Baesweiler: Feuerwehrturm: Argumente und Sorgen beim Bürgerforum

Baesweiler: Feuerwehrturm: Argumente und Sorgen beim Bürgerforum

Die Absichten, mögliche zeitliche Abläufe, Planungen, die bisherigen und noch zu erstellenden Gutachten, Einspruchsmöglichkeiten - die Stadt wollte Transparenz demonstrieren. Das Bürgerforum zum Thema Einkaufszentrum am Feuerwehrturm hatte etwa 150 Besucher.

Im Pädagogischen Zentrum des Gymnasiums leitete Baesweilers Bürgermeister Dr. Willi Linkens den fast drei Stunden dauernden Diskussionsabend mit dem Satz ein: „Unser Anliegen ist es, Sie ganz bewusst sehr früh über die unterschiedlichen Argumente zu informieren und Sie zu beteiligen.” Gemeinsam mit dem Ersten und Technischen Beigeordneten Peter Strauch und ITS-Geschäftsführer und Wirtschaftsförderer Dirk Pfeifferling nahm sich Linkens fast eine Stunde Zeit, das Projekt vorzustellen und zu erläutern.

Linkens: „Die Aufgabe einer Stadt ist es auch, auf längere Entwicklungen zuzugehen, negative Strömungen zu erfassen und diesen entgegenzuwirken.” Linkens tat das im Beisein vieler Fachleute, zu denen Einzelhandelsverbands-Geschäftsführer Manfred Piana ebenso wie Gutachter Rainer Schmitt-Illguth von der BBE-Handelsberatung Köln gehörte.

Erneut unterstrich Linkens: „Wir haben bisher nur einen Aufstellungsbeschluss gefasst, aber noch keinen Bebauungsplan aufgestellt.” Dirk Pfeifferling mahnte wiederholt, „Einzelhandelsansiedlungen außerhalb schwächen die Zentren und lassen sie ausbluten.” Baesweiler habe das große Problem, von einem „besonders starken Kaufkraftabfluss betroffen zu sein - und zwar vom stärksten in der Städteregion”. Peter Strauch brach eine Lanze für das Vorhaben am Feuerwehrturm. „Es kommt in Baesweiler nur ein zentraler Versorgungsbereich in Frage. Die einzige geeignete Fläche ist am Feuerwehrturm.” Begleitet von einer ersten „Skizze”, zeigte Strauch auf, wie das Projekt dort aussehen könnte.

„Wir wollen alle Probleme deutlich ansprechen”, nannte er die Punkte (wir berichteten): Auslagerung des Kindergartens; Brauchtum/Kirmes (Linkens: „Die Kirmes gehört ins Zentrum”); komplette Erhaltung des Volksparks; Parkplätze; verkehrliche Anbindung und die mögliche Lärmbelästigung. 15 000 Quadratmeter Fläche stehen nach Auslagerung des Kindergartens zur Verfügung. Notwendig seien Parkplätze in der Größenordnung 350 bis 400. „370 bekommen wir eingerichtet”, versprach Strauch. Das Verkehrsaufkommen in dem Bereich „würde steigen”. So lägen ihm Zahlen vor, die bei jetzt 200 Fahrzeugen in der Stunde liegen und um etwa 150 zusätzliche Fahrten steigen könnten.

Bis zu 400 Verkehrsbewegungen seien für solche Straßen „nicht exorbitant hoch”. Die Kirmes könne wie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in gleicher Größenordnung stattfinden. Strauch wies auf die nächsten Schritte hin: Erst wenn alle Fachgutachten eingeholt seien und wenn alle Abwägungen vorlägen, die Pläne die Fachausschüsse und den Rat wieder erreicht hätten und sich dann „eine Mehrheit findet, den Bebauungsplan zu beschließen - dann kann begonnen werden”. Es gebe zeitlich keine Vorgaben. In einem nächsten Schritt müsse auch ein Lärmschutzgutachten erarbeitet werden.

Die von den Bürgern genannten Einwände reichten von „als erste werden unsere Metzger und Bäcker leiden” bis zur Sorge, „dass die Leute nur zum Discounter und nicht in die anderen Geschäfte gehen werden”. Rainer Schmidt-Illguth wies darauf hin, „dass sich die Stadt nicht erst seit gestern Gedanken macht. Im Lebensmittelbereich fließen jährlich mehrere Millionen an Kaufkraft ab. Und das wird noch schlimmer werden, wenn man jetzt nicht gegensteuert.” Die Lösung „findet man nur im Zentrum”, sagte Schmidt-Illguth. „Oder wissen Sie einen besseren Standort?”, fragte er die Versammlung. Weitere Bedenken der Bürger lauteten: Wird es einen Überbesatz mit Fachgeschäften geben? Treten die Zentren Baesweiler und Setterich in eine Konkurrenzsituation? Beides verneinte Schmidt-Illguth.

Bürgermeister Linkens betonte zudem: „Wenn es soweit ist, wird am Feuerwehrturm ein schönes Gebäude entstehen und keine Blechkiste.” Zur Erhaltung der Attraktivität der Kirchstraße bemerkte Schmidt-Illguth: „Es ist einfacher, die Leute vom Kirmesplatz zur Kirchstraße zu leiten als sie vom Zentrum auf der Grünen Wiese dorthin zu bekommen.” Ein Ziel bleibe, so Linkens, „dass wir auch weiterhin keine Parkgebühren erheben werden”.

Dankesworte erntete die Stadt bereits jetzt für den Neubau des Kindergartens „Sonnenschein”. Erzieherin Maria Görtz merkte an: „Wir sind sehr dankbar, dass wir ein neues Gebäude bekommen.”