Alsdorf: FEV baut in Alsdorf neues Prüfzentrum für fast 17 Millionen Euro

Alsdorf : FEV baut in Alsdorf neues Prüfzentrum für fast 17 Millionen Euro

Ohne einen schweren Bagger mit kräftigem Dieselmotor geht es einfach (noch) nicht — auch nicht beim Bau einer Anlage, die der weiteren Emissionsreduzierung unter anderem dieser Antriebstechnik dienen soll.

Beim ersten Spatenstich für das neue Klima-Emissionsrollenprüfzentrum der FEV Europe GmbH im Businesspark Alsdorf-Hoengen schwang sich Prof. Dr.-Ing. Stefan Pischinger, President und CEO der FEV Group, in die Fahrerkabine des Baufahrzeugs und hob im zweiten Versuch die erste große Ladung Erde aus dem Boden. Selbstkritisch merkte er zum Vergnügen der Festgäste an, die Schaufel zunächst zu voll genommen zuhaben.

Modernste Technik bei FEV in Alsdorf: Auf solch einer Rollenprüfanlage (Bild oben) werden die Emissionen von Fahrzeugen genau gemessen. 16,7 Millionen Euro werden zur Einrichtung des neuen Zentrums (Animation links unten) investiert. Firmenchef Prof.-Dr.-Ing. Stefan Pischinger steuerte zum ersten Spatenstich einen per Diesel angetriebenen Bagger. Foto: Karl Stüber

Der Spaß trübte keinesfalls den Blick für das Wesentliche. Pischinger stellte „vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen“ die Zielsetzung des rund 16,7 Millionen Euro teuren Projekts klar: „Mit dieser Investition in den Standort Alsdorf möchten wir der Entwicklung von sauberen und hocheffizienten Antriebssystemen Rechnung tragen.“ Der Professor sagte, dass das auch für den Diesel gelte: „Wir suchen auch hier nach Lösungen.“ Dabei könne die Firmengruppe bereits auf einschlägige Erfahrungen verweisen. Der Firmenchef erinnerte daran, dass der bei Peugeot eingeführte Dieselpartikelfilter eine Entwicklung der FEV sei.

Modernste Technik bei FEV in Alsdorf: Auf solch einer Rollenprüfanlage (Bild oben) werden die Emissionen von Fahrzeugen genau gemessen. 16,7 Millionen Euro werden zur Einrichtung des neuen Zentrums (Animation links unten) investiert. Firmenchef Prof.-Dr.-Ing. Stefan Pischinger steuerte zum ersten Spatenstich einen per Diesel angetriebenen Bagger. Foto: FEV Group

Gleichzeitig sei das Bauvorhaben ein klares Bekenntnis zur Aachener Region. In Alsdorf habe FEV im Jahre 1998 einen ersten Standort eingerichtet. 2008 folgte ein zweiter in der Nachbarschaft. Mittlerweile sind hier 675 Mitarbeiter beschäftigt. Ende 2018 sollen es bereits über 700 sein.

Das neue Gebäude werde in einem ersten Schritt über einen Vierrad-Rollenprüfstand für Emissionstests nach neuester Gesetzgebung aus Europa, den USA, China, Japan und Indien verfügen. Dabei gehe es nicht nur um konventionelle Antriebsstränge, sondern auch um die Entwicklung von Hybrid- und Elektrofahrzeugen. Die Emissionsvorschriften würden immer strenger werden. „Wir müssen mittlerweile die einzelnen Moleküle zählen, die hinten rauskommen.“ Es bestehe die Option auf die Erweiterung durch einen weiteren Prüfstand und eine Sonnensimulationsanlage.

Neben Tests und dem Sammeln von Daten im Echtbetrieb auf der Straße hat der Labortestbetrieb keineswegs an Bedeutung verloren, wie Pischinger sagte. Um die Messergebnisse nicht zu verfälschen beziehungsweise vergleichbar zu halten, müssten die Fahrzeuge vor ihrem Einsatz auf dem Prüfstand in der Halle „konditioniert“ werden. Hierzu werde eine Fläche von rund 1700 Quadratmetern in drei verschiedene Temperaturbereiche zwischen minus 30 und plus 50 Grad unterteilt.

Und noch ein wichtiger Aspekt: Mit dem Ausbau am Standort Alsdorf einher geht laut Firmenchef die Verdoppelung des „Parc Fermé“ für Versuchsfahrzeuge (etwa „Erlkönige“) um zusätzliche 200 Stellplätze. Zudem werden Ladestationen für BEV (Battery Electric Vehicle = Batterieelektrisches Fahrzeug) sowie für OVC-HEV (Off Vehicle Charging Hybrid Electric Vehicle = extern aufladbares Hybrid-Elektrofahrzeug, also der Plug-In-Hybrid) eingerichtet.

FEV steht für Forschungsgesellschaft für Energietechnik und Verbrennungsmotoren. Im Jahre 1978 gründete Vater Franz Pischinger das Unternehmen als Forschungsgesellschaft für Energietechnik und Verbrennungsmotoren (FEV)in einem Haus nahe dem Kármán-Auditorium der RWTH Aachen. Heute zählt das Unternehmen weltweit über 5000 Mitarbeiter an 40 Standorten.

Laut Pischinger werde Aachen auch weiterhin Hauptstandort bleiben, nicht zuletzt mit Blick auf die Synergieeffekte mit der Hochschule.

Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders betonte, dass noch weitere Entwicklungsschritte der FEV im Business Park gesichert seien. Allerdings stoße die Stadt ansonsten bei den Gewerbeflächen an Grenzen, sei aber bemüht, weitere Areale zu erschließen. Sonders erinnerte daran, wie er „als junger Spund“ in der Alsdorfer Stadtverwaltung für die Ansiedlung von Mitsubishi die notwendigen Flächen „sammelte“: „Wir sind in Gummistiefeln auf dem Acker hinter dem pflügenden Landwirt hergelaufen.“ Nun würden Firmen wie FEV davon profitieren.

Dr. Margrethe Schmeer, Bürgermeisterin der Stadt Aachen, sagte, am aktuellen Beispiel FEV zeige sich, dass die einzelnen Kommunen, statt in Konkurrenz zu agieren besser Schulterschluss zeigen sollten, um Firmen Entwicklungsmöglichkeiten zu geben und sie so in der Region zu halten. Schmeer ergänzte, dass in Alsdorf insgesamt 150 neue Arbeitsplätze entstehen werden. Selbstverständlich werde auch die Stadt Aachen bei solchen Entwicklungen weiterhin behilflich sein.

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