Alsdorf: Energiewende im Energeticon hautnah erlebbar machen

Alsdorf : Energiewende im Energeticon hautnah erlebbar machen

Fast nirgendwo ist die Energiewende so hautnah zu erleben wie in der Region. Die Zeiten der alten Bergwerke sind längst vorbei, doch der Tagebau Inden und das Braunkohlekraftwerk Weisweiler prägen weiterhin.

Längst sind sie ergänzt durch zahlreiche Windräder, die regenerativen Energien sollen langsam die fossilen Energieträger ablösen. Doch wie ist das zu bewerkstelligen? Wie können wir Strom effektiv über weite Strecken transportieren?

Ein entscheidender Faktor könnte die Umstellung auf Gleichstrom sein, betonte Dr. Peter Lürkens. Der Mitarbeiter des Forschungscampus „Flexible elektrische Netze“ (FEN) eröffnete im Energeticon die Ausstellung „Mission Energiewende — mit Gleichstrom in die Zukunft“, die für alle Besucher verdeutlichen soll, was Gleichstrom ist, welche Unterschiede zum Wechselstrom existieren und wie er wichtig werden kann für die Energiewende.

Unterstützung durch Ministerium

Unterstützt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung präsentiert der FEN die Ausstellung auf multimedialem Wege. In mehreren Stationen gibt es eine Video-Dokumentation, einen Versuchsaufbau zum Unterschied von Gleich- und Wechselstrom, einen Comic zur Historie und ein Computerspiel, an dem man selbst eine Energielandschaft interaktiv erforschen kann.

„Wir müssen nach und nach von fossilen Quellen loskommen. Das wird Anstrengung und Geld kosten und wir werden auch Rückschläge hinnehmen müssen“, betonte Lürkens bei der Eröffnung der Ausstellung. Jedoch könne damit viel Lebensqualität gewonnen werden, wenn man stärker auf „grüne“ Energiequellen setzt. Bisher muss der Strom für die Einspeisung ins Netz in Wechselstrom und für viele Geräte schließlich wieder zurück zu Gleichstrom umgewandelt werden.

Bei jedem dieser Prozesse gehe wieder Strom verloren, erklärte Lürkens. Auf langen Trassen konnte sich Gleichstrom bereits durchsetzen, jetzt gelte es die Technik auch in unteren Netzebenen zu etablieren, da gerade hier regenerative Energien eingesetzt werden. Die Stromnetze sollen „flexibel“ werden.

Wesentlicher Teil der Rechnung

Dieser Transport „ist ein wesentlicher Teil der Rechnung“, betonte der Wissenschaftler, der den Umstieg von Wechsel- auf Gleichstrom mit dem Umstieg von der Dampf- hin zur Elektrolok verglich. Gleichstromnetze reagieren deutlich unempfindlicher, wenn an vielen verschiedenen Punkten Energie eingespeist wird, während die Wechselstromnetze darauf ausgelegt sind, dass an einigen wenigen Punkten die Energie erzeugt wird, wie es bisher mit klassischen Kraftwerken der Fall war.

Ein besonderes Augenmerk galt auch der Elektromobilität. So werden in Zukunft deutlich mehr Ladestationen nötig, um das Fahren mit Elektroautos attraktiver zu machen. Lürkens stellte sich beispielsweise Parkhäuser vor, die mit Solarflächen und Windkraftanlagen ihren eigenen Strom erzeugen und so die Autos direkt vor Ort versorgen.

Die wissenschaftliche Kommunikation müsse noch verbessert werden, stellte der Forscher klar. Solche Ausstellungen sollen die komplexen Themen verständlich machen und für die neuen Stromnetze werben. „Wir müssen Stromnetze transparent machen“, war Lürkens‘ abschließende Forderung. Wer sich selbst ein Bild von den Vorzügen der Gleichstromtechnik machen will, hat dafür die Gelegenheit bis zum 31. Juli im Alsdorfer Energeticon.

(cheb)
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