Euregiobahn-Strecke Siersdorf – Alsdorf-Mariagrube wird reaktiviert

Zwischen Aldenhoven und Alsdorf : Eine stillgelegte Bahnstrecke wird reaktiviert

Wenn es schon nicht mit dem Berufswunsch Lokführer geklappt hat, so sollte es jetzt immerhin zum Streckenläufer reichen, der Gleise abgeht und kontrolliert – und wenn es nur auf dem (noch) stillgelegten alten Bahnabschnitt zwischen Aldenhoven-Siersdorf und Alsdorf-Mariadorf ist. Denn die Trasse ist nach Jahren wieder durchgängig begehbar.

Anfang des Jahres, noch vor Beginn der Brutzeit, hatte die EVS Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (Stolberg) die dicht überwachsene Strecke freischneiden lassen. EVS will analysieren, wie der Zustand des sechs Kilometer langen Stichs ist und welcher Aufwand getrieben werden muss, um dort wieder Züge rollen zu lassen.

Arbeiter auf Höhe des ehemaligen Bahnhofs Mariadorf nahe dem Zielpunkt, der Einmündung in die „Hauptstrecke“ der Euregiobahn zwischen Kellersberg und Mariadorf, säubern die Schienen von den Resten des gewaltigen Schnitts.

Dort fächert die ansonsten eingleisige Strecke in mehrere Schienenstränge auf. Reste der Steuerungstechnik liegen an den Gleisen. Blinde Signale recken ihre „Kellen“ in den grauen Morgenhimmel.

Strecke Siersdorf-Alsdorf soll reaktiviert werden

Während zwischen L50 bei Siersdorf (hier endete einst die Strecke jenseits der Straße auf dem Gelände der Zeche Emil Mayrisch) und Bahnhofsgelände Mariadorf harte Holzschwellen verlegt wurden, sind es ab da „Kollegen“ aus Beton. Nur wenige sind erkennbar beschädigt. Auch die Schienen sehen auf den ersten Blick noch erstaunlich gut aus. Die Schrauben befinden sich dort, wo sie hingehören.

Bei der Wanderung geht automatisch der Blick immer wieder zurück über die Schulter, in dem Gefühl, dass ein Zug von hinten nahen könnte – oder zumindest eine Draisine, meist ein vierrädriges Bahndienstfahrzeug, das, mit Muskel- oder mit Motorantrieb ausgestattet, als Hilfsfahrzeug zur Inspektion von Eisenbahnstrecken sowie zum Transport von Arbeitern und Werkzeug verwendet wurde.

Die alten Gleisanlage wird von Arbeitern gereinigt. Foto: Karl Stüber

Vor dem Autobahnzubringer zur A44 steigt die Trasse an. Ab dort verlaufen die Gleise auf einem Bahndamm. Grund für den „erhabenen“ Verlauf sind mehrere Straßen und Wirtschaftswege, die auf Brücken zu überqueren sind. Können diese Bauwerke von gestern das rollende Material von morgen noch tragen?

Bei Kellersberg soll der Stich aus Siersdorf auf die Hauptstrecke führen. Foto: Karl Stüber

Noch markieren Prellböcke die beiden Endpunkte der alten Strecke. Unvergessen für den einsamen Streckenläufer ist seine Mitfahrt in einem „Güterzug mit Personenbeförderung“ im Mai 1995. Der Verein „Dampfbahn Rur-Wurm-Inde“, der wenige Jahre später seinen Fahrbetrieb gänzlich einstellen musste, hatte sich vom „Verein zur Förderung und Erhaltung des Schienenverkehrs“ (Bocholt) die Dampflok 064-491 ausgeliehen.

Ein Bruch mit Seltenheitswert: Nur wenige der Holzschwellen auf der alten Strecke Mariadorf-Siersdorf sind offensichtlich kaputt. Aber der Teerschutz hat arg gelitten. Foto: Karl Stüber

Passionierte Freunde des Dampfbetriebes fuhren noch einmal von Düren und Siersdorf bis aufs Zechengelände bei Siersdorf. In dieser Sackgasse musste die Dampfmachine umspannen. Doch der entscheidende „Schlüssel“ zur Weichenstellung auf dem alten Kohleverladebahnhof fehlte und musste erst vom EBV aus Herzogenrath herbeigeschafft werden. Die Zugbesatzung harrte eineinhalb Stunden aus.

Der alte Bahnhof in Mariadorf wird heute anders genutzt. Foto: Karl Stüber

„Restverkehr“ gab es bis Siersdorf noch bis Anfang 1997. Die Strecke wurde bis dahin noch offen gehalten, um das bei der Demontage der alten Zeche und des ausgedienten Kraftwerks angefallene Material abzufahren.

Nun wird zusammengefügt, was zusammen gehört. Ziel ist es, ab 2024 die Euregiobahn wieder bis Siersdorf fahren zu lassen.

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