Alsdorf: Finanzprobleme: Kann die Kirche im Dorf gelassen werden?

Alsdorf: Finanzprobleme: Kann die Kirche im Dorf gelassen werden?

Ein Stück Heimat aufzugeben, fällt in den seltensten Fällen leicht. Besonders wenn es den Glauben betrifft. Zu stark sind die emotionalen Bindungen an liebgewonnene Einrichtungen. Jetzt diskutierten die Pfarrer und die Mitglieder des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde mit rund 40 Gemeindemitgliedern.

Es ging um die Frage, in welcher Form und mit welchen Gebäuden die Gemeinde in Zukunft weitergeführt werden soll.

Mehrere Szenarien denkbar

Mit dem Titel der Veranstaltung Diskussionsrunde „Lassen wir die Kirche im Dorf?” stellten die Presbyter schon eine der zentralen Fragen. Denn auch die Schließung zweier oder einer Kirche steht zur Debatte. Zu groß sind die finanziellen Probleme der Gemeinde und zu marode sind ihre Immobilien.

Im Jahr 2010 verzeichnete die Kirchengemeinde ein Minus von 144 000 Euro in ihrem Haushalt. Bei Rücklagen von 600.000 Euro und sinkenden Kirchensteuereinnahmen ist klar, dass die Gläubigen sparen müssen. Zudem stellte ein Architekturbüro fest, dass alle Gebäude der Gemeinde - inklusive Kirchen, Kindergärten, Wohnhäusern der Pfarrer oder KOT - sanierungsbedürftig sind.

„Es ist für viele Leute erschreckend, dass wir Gebäude verkaufen müssen. Klar ist, man kann nicht alle erhalten”, sagte Pfarrerin Elisabeth Peltner. Noch sind mehrere Szenarien denkbar: Man könnte die die Arbeit auf einen Standort konzentrieren. Das wäre dann wohl Alsdorf-Mitte mit der Martin-Luther-Kirche und weiteren Gemeinderäumen. Dann müssten die Paul-Gerhardt-Kirche in Ofden und die Immanuelkirche in Busch schließen. Oder man erhält zwei Standorte - dann würde wohl Alsdorf-Mitte dicht gemacht. Zudem wurde der Vorschlag in Spiel gebracht, alle Kirchen zu erhalten und alle anderen kostenintensiven Gebäude zu veräußern.

Detailliertes Zahlenmaterial

Letzteren Standpunkt vertrat Kurt Mank aus Busch. „Die Kirchen zu schließen, müsste unsere letzte Maßnahme sein. Wir müssten zuerst an die Häuser gehen, die zur Kirche gehören.” Mank forderte detaillierteres Zahlenmaterial. Denn man müsse die Immobilien abstoßen, die die größten Kosten verursachen. Die Ausgaben für Strom, Heizung, Grundsteuern und dergelichen mehr müssten auf den Tisch. „Wo entstehen die Kosten, bei welchen Gebäuden?”, das sei die entscheidende Frage. „Vielleicht frisst ein Pfarrhaus mehr Kosten, als eine Kirche”, mutmaßte Mank.

Auch Marina Brants aus Ofden ist daran gelegen, die drei Standorte zu erhalten. „Wenn man die Kirchen in Ofden oder Busch zumacht, dann ist die Gemeinde in den Orten tot.” Brants schlug vor die Gotteshäuser gelichzeitig als Ort der sozialen Begegnung zu nutzen. Damit können eventuell auf zusätzliche Gemeinderäume verzichtet werden. „Wir können die Kirche als Ort des Glaubens und des sozialen Miteinanders nutzen. Man könnte sie mehrfach in der Woche auch für andere Veranstaltungen, als den Gottesdienst nutzen.”

Auf ein Zentrum beschränken?

Pfarrer Ulrich Eichenberg sieht keine Möglichkeit die drei Kirchen zu erhalten. Angesichts der demografischen Entwicklung mit immer weniger Kirchensteuerpflichtigen müsse man handeln. „Es gibt keine evangelische Gemeinde im Rheinland in unserer Größe, die drei Zentren hat”, sagte Eichenberg. In Alsdorf leben derzeit knapp 4000 evangelische Christen. Die Gemeinde stecke in einem Dilemma, erklärte Eichenberg, der seit 24 Jahren als Pfarrer in Alsdorf arbeitet: Zum einen gebe es immer mehr alte Menschen, die nicht mobil sind. Für diese wäre es eigentlich wichtig, die drei Kirchen zu erhalten. Auf der anderen Seite gibt es große wirtschaftliche Zwänge. Eichenbergs Schluss: Man brauche ein Zentrum für die Gemeinde. Zudem müsse man mit dem Gottesdienst in die Fläche gehen. „Wir könnten wöchentliche Gottesdienste in den Stadtteilen machen. Die müssen nicht unbedingt in evangelischen Kirchen stattfinden.” Dazu eigneten sich auch katholische Gotteshäuser, Altenheime oder andere Räumlichkeiten. Für Eichenberg muss nun eine strategische Entscheidung her. „Wir müssen vorhandenen Grund und Boden veräußern, damit wir einen Standort erhalten können, der auch in 20 oder 30 Jahren noch attraktiv ist.”

Die Diskussion ist damit noch lange nicht beendet. Es bildeten sich Arbeitsgruppen, die das Presbyterium bei der Entscheidungsfindung beraten. Zudem soll es weitere Diskussionsrunden zu dem Thema geben.

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