Erinnerung an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz

Programm im Nordkreis : An die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz wird erinnert

Der deutschen Philosophin Hannah Arendt zufolge war die Ermordung von mehr als sechs Millionen Menschen jüdischer Tradition nicht deshalb möglich, weil zu viele böse Menschen böse waren, sondern weil zu viele gute oder einfach unbeteiligte Menschen unbeteiligt blieben.

Deshalb gilt es, möglichst viele aus der größten Gruppe, nämlich der Gruppe der Dabeistehenden, die es nach Arendt immer gab und geben wird, zu befähigen und zu motivieren, gebotenenfalls auf irgendeine Weise „Nein“ zu sagen, Rettung zu ermöglichen. Hierzu scheint ein Wissen um das, was geschehen ist, unverzichtbar.

Dem Vergessen Vorschub zu leisten, wurde am 10. November 2010 auf dem Kleinen Luisenplatz ein Denkmal eingeweiht, das an ein noch vor nicht allzu langer Zeit spürbares lebendiges Miteinander erinnert.

1854 nahm die erste jüdische Familie in Alsdorf ihren Wohnsitz. Mit dem Aufschwung des Bergbaus folgten weitere Familien, die im Zentrum der Gemeinde als Metzger, Schneider, Glaser und Maler 18 Betriebe und Geschäfte gründeten. Jüdische Arbeiter waren hier in der Landwirtschaft und im Bergbau tätig. 80 Jahre lang förderten sie in einem hohen Maße die gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der aufstrebenden Gemeinde.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete 1933 dieses lebendige Miteinander als Folge der parteipolitischen Hetze gegen die Juden. Am 9. November 1938 wurden auch hier in Alsdorf ihre Geschäfte und Wohnungen verwüstet. Damit ging ihre gesellschaftliche Tätigkeit zu Ende und ihre kulturellen Impulse gingen verloren. Auch viele Alsdorfer jüdischer Tradition wurden deportiert. Bisher ist nachgewiesen, dass mindestens 46 von ihnen in den Konzentrationslagern ermordet wurden.

Auch um daran zu erinnern, aber konkret aus Anlass des Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau lädt die Alsdorfer Initiative „Wider das Vergessen“ ein, am Sonntag, 27. Januar, um 15 Uhr für zehn Minuten vor dem Denkmal auf dem Luisenplatz, Nähe Denkmalplatz, Alsdorf-Mitte, gemeinsam zu schweigen. Während dieser Gedenkminuten werden in den Kirchtürmen der evangelischen Christusgemeinde die Glocken in Alsdorf, Mariadorf-Hoengen-Broichweiden und Würselen läuten.

In Würselen führt auch in diesem Jahr der Arbeitskreis „Kein Vergessen“ wieder eine Mahnwache zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am Sonntag, 27. Januar, 15 Uhr, vor der Kirche St. Sebastian, Sebastianusstraße, durch. Genau um 15 Uhr wurde am 27. Januar 1945 das Konzentrationslager Auschwitz von der sowjetischen Armee befreit, und deshalb läuten um 15 Uhr die Totenglocken aller katholischen Kirchen in Würselen zehnMinuten lang. Das ist ein fester Bestandteil der Erinnerungskultur der Stadt Würselen, ebenso wie die Mahnwache des Arbeitskreises „Kein Vergessen“ mit Totenlichtern auf den Stufen zur Kirche St. Sebastian an alle Opfer des Nationalsozialismus erinnert.

1996 hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar als offiziellen Gedenktag eingeführt, und das aus gutem Grund, denn die heutige Generation ist zwar nicht verantwortlich für die Verbrechen der NS-Diktatur, aber wir alle tragen die Verantwortung für das Erinnern an die Opfer und dafür, dass sich derartiges Unrecht nicht wiederholt. Dies gilt besonders in Zeiten wie heute, in denen der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke das Holocaust-Gedenken als „lähmend und dämlich“ bezeichnete und eine radikale Wende in der Erinnerungskultur forderte.

Deshalb ruft der Arbeitskreis „Kein Vergessen“ alle demokratisch gesinnten Bürgerinnen und Bürger Würselens auf, sich zahlreich an der Mahnwache vor St. Sebastian zu beteiligen, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken, aber auch um auf diese Weise einen eindrucksvollen Protest gegen das inzwischen offen propagierte rechte Gedankengut der AfD zu zeigen. Das sind wir als Demokraten den Opfern des Nationalsozialismus schuldig.

In Herzogenrath ruft der AK „Wege gegen das Vergessen“ aus Anlass des Internationalen Gedenktages zur Befreiung des KZ Auschwitz erneut dazu auf, die hiesigen, vom Kölner Künstler Gunter Demnig verlegten, Stolpersteine, die an die 24 ermordeten Opfer des Nationalsozialismus aus Herzogenrath erinnern, zu reinigen. Diese nicht nur symbolische Aktion am Sonntag, 27. Januar, soll die Erinnerung an diese Menschen wach halten. Diese wurden von einem verbrecherischen Regime aus ihrem Lebensumfeld gerissen und die meisten von ihnen ermordet.

Gleichzeitig dient die Reinigungsaktion der Mahnung stets für unsere Demokratie und die Menschenrechte einzutreten. Sie fordert dazu auf, Rassismus und Ausgrenzung auch heute noch entscheiden entgegen zu treten. Menschen, die sich an der Aktion beteiligen wollen, können sich gerne bei Bernd Krott unter 02406/83530 melden. Die Paten der Stolpersteine und Schüler einiger Schulen haben ihre Teilnahme bereits zu gesagt.