Herzogenrath: Forstverwaltung auf den Prüfstand stellen

Herzogenrath: Forstverwaltung auf den Prüfstand stellen

Die Animositäten sind nicht neu zwischen Mitgliedern der Gestaltungsmehrheit und dem Aachener Gemeindeforstamt. Zwar wurde der jüngste Forstwirtschaftsplan, der deutlich weniger Holzeinschlag vorsieht, als in einem Naturwald möglich wäre, von der Politik einstimmig verabschiedet.

Die Aachener Förster, die Rodas Wald mitbetreuen, erhielten von Seiten der Stadtverwaltung und der CDU ein klares Lob für ihre Arbeit. Doch nun liegt ein Antrag von SPD, Grünen und Linke vor. Prüfen lassen möchten sie, „ob und gegebenenfalls wie und zu welchen Kosten die Waldflächen Herzogenraths in Zukunft anderweitig forstwirtschaftlich betreut werden könnten.“

Als Einheit betrachten

Dabei sollte sowohl eine Eigenständigkeit als auch eine neue Konstellation, etwa ein Zusammenschluss mit der Forstverwaltung Eschweiler-Würselen, geprüft werden. „Die Waldflächen der drei Städte sind quasi als Einheit zu betrachten“, sagt SPD-Fraktionschef Gerhard Neitzke auf Anfrage. „Wir wollen den Wald noch ökologischer betrachten als es Aachen als staatliche Behörde tut“, ergänzt er.

Parteikollege Bruno Barth wird deutlicher, spricht von Uneinsichtigkeit des zuständigen Försters bezüglich Einwänden seitens der Politik oder der Naturschützer. Er gesteht zu: „Herr Koch ist fachlich nicht verkehrt, aber weitgehend beratungsresistent und wenig kooperativ und sieht sich wohl hauptsächlich als Angestellter der Stadt Aachen.“

Natürlich sei der Förster der Fachmann für den Forst, „aber man muss alle hören, Naturschützer ebenso wie Erholungssuchende und Hundebesitzer. Der Wald ist für alle da.“ Um den passenden Kompromiss gehe es, nicht nur um rein forstliche Belange. Zudem vermisse er Transparenz, sagt Barth. Fest macht er das am Forstwirtschaftsplan, „der für Laien nur schwer zu lesen ist. Ich erwarte, dass jemand, der von der Stadt bezahlt wird, die Dinge auch erklärt.“

Und dass über größere Fällungen im Voraus informiert werde — am besten vor Ort. „Als Angestellter der Stadt Aachen ist Herr Koch aber für uns nicht richtig greifbar.“ Weswegen vielleicht ein eigener Mann besser sei für Rodas Forstverwaltung. Ein Mitarbeiter der Herzogenrather Stadtverwaltung verfüge über die nötige Ausbildung und könne die Aufgabe unter Umständen stundenweise übernehmen.

„Wir wollen keinen Wechsel“, sagt hingegen CDU-Fraktionschef Reimund Billmann. Zum einen habe besagter Verwaltungsmitarbeiter schon genug zu tun, ein Wald lasse sich nicht mal eben nebenher machen. Und: „Nur weil ein Forstbeamter eine eigene Meinung hat, ist das kein Grund, ihn auszutauschen. Wir haben eine Demokratie.“ Fachlich verstehe Förster Herbert Koch sein Handwerk sehr gut.

Bei aller Liebe zu Naturschutzverbänden, sagt Billmann, seien diese aber nicht auf eine Stufe mit dem Förster zu stellen. „Denn der ist maßgeblich im Wald, der muss uns Rede und Antwort stehen — und das tut er ja auch. Der Wald ist in gutem Zustand.“ Billmann wertet den Antrag der Gestaltungsmehrheit als Wahlkampfmanöver: „Es ist unverschämt, so etwas ein paar Wochen vor der Kommunalwahl mit dünner Mehrheit durchzuziehen.“

„Wir haben ein vernünftiges Verhältnis zum Förster“, hält auch FDP-Fraktionschef Björn Bock nichts von dem Prüfantrag. Ebenso wenig wie von der Kritik an der Arbeit Kochs, regelmäßig werde hier aus einer Mücke ein Elefant gemacht.

Technischer Beigeordneter Ragnar Migenda, bei der Verabschiedung des Forstwirtschaftsplans voll des Lobes für den Aachener Förster, hält sich mit einer Aussage zurück, will das Beratungsergebnis im Umwelt- und Planungsausschuss abwarten.

Dr. Gerd Krämer, Leiter des Gemeindeforstamts Aachen, will sich ebenfalls noch nicht äußern. Zum Vorwurf mangelnder Transparenz stellt er jedoch fest: Sämtliche Daten und Pläne stünden jedem zur Verfügung und würden darüber hinaus jährlich auch im Ausschuss erläutert. Alles richte sich streng nach den Kriterien der Nabu-Naturwaldgemeinde, im Internet nachlesbar und im Wald nachprüfbar: „Mehr Transparenz kann man nicht schaffen!“

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