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Erster Kohlscheid-Krimi: "Tod im Schacht" von Hans-Willi Schroiff

Historischer Kohlscheid-Krimi : Ein grausiger Fund im Pfuhl vor St. Katharina ...

Der erste Kohlscheid-Krimi ist erschienen: „Tod im Schacht“ von Professor Hans-Willi Schroiff ist auch eine Hommage an seine Heimat. Ein hochspannender Plot mit viel Lokalkolorit ...

„Das ist ja wunderbar! Da stand der Schacht mit meiner zweiten Leiche!“ Hans-Willi Schroiff ist von Neuss zum Ortstermin an den Langenberg gekommen und klettert begeistert durch den Gitterzaun auf das ehemalige Zechengelände, auf dem der Abrissbagger derzeit ganze Arbeit leistet. Weil hier in absehbarer Zeit die neue Markttangente münden wird, sollen das frühere Bergarbeiterwohnheim, das zuletzt einen Supermarkt beherbergte, und sämtliche Aufbauten dahinter weichen. Die Überbleibsel des Schachtgebäudes indes soll der Baggerführer stehen lassen. Und der Stabilität wegen das alte Wohnhaus daneben. Ein rotes Backsteingebäude von morbidem Charme, bei dessen Anblick man sich recht gut vorstellen kann, wie die Menschen einst lebten. Damals, als es in Kohlscheid zu einer erschreckenden Mordserie kam ...

Die Ereignisse überschlagen sich

Im frostigen Januar 1878: Der Pfuhl vor der Pfarrkirche St. Katharina am Markt ist zugefroren, der junge Peter Sistemich will früh am Morgen eine Schlitterbahn darauf anlegen. Da macht er eine entsetzliche Entdeckung: ein fahles Frauengesicht unter dem blanken Eis. Es handelt sich um die 26-jährige geistig behinderte Elisabeth Contzen, die noch bei ihren Eltern lebte und, wie sich später herausstellen soll, im fünften Monat schwanger war. Tot liegt sie im eisigen Dorfteich.

Ein grausiger Fund. Und ein strafversetzter Kommissar aus dem fernen Berlin, der Gutsbesitzersohn Friedrich von Bodmer, soll sich darum kümmern. Widerwillig macht er sich in der düsteren Umgebung der ärmlichen Bergarbeiterhäuser an die Arbeit. Doch als er im Leichenschauhaus gerade die sterblichen Überreste der unglücklichen Elisabeth in Augenschein nimmt, wird eine weitere Leiche reingebracht, gefunden im Wetterschacht der Grube Langenberg. Es ist Winand Einerhand, Sicherheitsinspektor der Bergwerke. Jetzt ist von Bodmers kriminalistischer Spürsinn geweckt: Haben die beiden Fälle etwas miteinander zu tun? Im Folgenden überschlagen sich die Ereignisse, und der Weg führt den Ermittler, dem mit Egidius Amkreutz ein tüddeliger Polizeidiener zur Seite gestellt wird, in die dunkle Welt untertage ...

„Ich kann versichern: Gegen Ende wird es fürchterlich“, sagt Hans-Willi Schroiff, Autor von „Tod im Schacht“, dem „allerersten Kohlscheid Krimi“. Und gibt gleich noch ein zweites Versprechen: Bis wenige Seiten vor dem Schluss weiß man nicht, wer der Täter sein könnte. „Das ist das Geheimnis eines guten Krimis“, so Schroiff. Ob dieser Anspruch in seinem Buch auch Bestand hat, habe er von drei guten Freunden prüfen lassen. Natürlich gilt auch seine eigene Expertise, denn der 67-Jährige ist bekennender Krimi-Fan. „Mit totalem Faible für Plots mit realem Hintergrund.“ Einst „angefixt“, wie er sagt, von Umberto Ecos „Der Name der Rose“ und Robert Harris’ „Pompeji“.

Schroiff ist von Hause aus Psychologe und Mediziner, war nach dem Studium in Aachen zunächst Junior Professor für Psychologie, wechselte dann in die Industrie, wo er 25 Jahre lang für Henkel tätig war und schließlich die Verantwortung für die weltweiten Marktforschungs-Aktivitäten des Konzerns innehatte. Zusätzlich ist Schroiff Honorarprofessor an der wirtschaftswissenschaftlichen Falkultät der RWTH Aachen. Und seit 2012 Inhaber der von ihm gegründeten und in Neuss ansässigen Firma MindChainge, die sich Produktneuentwicklungen widmet. Zahlreiche Publikationen sind Ausfluss seiner globalen beruflichen Tätigkeit.

Und nun ein Krimi: Auf einer vielstündigen dienstlichen Zugfahrt habe es die Initialzündung gegeben, wie er erzählt: „In Augsburg kam die Idee, in Stuttgart stand der Plot und in Köln auch noch die Protagonisten.“ Einige Zeit später ging es auf Italienurlaub: „Am zweiten Tag hat es mich gepackt, und in einer Woche hatte ich den halben Krimi runtergeschrieben.“ Nach dem Urlaub wurde überall weitergeschrieben, „wo gerade Zeit war: zwischen Vorlesungen, am Flughafen oder auch mal mitten in der Nacht, wenn ich nicht schlafen konnte“. Bis zum letzten Oktoberwochenende.

„Spuren der Vergangenheit“

Und warum Kohlscheid als Schauplatz? Ganz einfach: Hier hat Hans-Willi Schroiff die ersten 20 Jahre seines Lebens verbracht, hier wohnen immer noch Familie und gute Freunde. Seine Schwester Marina hatte ihm überdies „in Etappen zu Weihnachten“ alle vier Bände der Chronik „Spuren der Vergangenheit – Daten zur Geschichte Kohlscheids“ des 2012 verstorbenen Heimathistorikers Josef Aretz geschenkt. „Die habe ich alle gebannt gelesen“, sagt Schroiff. Und war deswegen mental schnell wieder drin in der Zeit, in der er seinen Kriminalroman angesiedelt hat.

Hier und da ein bisschen an historischen Stellschrauben gedreht zu haben, gibt er gerne zu, natürlich ausschließlich im Sinne der Handlungsplausibilität: So logiert etwa der Berliner Kriminalkommissar im Hotel „Deutsche Flotte“. „Das gab es damals noch gar nicht.“ Dafür aber den Bahnanschluss, der im Roman wiederum nicht vorhanden ist. Und: Wegen der besseren Nachvollziehbarkeit vor Ort wurden nicht die historischen, sondern die aktuellen Straßen- und Flurbezeichnungen gewählt. Doch über derlei Details klärt der Autor im Vorwort wahrheitsgetreu auf.

Drei Sprachebenen

Um des Lokalkolorits willen bedient sich Schroiff dreier Sprachebenen: Platt, Hochdeutsch und Deutsch mit „Knaubelen“, in das einst „kleine Leute“ verfielen, wenn sie mit Offiziellen zu tun hatten. Aber auch hier keine Sorge: Wer der Kohlscheider Mundart nicht mächtig ist, findet die Übersetzung in Fußnoten.

Akribisch war Schroiff auch bei der Namensgebung für seine ausführlich und einfühlsam beschriebenen Charaktere. Er hat sich dazu des französischen Einwohnerregisters von 1799 bedient. Ein Kohlscheider Bürgermeister Lambert Vankann ist dabei geboren worden, ein Peter Kuckelkorn, ein Heinrich Kistermanns oder ein Josef Desaive. Wer die alle sind? Am besten selbst nachlesen!