Würselen: Es wird ernst: Sanierungskosten für das Aquana steigen

Würselen : Es wird ernst: Sanierungskosten für das Aquana steigen

Das Aquana und dessen Betreiber, die Euregio Freizeitbad Würselen GmbH & Co. KG, sollen Thema einer Sondersitzung des Ausschusses für Finanzen und Beteiligung werden. Das hat CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Jürgen Schmitz gefordert — und Ausschussvorsitzender sowie SPD-Fraktionsvorsitzender Christoph Küppers tat kund, dem beizupflichten, wenn die CDU dies als Antrag einreichen würde.

Jahr für Jahr muss der Stadtrat — wohl oder übel — der Genehmigung von überplanmäßigen Aufwendungen zur Abdeckung von Verlusten der Freizeitbad Würselen GmbH & Co. KG zustimmen. Darin ging es jetzt wieder im Finanzausschuss.

Da mag (unzureichendes) Trostpflaster sein, dass die Unternehmensberatung Altenburg vor rund zwei Jahren in ihrem Gutachten der Kommune bescheinigte, dass das Würselener Freizeitbad im Vergleich zu anderen nicht übermäßig defizitär ist, wie Kämmerer Ludwig Bremen in Erinnerung rief. Auf Basis des Gutachtens seien einige Verbesserungen vorgenommen worden.

Aber das kann eine Stärkungspaktkommune Würselen, die sich mühsam mit Hilfe des Landes und am eigenen Schopf aus dem Defizit zieht, nicht zufriedenstellen, zumal neues Ungemach droht. Darlehen für das Aquana laufen 2018 und 2019 aus, und das in die Jahre gekommene Spaßbad muss in Teilen renoviert werden. Das könnte zu einer teueren Wundertüte werden.

Das muss die Kommune stemmen, ist sie doch alleiniger Gesellschafter. Die „monte mare Freizeitbad Würselen Beteiligungs-KG“ schied schon vor Jahren als Mitgesellschafter aus (siehe Info). Entsprechend beschloss die Stadt Würselen im Jahre 2000, das Freizeitbad fortzuführen. Kämmerer Bremen rief entsprechend ins kollektive Gedächtnis des Finanzausschusses, dass laut Gesellschaftervertrag der Gesellschafter, also Würselen, zu 100 Prozent Fehlbeträge im Betrieb des Bades ausgleichen muss.

1,26 Millionen Euro Verlust

Aktuell musste sich der Finanzausschuss mit dem Ergebnis des Wirtschaftsjahres 2015 auseinandersetzen. Im laufenden Aquana-Betrieb wurde ein Verlust von gut 860.000 Euro eingefahren. Die Abschreibungen beliefen sich auf 408 000 Euro, an Darlehen wurden 565.000 Euro getilgt. Ersatzbeschaffungen beliefen sich auf 240.000 Euro. Die Verlustabdeckung wird mit knapp 1,26 Millionen Euro angegeben. Da macht das Spaßbad keinen Spaß.

In 2015 wurden von der Stadt indes nur 956.000 Euro überwiesen. Zum einen schießt die Stadt deshalb rund 102.000 Euro für das Aquana nach. Das Geld wird aus dem Gemeindeanteil an der Einkommensteuer aufgebracht. Die dann noch verbleibende Lücke wird durch die Übertragung von in den Vorjahren geplanter, aber nicht erfolgter Ausgaben gedeckt.

Nach Rücksprache mit dem Steuerberater der Kommune soll nun die Abrechnung umgestellt werden. Der legale Kniff: Als konsumtiver Anteil (Unterhaltungskosten) bei den Ersatzbeschaffungen werden nur noch Beträge unter 5000 Euro berücksichtigt. Für teureren Ersatz zahlt die Stadt künftig jeweils Investitionszuschüsse, die über einen längeren Zeitraum (Nutzungsdauer) verbucht werden.

Auf diese Weise wird der städtische Haushalt gleichmäßig belastet. Anders ausgedrückt: Hohe und unversehen auftretende Zuschüsse müssen nicht mehr auf einen Schlag aufgebracht werden. Das ist für die Zukunft wichtig, da zu erwarten ist, dass das „alternde“ Aquana in immer größeren Umfang saniert bzw. renoviert werden muss.

Kritik aus Reihen der Politik

Bei diesen buchhalterischen Maßnahme allein kann es aber nicht bleiben. Theo Scherberich (UWG) erbat in naher Zukunft eine umfassende Berichterstattung in Sachen Aquana als Grundlage weiterer Beratungen. „Wir dürfen nicht weiter zunehmen und hinnehmen, wir müssen endlich handeln.“

Kämmerer Ludwig Bremen sagte, dass Interimsgeschäftsführer Claus Nürnberg von der Eisele & Degen Consulting Gesellschaft mbH ohnehin derzeit analysiert, wie es um die Substanz des Aquana bestellt ist und „was noch gemacht werden muss“. Die Stelle wird im übrigen neu ausgeschrieben.

CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Jürgen Schmitz sagte: „Wir sehen nicht, dass die finanziellen Beziehungen der Stadt mit dem Aquana auf sicheren Füßen stehen. Das ganze Konstrukt ist für uns schwer durchschaubar. Wir haben da kein gutes Gefühl, denn wir haben da Baustellen ohne Ende. Wir reden ja nicht über eine Frittenbude, sondern über ein Unternehmen, bei dem es um Millionen geht.“

Allerdings dürfe nicht vergessen werden, dass das Freizeitbad ein bedeutender „weicher Standortfaktor“ für Würselen und auch für den Schulsport wichtig sei. „Ich vermisse eine klare Aussage darüber, wie es mit dem Aquana weiter geht“, nahm Schmitz Geschäftsführung und Aufsichtsrat in die Pflicht. Die Stadt sei in einer „Haftungssituation“, stellte Jurist Schmitz klar.

Verbindliche Regelung verlangt

„Wir wollen eine verbindliche Regelung haben“, begründete der CDU-Frakionssprecher das Verlangen nach einer Sondersitzung. Bürgermeister Arno Nelles (SPD) war exakt zu diesem Tagesordnungspunkt in der Sitzung des Finanz- und Beteiligungsausschusses erschienen. Schließlich ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Aquana-Betreibergesellschaft.

An der Diskussion im Fachausschuss beteiligte er sich nicht. Allerdings wurde auch keine einzige Frage an ihn gestellt. Zu all‘ den Problemen mit dem Aquana kommt hinzu, dass die Staatsanwaltschaft — wie berichtet — gegen zwei Führungskräfte des Aquana wegen des Verdachts auf Untreue ermittelt.

Wie die Stadt Würselen alleiniger Gesellschafter wurde

Im Dezember 1999 berichtete unser Redakteur Georg Pinzek, wie Würselen alleiniger Gesellschafter des Aquana wurde: „Die Stadt Würselen ist jetzt alleiniger Eigentümer des Freizeitbades Aquana. Stolzer Besitzer? Mitnichten! Ein drei Millionen Mark großes Loch riss der defizitäre Badebetrieb allein in den ersten zwölf Monaten seit der Eröffnung in die Stadtkasse.

Die Stadt Würselen, die mit einer 20-Millionen-Bürgschaft das Risiko für den rund 24 Millionen Mark teuren Bau trägt und eine ‚Havarie’ des Bades vermeiden will, musste handeln. Sie bewegte den privaten Miteigentümer, die ‚monte mare Freizeitbad Würselen Beteiligungs-KG’, nun dazu, das Boot zu verlassen. Die Privatgesellschaft wollte dem Vernehmen nach nicht weiter in das Bad investieren.

Bürgermeister Werner Breuer informierte nun den Stadtrat. Eine Mark als symbolische Ablösesumme wurde gezahlt. Die Beteiligungs-KG war mit einem Kapitalanteil in Höhe von rund zwei Millionen Mark in das umstrittene Projekt eingestiegen. Der Beteiligungsanteil der Stadt war mit rund 500.000 Mark angegeben.“