Eskalierte Hochzeit in Herzogenrath wird teuer

Eskalierte Hochzeit : Beseitigung der Gummispuren in Rechnung gestellt

Nach türkischem Hochzeits-Autokorso mit heftigen Driftmanövern auf dem Parkplatz vor Herzogenraths Schwimmhalle schreibt die Stadt den Verursachern eine Rechnung über die Reinigungskosten.

Wie es denn mit der Beseitigung der beträchtlichen Gummispuren nach dem schwungvollen Autokorso mit Freudenschüssen auf dem Bergerparkplatz im April dieses Jahres weitergegangen sei, wollte CDU-Ratsherr Stefan Becker in der jüngsten Ratssitzung wissen. Wie seinerzeit berichtet, hatten an einem Samstagnachmittag laut quietschende Autoreifen und Schüsse die Besucher am Weiher in Angst und Schrecken versetzt. Dabei war der Anlass – für die Spaziergänger auch aufgrund des dichten Bewuchses rund um den Platz allerdings nicht erkennbar – tatsächlich ein eher freudiger: eine offenbar aus dem Ruder geratene türkische Hochzeit.

Die alarmierte Polizei erteilte den derart  Feiernden schließlich einen Platzverweis und stellte neben der von den Akteuren eigens für diesen Anlass im Internet bestellten Schreckschusspistole samt Munition und Patronenhülsen auch Personalien sicher. Gegen die Schützen, die keine Waffenbesitzkarte hatten, wurden Anzeigen geschrieben.

„Bei uns kein Platz dafür“

Und die Stadt Herzogenrath kündigte an, die Kosten für die Beseitigung der unzähligen Reifenspuren, die die wild umherdriftenden Autos hinterlassen hatten, den Verursachern in Rechnung zu stellen. Eine Aktion wie diese habe „bei uns eindeutig keinen Platz“, erklärten Bürgermeister Christoph von den Driesch und der türkischstämmige Integrationsratsvorsitzende Fehmi Tarasi damals auch, und wollen künftig „alles daran zu setzen, dass sich so etwas nicht noch einmal wiederholt“.

Wie auch der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda dem Stadtrat mitteilte, hat der Baubetriebshof den Gummiabrieb auf dem Parkplatz mittlerweile weitestgehend beseitigt. Mit einem leistungsstarken Hochdruckreiniger, wie Ulrich Rible, Leiter des Baubetriebsamtes, im Gespräch mit unserer Zeitung ergänzend erläutert: „Alles ließ sich allerdings nicht mehr entfernen.“ Dazu sei die Pflasterung des Platzes zu grobporig. Für den nicht unerheblichen Arbeitsaufwand sei dem Verursacher dann wie angekündigt auch eine Rechnung geschrieben worden.

Die Polizei, die ihrerseits ebenfalls zunächst erwogen hatte, die Kosten für ihren Einsatz in Rechnung zu stellen, so erläuterte Bürgermeister Christoph von den Driesch dem Stadtrat, habe davon abgesehen: Nach näherer Prüfung habe sich dies als nicht möglich erwiesen.

Einsätze wie den geschilderten hat die Polizei immer wieder zu fahren. Zuletzt hatten aufgeschreckte Bürger am vergangenen Wochenende am Mariadorfer Dreieck in Alsdorf Alarm geschlagen. Hier wurden letztlich gegen vier Fahrzeuginsassen Strafanzeigen geschrieben, die indes behauptet hatten, nicht geschossen zu haben. In ihrem Fahrzeug, das als jenes identifiziert worden war, aus dem heraus die Schüsse gefallen waren, hatten die Beamten allerdings die benutzte Schreckschusspistole sichergestellt.

Kaum Unrechtsbewusstsein

Ein „Unrechtsbewusstsein“ respektive Einsicht würde bei den Verursachern von Freudebekundungen durch Schüsse in die Luft so gut wie nicht festgestellt, kündigt die Polizei ein rigoroses Vorgehen dagegen an. Freudenschüsse sind in Deutschland verboten. Und würden in der Türkei nach Aussagen türkischer Mitbürger allenfalls noch in dörflichen Gegenden im Osten praktiziert. Selbst wenn es sich um eine Schreckschusspistole handelt, bedarf es eines – in diesem Fall Kleinen – Waffenscheins.

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