Herzogenrath: Exotische Mosaiken und tiefgründige Gemälde

Herzogenrath: Exotische Mosaiken und tiefgründige Gemälde

Eine Ausstellung mit Gemälden, die vor Farbigkeit nur so sprühen, exotisch anmutenden Mosaiken und eindrucksvollen Installationen zeigt in der Artco-Galerie momentan die Vielseitigkeit des schwarzen Kontinents.

Die Werkschau gibt einen Einblick in die aktuelle Arbeit von Rikki Wemega-Kwawu (Ghana) Tété Azankpo (Togo) und Zinkpé (Benin). Gezeigt werden Gemälde, Zeichnungen, Installationen und Skulpturen der drei Künstler.

Das Interesse an der Arbeit zeitgenössischer Künstler aus Afrika steigt stetig. „Unsere aktuellen Künstler sind weit mehr als Schöpfer dekorativer Bilder”, betont Galerist Joachim Melchers. „Die Künstler möchten den Unterdrückten, Erniedrigten, Verstümmelten und Gequälten ihre Stimme verleihen.”

Besonders angetan hat es ihm die ausdrucksstarke Installation „Trotz alledem” des Künstlers Zinkpé aus Benin. „Seine Arbeiten sind oft bissige Allegorien auf die postkolonialen Beziehungen zwischen den westlichen Industrieländern und Afrika. Er greift gesellschaftliche und soziale Probleme auf oder reflektiert den afrikanischen Alltag oder alte Traditionen”, erklärt Melchers.

So zeige die Installation „Trotz alledem” den Patienten Afrika auf dem Krankenbett - an den Tröpfen diverser Hilfsorganisationen hängend. „Zinkpé gehört mittlerweile zu den bedeutendsten Vertretern der westafrikanischen Gegenwartskunst”, betont der Galerist.

Reliefartige Materialbilder nach dem Prinzip der Collage schafft Tété Azankpo. Dazu nutzt er bemalte Reklametafeln aus Holz oder emaillierte Eisenschüsseln, wie sie in Westafrika vielfach verwendet werden. „Während eines Deutschlandaufenthaltes schuf Azankpo eine beeindruckende Werkserie von Materialcollagen unter dem Titel ,La Mascarade”, erklärt Melchers.

Reflektiert werde in diesen Arbeiten das Täuschen, das Azankpo bei öffentlichen Auftritten von Politikern in seiner Heimat und anderswo feststellt. „Wie Zinkp versteht sich auch Tété Azankpo als politischer Künstler der gesellschaftliche Verhältnisse aufarbeitet.”

Der in Ghana geborene Maler Rikki Wemega-Kwawu zeigt in Herzogenrath großformatige, ausdrucksstarke Bilder. Sie bauen auf der Farb- und Formsprache der traditionellen Kente-Stoffe aus Ghana auf. Diese hochwertigen Textilien durften in früherer Zeit nur von Königen getragen werden und sind auf hohem künstlerischen Niveau gestaltet. Zu sehen sind geometrische Motive, die Fischen, Vögeln, Früchten, Blättern, Sonnenuntergängen und Regenbogen gleichen.

Symbole entschlüsseln

Zeitgleich werden im Atrium der Galerie 16 Werke des ebenfalls aus Westafrika stammenden Malers George Afedzi Hughes gezeigt. „Es sind gesellschaftliche und soziale Missstände, Gewalt und Verbrechen, die den Künstler beschäftigen. Diese sozial-politischen Themen greift er in seinen Gemälden und Zeichnungen auf”, erklärt Melchers.

Häufig spielt das historische Verhältnis zwischen Afrika und Europa eine Rolle, zum Beispiel die Geschichte der Sklaverei oder auch die Ausbeutung der Rohstoffe Afrikas durch fremde Mächte. Er versteckt seine Botschaften vielmehr hinter Symbolen, die der Betrachter erst suchen und entschlüsseln muss.

Die Ausstellungen „Neues im Westen” und „George Afedzi Hughes” in der Artco-Galerie im Kunstraum Bockreiterzentrum am Ferdinand-Schmetz-Platz 2 sind bis 23. Oktober, dienstags bis freitags, 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr, geöffnet, sowie samstags von 10 bis 12 Uhr und sonntags nach Vereinbarung. Infos unter 02406/6666948 oder im Internet.

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