Herzogenrath/Kerkrade: Eurode-Tag führt zu historischen Orten

Herzogenrath/Kerkrade : Eurode-Tag führt zu historischen Orten

„In Deutschland sprechen alle vom Kloster, das zur Burg gehört, wenn es um die Beziehung der Abtei Rolduc und zur Burg Rode geht. In den Niederlanden spricht man von der Burg, die zum Kloster gehört“, schildert Jan ter Huurne schmunzelnd, wo die kulturellen Unterschiede allein schon innerhalb von Eurode liegen.

Allerdings liegen die Deutschen geschichtlich richtiger: Waren es doch belgische Mönche, die beim Herzog von Rode die Erlaubnis einholten, eine Abtei zu gründen. Um von etwas leben zu können, baten die Mönche zusätzlich um die Erlaubnis, eine Mühle betreiben zu können. Fortan mussten die Bauern ihr Getreide zu dieser hölzernen Mühle an der Wurm bringen und für die Arbeit des Müllers einen Zehntel ihrer Ernte abtreten.

So funktioniert der Mahlprozess: Ein ausgebildeter Müller erklärt die einzelnen Bestandteile des Mahlwerks in der Baalsbrugger Mühle. Foto: Ute Steinbusch

Der Eurodetag 2018 verband an diesem Sonntag die Burg Rode, das Kloster Abtei Rolduc und die Baalsbrugger Mühle, die irgendwann im 17. Jahrhundert die erwähnte frühere hölzerne Mühle ersetzte. Marga Wolthuis ist die Hausherrin der Baalsbrugger Mühle. Sie, die in der Vergangenheit etliche Sendungen über Wassermühlen für das niederländische Fernsehen produziert hatte und eigentlich aus Hilversum kommt, hatte den Ehrgeiz, eine Wassermühle zu erstehen, zu restaurieren und für die Allgemeinheit zugänglich zu machen.

Jan ter Huurne, der vormals in der Tourismusentwicklung von Kerkrade tätig gewesen war, erinnert sich noch an die Anfänge, als dem vormaligen Privateigentümer, einem Verwandtem des 1974 gestorbenen letzten Müllers, das erste Mal ein Kaufangebot angetragen wurde. Schwierig war die Kommunikation zunächst, hegte der Eigentümer des maroden Bauwerks, dessen Außenmauer in die Wurm zu fallen drohte, doch Vorbehalte gegen den Behördenvertreter, wie er ter Huurne einschätzte. ter Huurne blieb hartnäckig, und heute kümmert sich ein Trio aus Marga Wolthuis, Jan ter Huurne und dem Baesweiler und Städtregionstagsmitglied Rolf Beckers federführend um die Stichting Watermill Foundation, eine Stiftung zum Erhalt und zur Pflege der Baalsbrugger Mühle.

Vieles hat man seither erreicht. Mit Mitteln der Euregionale 2018 wurde etwa eine Brücke über die Wurm geschaffen, um den Zugang zu erleichtern. Das Gebäude wurde komplett restauriert. Heute wird, wie zahlreiche Besucher sich erklären und demonstrieren ließen, wieder Mehl in der Baalsbrugger Mühle gemahlen. Allerdings noch elektrisch betrieben, was sich ändern soll. „Wir wollen ein Wasserrad anschaffen, das das die Mühle antreibt. Früher hatte diese Mühle drei Wasserräder“, erklärt Jan ter Huurne. Was einfach klingt, ist nicht bloß eine Frage des passenden Kleingelds. Damit das Wasserrad funktionell sein kann, muss der Wasserstand der Wurmangehoben werden. Das bringt die Wasserbehörden zweier Länder auf den Plan. Doch ein Ende der zähen Verhandlungen ist am Horizont abzusehen, klingen die Stichtings-Vorstände vorsichtig positiv.

Von der Baalsbrugger Mühle konnten die Eurodetag-Besucher mit einer Bimmelbahn die anderen Stationen in Augenschein nehmen, im Kloster Rolduc insbesondere die Handwerke aus alter Zeit wie den Bierbrauer, den Weinbauern und den Goldschmied.

Auf Burg Rode empfing ein patenter Ritter die großen und kleinen Gäste, die sogar eine Armbrust, verschiedene Pfeile oder ein Kettenhemd selbst in die Hand nehmen durften. Verantwortlich zeichneten in Rode die Limburger Ritterschaft, die Teile der Burg nach dem Auszug der Polizei in den 80er Jahren für ihre Zwecke nutzt, und der Verein Burg Rode e.V., der den Gang durch eine Ausstellung offerierte, in der schaurige Folterwerkzeuge ein bisschen Grusel und Schauer vor der alten Zeit unwillkürlich hervorriefen.

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