Feuer in Herzogenrath-Straß: 79-Jähriger wird zum Menschenretter

Spaziergänger entdeckt Feuer : Beim Gassigehen zum Lebensretter geworden

Vollalarm am Mittwochabend in Herzogenrath-Straß: Ein Dachstuhl brennt am Krummer Weg, die Flammen drohen, weiter überzugreifen. Ein 79-jähriger Anwohner entdeckt das Feuer, als er mit seinem Hund Gassi geht, und handelt sofort.

„Nein“, winkt der freundliche ältere Herr bescheiden ab. Seinen Namen brauche er in der Zeitung nicht zu lesen, so viel Aufhebens will er gar nicht machen um seine Person: „Was ich getan habe, ist meine Christenpflicht!“, sagt er. Der 79-jährige Mann aus Straß ist am Abend zuvor zum Lebensretter geworden. Mit seinem Hund war er in der Siedlung unterwegs, und sein Blick fiel auf eines der verwinkelt gebauten Häuser im Krummer Weg.

„Da habe ich zwischen den Dachziegeln Flammen gesehen“, berichtet er. Geistesgegenwärtig hat er sofort gehandelt, hat die Besitzerin, die sich im Erdgeschoss aufgehalten habe, alarmiert, zudem eine Nachbarin, „Ruf’ sofort die Feuerwehr!“, dazu die Bewohner des angrenzenden Hauses. Alle konnten sich unverletzt retten, noch bevor die Wehr eintraf.

Innerhalb kürzester Zeit seien mehrere Notrufe in der städteregionalen Leitstelle eingegangen, berichtet Wehrsprecher Thomas Hendriks. Die Wehr war schnell vor Ort, doch das Feuer hatte sich schon auf das Nachbarhaus ausgebreitet und fraß sich weiter durch zum Dach des nächsten angrenzenden Hauses in Richtung Driescher Straße.

„Aufgrund des Schadensausmaßes“, so Hendriks, „wurde Vollalarm für die Feuerwehr Herzogenrath ausgelöst.“ Letztlich waren 70 Einsatzkräfte vor Ort, unterstützt durch die Drehleiter der Feuerwehr Würselen und den Atemschutz-Gerätewagen der Städteregion Aachen, der durch die Würselener Wehr besetzt wird.

Versiegelt: Die Kripo hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Foto: Beatrix Oprée

„Die Maubacher Straße stand voller blinkender Feuerwehrautos“, schildert eine Anwohnerin. Der Einsatz in den engen Straßen des Ortsteils war kein leichtes Unterfangen, galt es doch, stets ausreichend Platz für die jeweils benötigten Rettungseinheiten zu schaffen, etwa für die zusätzlich georderte Drehleiter aus Würselen, die natürlich an vorderster Front positioniert werden musste.

„Die interkommunale Zusammenarbeit funktioniert generell gut“, sagt Wehrleiter Achim Schwark zufrieden, als er sich am Morgen danach mit Kollegen noch einmal ein Lagebild verschafft. Zusammen mit Kreisbrandmeister Thomas Sprank war am Einsatzabend auch der Grundschutz für das Stadtgebiet Herzogenrath abgesprochen worden, da alle verfügbaren Herzogenrather Kräfte in der Brandbekämpfung eingesetzt waren: Die Feuerwehren Alsdorf und Würselen waren in Alarmbereitschaft, falls in Herzogenrath ein weiteres Feuer gemeldet worden wäre.

„Gegen 21.20 Uhr war das Feuer am Krummer Weg dann soweit unter Kontrolle, dass erste Kräfte aus dem Einsatz herausgelöst werden konnten“, erläutert Hendriks. So ist es den Wehrkräften gelungen, ein Überschlagen der Flammen auf weitere angebaute Gebäude zu verhindern.

Am Donnerstagmorgen zeugt außer leichtem Brandgeruch nur noch wenig von den dramatischen Ereignissen. In einem der liebevoll angelegten Vorgärten plätschert friedlich ein Springbrunnen. Anwohner führen ihre Hunde Gassi und begutachten die beiden zurzeit unbewohnbaren Häuser mit den verkohlten Dachbalken und zerplatzen Fenstern im Obergeschoss, vor denen sich eine gefrorene Pfütze und zerschlagene Dachziegel finden. Auf den Eingangstüren kleben blaue Siegel der Kripo, die die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen hat.

Unmengen an Wasser mussten herangeschafft werden. Das Feuer hatte sich schon in den nächsten Dachboden durchgefressen. Foto: dmp press (Ralf Roeger)/Ralf Roeger

Einer der Bewohner der unmittelbaren Nachbarhäuser kommt offensichtlich vom Brötchenholen zurück. Die Sorge aufgrund der Geschehnisse vom Vorabend steht ihm noch ins Gesicht geschrieben: „Das können Sie glauben“, sagt er: „Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan.“

Auch Bürgermeister Christoph von den Driesch war am Abend noch an den Brandort geeilt, da er Mitteilung von dem schwierigen Einsatz mit möglicherweise unterzubringenden Menschen erhalten hatte. Zusammen mit dem Bereitschaftsdienst des Ordnungsamts habe er die Betroffenen aufgesucht, unter anderem auch, um darüber aufzuklären, dass auf alle Fälle unverzüglich die jeweiligen Brandschutzversicherer zu informieren sind.

Da alle durch das Feuer vorläufig obdachlos Gewordenen sofort von Bekannten aufgenommen worden seien, habe die Stadt in dieser Beziehung nicht mehr tätig werden müssen, lobt der Bürgermeister ausdrücklich die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. Bei weiterem Bedarf stehe die Stadt zur Verfügung. Auch der Löscheinsatz sei sehr gut gelaufen, spricht der Bürgermeister einen weiteren Dank aus, an die vielen haupt- und ehrenamtlichen Wehrleute auch aus den Nachbarstädten. Ein Feuerwehrmann war leicht verletzt worden, es gehe ihm aber wieder gut, bestätigte der Wehrleiter am Morgen.

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