Erster Spatenstich zur Markttangente in Kohlscheid

Erster Spatenstich : Startschuss zur Realisierung der Markttangente gefallen

Lange wurde diskutiert, beraten, gestritten, nun sind die ersten Spaten in die Erde gestochen worden, um die Realisierung der Markttangente in Kohlscheid auf den Weg zu bringen. Mit dem Bau soll im Frühjahr gestartet werden.

Zunächst geht es nur um vorbereitende Maßnahmen. Das Wort „nur“ könnte dabei allerdings in die Irre führen. Immerhin: „Vor rund 30 Jahren wurde die Thematik mit dem ‚Helmut Lesmeister Ring’ angestoßen, Veränderungen im Kohlscheider Zentrum durchzuführen.“ 30 Jahre, in denen das, was mittlerweile mindestens jedem Kohlscheider unter dem Namen „Markttangente“ geläufig ist, in der ein oder anderen Form und unter dieser oder jener Überschrift immer mal wieder auf dem Radar aufgetaucht war. Zu konkreten Auswirkungen im Ortsbild hat es seither nicht geführt. Bis jetzt.

Ein Bagger und ein Haufen Sand hinter dem ehemaligen Kaiser’s-Gebäude sind die ersten sichtbaren Vorboten dessen, was in den kommenden anderthalb bis zwei Jahren in der Nähe des Kohlscheider Marktes passieren wird. Rund 5 Millionen Euro soll der Bau der Markttangente insgesamt kosten. In diesem Betrag ist der notwendige Erwerb von Grundstücken bereits eingerechnet. Er macht rund 2 Millionen Euro aus.

Laut Ragnar Migenda, Technischer Beigeordneter der Stadt Herzogenrath, werden 65 Prozent mit Fördermitteln des Landes Nordrhein-Westfalen bestritten. Mit dem eigentlichen Bau der Umgehungsstraße hofft man im Rathaus im Frühjahr 2019 beginnen zu können. Voraussetzung dafür ist, dass das für Verkehr zuständige Landesministerium das Förderprogramm veröffentlicht, in dem die Maßnahme aufgeführt ist, und die Bezirksregierung Köln daraufhin die eigentliche Genehmigung zum Bau erteilt.

Drei Fragen zum Spatenstich der Markttangente

Bisher liegt der Stadt Herzogenrath für den Bau der Markttangente laut Bürgermeister Christoph von den Driesch eine Zusage für die Berücksichtigung im Förderprogramm lediglich mündlich vor, gegeben „im Rahmen der Projektberatungsgespräche am 7. November 2018“. Am 10. Dezember, vor nicht einmal zwei Wochen also, wurde dem Antrag auf vorzeitigen Baubeginn zugestimmt.

So geht es also mit dem ersten Spatenstich nun los mit bauvorbereitenden Maßnahmen, die bereits angelaufen sind. Dazu zählen etwa Absteck- und Vermessungsarbeiten. Im Januar – noch außerhalb der Vogelbrutsaison – sollen Rodungsmaßnahmen folgen und störende Bäume und Buschwerk entfernt werden. Im März ist geplant, mit den Abbrucharbeiten des Kaiser’s-Gebäudes zu beginnen. Die Ingenieurleistungen würden in naher Zukunft ausgeschrieben, erklärte Migenda. Außerdem: „Verschiedene Abbruchobjekte müssen noch freigezogen werden.“ Übersetzt heißt das: einige Häuser, die im Zuge der Bauarbeiten abgerissen werden sollen, sind noch bewohnt.

Herzogenraths technischer Beigeordneter Ragnar Migenda (links) und Volker Wirtz, Planer der Maßnahme, zeigen den aktuellen Plan zur Markttangente. Foto: Thomas Vogel

Ebenfalls verschwinden wird, wie bereits mehrfach berichtet, der Sportplatz Langenberg, der sich genau auf der geplanten Trassenführung der Markttangente befindet. Als Ausgleich soll das Stadion an der Oststraße dienen, das sich künftig mehrere Vereine teilen. Auch Schulsport soll dort stattfinden. Aus diesem Grund wird das Stadion ertüchtigt. Migenda: „Die Planungen dafür laufen auf Hochtouren.“ Bei der nächsten Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses im Januar werden sie der Lokalpolitik vorgestellt.

Überraschungen könnten im Zuge der Bauarbeiten noch aus vergangenen Tagen warten: Die Themen Schachtsanierung und Hinterlassenschaften des Altbergbaus stehen auf der Agenda. Von einigen Baustellen weiß man – einer Tagesöffnung im Bereich des geplanten mittleren Kreisverkehrs der neuen Tangente etwa –, was sonst noch alles verfüllt werden muss und wie viel Bentonit dafür nötig sein wird, ist hingegen noch offen. Sicher ist auch, dass eine alte Bunkeranlage hinter dem ehemaligen Kaiser’s Markt angefasst werden muss. Auch dort ist nach Angaben von Migenda noch unsicher, wie viel Material zum Verfüllen des von Bergarbeitern einst selbst gegrabenen Luftschutzstollens nötig sein wird.

Mehrfacher erster Spatenstich: Herzogenrather Politiker jeder Couleur ließen es sich nicht nehmen, am Donnerstagmorgen aktiv am Startschuss zur Realisierung der Markttangente teilzunehmen. Foto: Thomas Vogel

Von der Markttangente erhoffen sich die Politik, aber auch viele Anwohner und Geschäftsleute eine Stärkung des Einzelhandels und eine Entzerrung der teilweise – gerade in Stoßzeiten – schwierigen Verkehrsverhältnisse im Einzugsbereich der neuen Straße. Nicht alle Bürgerinnen und Bürger hatten sich vor allem im Laufe des vergangenen Jahres mit den Planungen zur Markttangente zufrieden und einverstanden gezeigt. Auch sie lobte von den Driesch beim ersten Spatenstich noch einmal ausdrücklich. Ihr Engagement zeige, dass sie sich „Gedanken über die Zukunft unserer Stadt“ gemacht haben. Für ein funktionierendes Gemeinwesen sei das ein gutes Zeichen.

Wann die ersten Autos über die Markttangente rollen werden, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sicher voraussagen. Das hänge davon ab, wie die Maßnahme laufe, erklärte von den Driesch. Er hoffe auf eine Eröffnung im Laufe des Jahres 2020 oder dem darauffolgenden Jahr.

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