart erarbeiten müssen.” Vor 20 Jahren seien seine ersten Aufnahmen prompt im Mülleimer gelandet. Heute landen sie im Internet und werden in Fotocommunitys gelobt. Diese Foren sind seine Welt: Online tauscht sich der 46-jährige Alsdorfer mit begeisterten Hobbyfotografen aus ganz Deutschland aus.

Hier wird verglichen und verbessert, gemeckert und gelobt. Dieses Feedback sei wie ein Rausch. „Da lernt man ordentlich bei, bekommt immer neue Ideen, neue Impulse”, sagt Palmen. Gar kein Vergleich seien diese modernen, lebendigen Communitys zu den alten, stillen Dunkelkammern.

Dabei kommt er genau dort her. „Ich hab mir mein Rüstzeug noch analog angeeignet”, sagt er. Gut sieben Jahre habe es gedauert, bis er - nach zahlreichen Volkshochschulkursen und anderen Trainingseinheiten - soweit war, seine Bilder auch mal anderen zu zeigen.

Heute nimmt er die anderen gleich mit, wenn er auf Fotopirsch geht, denn alleine zieht er nur ganz selten noch los. Dank der vielen Gleichgesinnten, die er im Internet kennengelernt hat, sind es locker 10, 20 Leute, die sich an Wochenenden treffen, um über alte Industrieanlagen zu wandern, durch die Natur oder durch die Innenstädte.

Selbst aus Hamburg und München reisen sie an, um das Fotografieren zu einem Gemeinschaftserlebnis zu machen. Es sind Menschen, die sich meist mit den Spitznamen anreden, die sie auch online tragen. Da knipst dann eine „sunny” neben einem „Jokerkater” oder einem, der aus Heinsberg stammt und sich nur noch „Hein Berg” nennt.

Jüngst war der Tross in Alsdorf unterwegs, hat dort am Energeticon fotografiert und im Annapark. Das lange Wiesenband dieses Parks hält Palmen aufgrund seiner Geometrie übrigens für den fotogensten Platz in seiner Heimatstadt.

Oft dauert es lange, bis alle ein Motiv im Kasten haben. Nicht, weil sie ihre Kameras nicht im Griff hätten. Palmen: „Wir lachen einfach zu viel, da wird oft mehr gekichert als geklickt.” Etwa, wenn sich wieder mal einer bäuchlings auf den Boden wirft, um zu einer besonderen Perspektive zu gelangen.

Nachbearbeitung am Computer

Dass bei all der Heiterkeit noch viele sehenswerte Bilder herausspringen, spricht für das Know-how der Macher. Auch ihre Bildbearbeitungs-Software haben sie im Griff. Kaum noch einer belässt seine Bilder im Zustand „Out Of The Cam”, also so, wie sie aus der Kamera kommen. Am Computer werden Farben kräftiger gemacht und mehrere Belichtungen eines Motivs so übereinandergelegt, dass manches Foto am Ende eher anmutet wie eine abstrakte Malerei.

Am Mast hochgeklettert

„Man muss halt was tun, um aus einem einfachen Bild im Zeitalter milliardenfacher Fotoklicks noch was Besonderes zu machen”, sagt Palmen. Er ist überzeugt, dass das noch geht. „Es gibt immer wieder Bilder, bei denen ich denke: Boah, das isses!” Manchmal helfe es, einfach einen anderen Standpunkt zu finden. Jüngstes Beispiel: Die Kölner Hohenzollernbrücke, schon zigfach abgelichtet. Dort hat die Gruppe auch fotografiert.

Palmen: „Es war schwer, dieser Brücke noch etwas Neues abzugewinnen.” Bis sich der Schornsteinfeger, der mittlerweile Frührentner ist, einfach mal auf seine Schwindelfreiheit besann. „Ich bin dann kurzerhand einen Mast an der Brücke hochgeklettert und hab erst oben auf den Auslöser gedrückt.” Ergebnis: Ein besonderes Bild. Und für viele Lacher war diese Kletteraktion ebenfalls gut...

Die Fotos von Andreas Palmen und seiner Mitstreiter finden sich online in vielen Communitys. Unter dem Pseudonym „Schorni” ist er in der Community „5ZWO” unserer Zeitung aktiv. Seine Fotos sind von unserer Redaktion bereits mit der Auszeichnung „Klasse Foto!” bedacht worden.

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