Aachen/Düren/Heinsberg: Falsche Polizeibeamte betrügen Seniorin um Hunderttausende Euro

Aachen/Düren/Heinsberg : Falsche Polizeibeamte betrügen Seniorin um Hunderttausende Euro

Der Anrufer gab sich als Polizeibeamter aus, er erschlich sich das Vertrauen der 78 Jahre alten Frau aus Würselen. Er teilte ihr mit, dass es eine rumänische Bande auf ihr Guthaben abgesehen habe. Der Anrufer bewegte die ältere Frau dazu, ihr Geld der Polizei zu übergeben.

Die perfide Masche hatte Erfolg, die Frau verlor nach Recherchen unserer Zeitung einige Hunderttausend Euro durch den Betrüger. Einen Monat lang hob sie ihr Geld ab und verschickte oder deponierte es. Von dem Täter oder den Tätern, die natürlich keine Polizisten waren, fehlt noch jede Spur.

Die Masche der Betrüger ist immer gleich. Sie melden sich mit einer Telefonnummer, die auf 110 endet, um einen authentischen Eindruck zu vermitteln. Die Aachener Polizei wies am Mittwoch noch einmal nachdrücklich darauf hin, dass sie Bürger niemals auffordert, Geld, Schmuck oder andere Sachwerte zu übergeben, um diese in Sicherheit zu bringen. Die Polizei appelliert erneut: „Geben Sie keine personenbezogenen Daten preis und legen Sie sofort den Hörer auf. Kontaktieren Sie Polizei unter der Notrufnummer 110!“

Die Masche mit dem falschen Polizisten nimmt bundesweit bedenkliche Ausmaße an. Erst im Frühjahr war ein Fall aus der Städteregion bekanntgeworden, bei dem einer 76-jährigen Frau aus Aachen 2017 fast 355.000 Euro abgenommen wurden. Auch ihr war mitgeteilt worden, dass ihren Konten Abbuchungen von Betrügern drohten. Die Frau wurde überredet, zunächst 300.000 und später noch einmal 55.000 Euro zu übergeben — an Betrüger, wie sich herausstellen sollte.

Die Fälle, die die Polizeibehörden in Aachen, Düren und Heinsberg auflisten, sind erschütternd:

Selfkant, 1. März, Opfer 73 Jahre alt, Schaden 50.000 Euro;

Übach-Palenberg, 8. März, Opfer 66 Jahre alt, Schaden 50.000 Euro;

Düren, 8. März, Opfer 90 Jahre alt, Schaden 96.000 Euro;

Kreuzau, 26. März, Opfer 85 Jahre alt, Schaden 28.000 Euro;

Monschau, 12. Juni, Opfer 92 Jahre alt, Schadenssumme gibt die Aachener Polizei nicht bekannt.

Und das sind nur fünf Beispiele. Insgesamt hat es in der Region Aachen, Düren, Monschau allein dieses Jahr 1174 versuchte Betrugsfälle von falschen Polizisten gegeben, in 17 Fällen waren die Täter erfolgreich. Gesamter Schaden: 696.350 Euro. Auch wenn es in der Regel beim Versuch bleibt, ist die Beute enorm.

Erstaunlich ist, wie gutgläubig viele Menschen sind. In den meisten Fällen suchen sich die Betrüger gezielt ältere Frauen aus. Weil nicht alle alten Menschen noch die Zeitung lesen oder Nachrichten in anderen Medien verfolgen, versucht beispielsweise die Frankfurter Polizei, gezielt Kinder und Enkel älterer Menschen zu erreichen. Mehrere Betrugsopfer hätten angegeben, noch nie von der Betrugsmethode falscher Polizisten gehört zu haben.

Bei Banken gibt es weder eine technische noch eine gesetzliche Vorgabe, um auch große Bargeldabhebungen ihrer Kunden zu verhindern. Anders als bei Abhebungen am Automaten sind die Beträge nicht limitiert. Vielmehr sind die Angestellten sensibilisiert, ihre Kunden anzusprechen, sofern sich deren Abhebeverhalten deutlich verändert.

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