Alsdorf: Feierstunde im Energeticon erinnert an die im Bergbau Umgekommenen

Alsdorf : Feierstunde im Energeticon erinnert an die im Bergbau Umgekommenen

Die außergewöhnliche Premiere verlief wie an der Schnur gezogen. In der eindrucks- und stimmungsvollen Atmosphäre des Fördermaschinenhauses im Energeticon Alsdorf wurde der vielen Menschen gedacht, die im Bergbau der Region ihr Leben gelassen haben.

200 Gäste wohnten der Gedenkstunde bei — eine heterogene Mischung aus ehemaligen Bergleuten und historisch interessierten Personen, die das „Kohlezeitalter“ nicht mehr am eigenen Leib erlebten.

Gute zwei Jahrzehnte nachdem die letzten Zechen der Region ihren Dienst einstellten, schafften es die Verantwortlichen von vier Vereinen, ihre historische Arbeit miteinander zu verknüpfen. Für den „Glück Auf Aldenhoven e.V.“, das Bergbaumuseum Grube Anna, den Förderverein „Schacht 3“ sowie den „Bergbaudenkmal Adolf e.V.“ war es das erste Mal, dass man für ein gemeinsames Projekt derart eng kooperierte.

Auch für die Energeticon gGmbH, die als Organisator und Veranstaltungsort Einfluss nahm, war es ein besonderer Abend.

Historische Dimension

„Auslöser“ war das langjährige Projekt von Veronika Leisten, die in unermüdlicher Kleinarbeit Listen über die im Zuge des großen Grubenunglücks am 21. Oktober 1930 im Eduardschacht auf Grube Anna II in Alsdorf verstorbenen Bergleute vervollständigte (wir berichteten). Ihre Ergebnisse sowie ihre Erfahrungen mit Behörden, kirchlichen Institutionen und Privatleuten erläuterte sie detailliert.

Musikalisch begleitet wurden die Ausführungen vom Alsdorfer Knappenchor Sankt Barbara.

Harald Richter, Geschäftsführer des Energeticons, war sich auch der symbolischen Bedeutung der Veranstaltung bewusst, wie er gegenüber unser Zeitung sagte: „Das Gedenken ist ein wichtiger Teil der Arbeit aller mitwirkender Vereine. Umso erfreulicher ist es, dass wir nach Jahrzehnten der Co-Existenz endlich den Weg zueinander finden.“ Von einem „Knüller“ war die Rede.

Im Umkehrschluss sei es bedauerlich, dass eine eng verzweigte Kooperation so lange hat auf sich warten lassen.

Neben dem Grußwort des stellvertretenden Alsdorfer Bürgermeisters Friedhelm Krämer und den Ausführungen von Pfarrer Hans Joachim Plattenteich zur Rolle der Kirche als Trost spendende Institution trat auch Franz Josef Küppers auf der Bühne in Doppelfunktion auf. Der Vorsitzende des Bergbaudenkmals Adolf richtete diesmal als Gewerkschaftsvertreter sein Wort an die Kollegen.

Vor allem Richter warb für eine Fortführung der Kooperationsarbeit. Es sei schade, dass die einzelnen Vereine ihre wichtige Arbeit zu Erhaltung der Bergbautradition bislang fast gänzlich autonom voneinander gestaltet hätten. Die historische Dimension, die das Thema in der Region inne hat, müsse gemeinsam erhalten werden. In einer Zeit, in der das Meer an Zeitzeugen an biologische Grenzen stößt, sei es umso wichtiger, Personen ohne eigene „Berbau-Vita“ für das Thema zu sensibilisieren.

Noch gibt es keine konkreten Pläne für weitere Projekte. Fest steht jedoch, dass alle Vereine weiterhin ihre Eigenständigkeit behalten sollen. Ein Zusammenschluss, beziehungsweise eine „Rationalisierung“ der Vereinslandkarte wäre in jeglicher Hinsicht kontraproduktiv, da die detaillierte Aufarbeitung der Geschichte einzelner Zechen zwangsläufig leiden würde. Die geknüpften Kontakte des zurückliegenden Projekts sind ein Anfang, diese Bestrebungen fortzuführen, hieß es.

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