Herzogenrath: Engagierte Helfer mit dem Integrationspreis belohnt

Herzogenrath : Engagierte Helfer mit dem Integrationspreis belohnt

Es war eine ganz besondere Ausgabe des Integrationsfestes. In einem zweijährigen Rhythmus ehrt die Stadt seit geraumer Zeit Menschen und Institutionen, die sich in Herzogenrath für die Integration von Flüchtlingen und ausländischen Mitbürgern ehrenamtlich eingesetzt haben.

„Eine außergewöhnliche Veranstaltung mit Preiskategorien, die zum ersten Mal vorkommen“, so hatte Bürgermeister Christoph von den Driesch dem Plenum versprochen — und Wort gehalten.Zusammen mit Organisator Fehmi Tarasi, Vorsitzender des Integrationsrats, verriet von den Driesch, dass das Gremium im Stadt- und Integrationsrat bei der Ermittlung der Preisträger vor einer schwierigen Aufgabe gestanden habe. Nach der großen Flüchtlingswelle im Herbst 2015 sei die Situation in Herzogenrath nur durch den beherzten Einsatz der vielen Hundert Ehrenamtler zu bewältigen gewesen.

„Die uns übergeordneten Behörden haben die vielen Neuankömmlinge leider viel zu unkoordiniert auf die Reise geschickt“, sagte der Bürgermeister. Teilweise mitten in der Nacht seien Busse angekommen mit Menschen, denen das Nötigste zum Leben fehlte. In unzähligen Nachtschichten wurden die Flüchtlinge medizinisch versorgt und Notunterkünfte wie beispielsweise an der Merksteiner Waidmühl bezugsfertig gemacht.

Laut Tarasi eine Mammutaufgabe, jedoch sei diese „Ersthilfe“ nur der erste Schritt eines steinigen Wegs: „Es ist nicht damit getan, den Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben und einen Schulplatz für die Kinder. Integration beinhaltet einen fortlaufenden Prozess. Bildung ist das Tor zur Welt und Spracherwerb der dazugehörige Schlüssel.“

Auf diesem Gebiet fand auch Ilona Schirin-Sokhan einst ihre Passion. Die pensionierte Hauptschullehrerin gab schon lange vor 2015 unentwegt Sprachkurse und stand Hilfesuchenden zur Seite bei Behördengängen, Arztbesuchen und anderen Herausforderungen des „deutschen“ Alltags. Laut ihr sei der „qualvolle Weg zum Spracherwerb“ die größte Hürde. Ist diese erst einmal genommen, sei alles viel einfacher.

Auch bei Yassin Amanat Khan ist die Hochphase des Flüchtlingsstroms in besonderer Erinnerung geblieben. Der gebürtige Afghane — 1995 kamen er und seine Familie selbst als Flüchtlinge in die Bundesrepublik — hat neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Dolmetscher und „Alltagshelfer“ im letzten Jahr zwei jugendliche Flüchtlinge bei sich aufgenommen. Für ihn ist Deutschland und speziell die Aachener Region ein „Multivitamin-Medikament“, das mit seiner Vielfalt und Ausgewogenheit jedem zur Seite steht.

Die beiden Herzogenrather Vorbilder wurden mit dem Integrationspreis in der Kategorie „Einzelpersonen“ ausgezeichnet. Als „Newcomer“ wurde im Anschluss der Sonderpreis an das medizinische Team um die Organisatoren Dr. Fritz van Loo und Dr. Ingrid van Loo vergeben. Die Ärzte und Pfleger hatten in der Krisenzeit in vielen Abend- und Nachtschichten die medizinische Versorgung der Neuankömmlinge sichergestellt. „Wir hatten kein Gesundheitsamt und kein eigenes Krankenhaus in unserer Stadt. Ich wüsste nicht, was wir hätten tun sollen, wenn das ehrenamtliche Ärzte-Team nicht da gewesen wäre“, erläuterte von den Driesch.

Nachdem der Kinderchor der Grundschule Alt-Merkstein, die Theatergruppe der Grundschule Pannesheide sowie die orientalische Jugendtanzgruppe „Emir Sultan“ mit farbenfrohen und ausgelassenen Vorstellungen die zahlreichen Festbesucher mit dem Zauber von Vielfalt und Toleranz erfüllt hatten, baten von den Driesch und Tarasi zum zweiten Teil der Zeremonie.

Keinen Preis für eine „klassische“ Institution, sondern eine Auszeichnung für alle bürgerschaftlich engagierten Menschen, die in der Flüchtlingsarbeit mit angepackt haben, sollte vergeben werden. Insbesondere die an die Flüchtlingsberatung angebundene Ehrenamtsgruppe, aber auch der Internationale „Ökumenische Arbeitskreis Hand-in-Hand e.V.“, das Organisationsteam der Unterkunft „An der Waidmühl“, das „Frauenkommunikationszentrum FrauenKomm. Gleis 1“, der „Runde Tisch Flüchtlingsarbeit“ sowie der „Arbeitskreis Flüchtlingshilfe der evangelischen Kirchengemeinde Herzogenrath konnten insgesamt rund 230 zu ehrende Personen hervorbringen.

Auch als der offizielle Teil des Nachmittags schon lange vorüber war, standen die Schicksalsgenossen von einst noch bei kühlen Getränken und internationalen Snacks beisammen. Ehemalige Flüchtlinge und Helfer, Freunde unter sich — frei nach dem allumfassenden Motto: „Welcome, Hallo, Salam — in Vielfalt vereint“.