Tradition und junge Firmen: Erfahrungsaustausch von Betrieb zu Betrieb

Tradition und junge Firmen: Erfahrungsaustausch von Betrieb zu Betrieb

Das ist auf den ersten Blick ungewöhnlich: dass ein Unternehmen in einem Gründerzentrum sein 100-jähriges Bestehen feiert. So viel Tradition, sollte man meinen, können in einer solchen Einrichtung angesiedelte „junge“ Firmen noch gar nicht haben. Oder doch?

Von der AWF ist die Rede, der Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaftliche Fertigung, deren Wurzeln auf das Jahr 1918 zurückreichen. Und die seit 2015 als Tochtergesellschaft der im Technologiepark Herzogenrath (TPH) ansässigen Abels&Kemmner Gesellschaft für Unternehmensberatung mbH firmiert. Die ihrerseits auch schon 25 Jahre erfolgreiche Firmengeschichte aufzuweisen hat. Auch wenn die Auftragsdichte der beiden Unternehmen um die geschäftsführenden Gesellschafter Dr. Andreas Kemmner und Dr. Bernd Reineke (Abels & Kemmner) sowie Thomas Schöppler (AWF) erklärtermaßen nur wenig Zeit lässt — gefeiert werden sollte trotzdem. Mit allem, was dazu gehört, sprich Sekt — und Bürgermeister. Christoph von den Driesch überbrachte in den Räumen von Abels&Kemmner im TPH denn auch gerne seine Glückwünsche. Und ließ sich, zusammen mit TPH-Geschäftsführer Michael Eßers, die Geschäftsfelder der stolzen Jubilarin aus verschiedenen Perspektiven erläutern. Die AWF bietet Fachtagungen an, dazu Seminare und Inhouse-Trainings zu Themen wie Fertigung, Absatz, „Supply Chain Management“ und „Shopfloor Management“. Bei Letzterem geht es im weitesten Sinne um Prozesse und strategische Entscheidungen im Bereich Lieferkette beziehungsweise um Leitungs- und Führungsprozesse in der Fertigung, dem „Ort der Wertschöpfung“.

Über den 100. Geburtstag der AWF freuen sich (v.l.) Christoph von den Driesch, Dr. Bernd Reineke, Sylvia Kemmner, Richard Zimmer, Michele Schönen (AWF), Dr. Andreas Kemmner, Sabine Koslowski (AWF), Michael Eßers und Thomas Schöppler. Foto: Schöppler, Oprée

„In unseren Arbeitsgemeinschaften finden sich Vertreter aus Unternehmen, Beratung und Forschung zusammen, um gemeinsam über eine begrenzte Zeit hinweg überbetrieblichen Erfahrungsaustausch zu betreiben, aktuelle innovative Themen zu diskutieren, relevante Probleme zu erörtern und hierfür Lösungen zu erarbeiten“, wirbt die AWF auf ihrer Homepage. Diese Form der praktischen, innovativen Weiterbildung verfolge das Ziel, „dass Unternehmen von Unternehmen im AWF-Erfahrungsnetzwerk lernen“.

Beste Referenz dafür, dass dies auch wirklich funktioniert, ist der Bericht zufriedener Kunden. Wie Richard Zimmer, Produktionsverantwortlicher bei der Aachener Vygon GmbH & Co. KG, Hersteller von Medizinprodukten. Wenn man ein Unternehmen nach vorne bringen wolle, so Zimmer bei der Feierstunde im TPH, „muss man nach Wegen suchen, um genau das zu tun“. Bei der AWF sieht er sich da schon seit 15 Jahren an der richtigen Adresse: „Hier gibt es einen Mehrwert, den Sie in keinem Seminar finden.“ Denn eine der zentralen Fragen bei der Suche nach neuen Lösungen lautet: „Wie machen es andere?“

Die AWF bietet eine Plattform für Firmen, die Antworten darauf finden wollen. In jeweils auf drei Jahre ausgelegten Arbeitsgemeinschaften zu passgenauen Themen für Unternehmen, deren Vertreter sich regelmäßig zum hochprofessionell moderierten, konstruktiven Austausch treffen. Denn so unterschiedlich die Produkte der beteiligten Firmen auch sein mögen — und darauf wird bei der Zusammensetzung der AGs mit Blick auf den Wettbewerb auch streng geachtet: Abläufe und Probleme sind meist deckungsgleich. Anregungen mitnehmen, reflektieren und für den eigenen Betrieb passend umsetzen, zählte Zimmer die Mehrwerte auf, die er über die AWF kennengelernt habe. Und er ergänzte noch einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Aspekt, den auch AWF-Geschäftsführer Schöppler herausstellte: Auch neue Freundschaften können über den informativen beruflichen Kontakt hinaus in den AGs entstehen — durchaus beständige sogar.

Schilderungen, die auch den Bürgermeister beeindruckten, der nur eine Sache vermisste: mehr regionale Firmen auf der AWF-Kundenliste.

Kein Geburtstag ohne Geschenke: Nicht nur der Bürgermeister überbrachte ein Präsent, auch Thomas Schöppler wartete mit einer Überraschung auf: einem Scheck zur „Nachwuchsförderung“ — für den Betriebskindergarten, die „TPHasen“.

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