Endoskopische Wirbelsäulenchirurgie: Dem Schmerz auf den Nerv fühlen

Endoskopische Wirbelsäulenchirurgie : Dem Schmerz auf den Nerv fühlen

Rund 80 Prozent der Rückenbeschwerden können konservativ behandelt und behoben werden: mit einer gezielten Schmerz- und Bewegungstherapie.

Die Anzahl an Rückenoperationen steigt in Deutschland. Sogar Chirurgen sagen, dass zu häufig und schnell der operative Eingriff empfohlen wird. Rund 80 Prozent der Rückenbeschwerden können konservativ behandelt und behoben werden: mit einer gezielten Schmerz- und Bewegungstherapie. 20 Prozent aber eben nicht. Wenn es dann tatsächlich sein muss, sollte die Operation möglichst sanft erfolgen. Dies verspricht nun eine Methodik, die am Rhein-Maas Klinikum in Würselen eingeführt und etabliert wurde – bei weitem kein Standard.

Bei der endoskopischen Operation, das heißt einer kameragesteuerten Schlüsselloch-OP, fallen viele Risiken gegenüber der traditionellen, mikrochirurgischen Methode weg. Es ist kein Längsschnitt mehr nötig, sondern nur noch ein etwa ein Zentimeter großes Loch, weniger Gewebe wird zerstört, womit sich das Vernarbungsrisiko mindert, die Infektionsgefahr sinkt und die Erholung des Patienten verläuft schneller.

Der Patient kann normalerweise nach dem Aufwachen aus der Narkose zeitnah das Krankenhaus verlassen. Das Verfahren für Bandscheiben-OPs ist trotz seiner Vorteile in Deutschland eher die Ausnahme als die Regel. Geeignet ist es beispielswiese zur Entfernung von Bandscheibenvorfällen der Lendenwirbelsäule sowie zur Behandlung des schmerzhaften kleinen Wirbelgelenkes.

Ein erfahrenes Team um den Chefarzt der Orthopädie am Rhein-Maas Klinikum, Professor Dr. Rolf Sobottke und seinen Oberärzten, in erste Linie Georg Bratkov, haben dieses Verfahren nun in Würselen etabliert. Oberarzt Bratkov arbeitet damit bereits seit Ende 2016 in der Klinik. Er hat das Verfahren bei seinem alten Mentor gelernt und seit 2014 zahlreiche Eingriffe dieser Art durchgeführt. Mit der Methode wurde das Spektrum des von der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft nach höchstem Standard (Level I) zertifizierten Wirbelsäulenzentrums um die endoskopischen Operationen erweitert.

Das Team ist sich einig: „Die Endoskopie verbessert die Wirbelsäulenchirurgie und damit die Genesung des Patienten erheblich“, freut sich Sobottke über die Einführung des neuen Operationsverfahren.

(RMK)
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