Herzogenrath: Eine Mauer gegen Rassismus und Fremdenhass

Herzogenrath: Eine Mauer gegen Rassismus und Fremdenhass

Die Bühne ist farbenfroh und mit Pflanzen aus allen Teilen der Welt geschmückt, die Stimmung ist gesellig. Man sitzt, plaudert, trinkt und erwartet gespannt den Auftakt zur Verleihung des zweiten Integrationspreises.

Neben der Bühne läuft ein selbstgedrehter Kurzfilm der Falken, der die Schwierigkeiten und Probleme von Flüchtlingen verdeutlicht.

Im vergangenen Jahr fand die erste Verleihung des Preises in der Aula des Schulzentrums statt, nun ist die Realschule Kohlscheid Veranstaltungsort, Roda-Stadt und Integrationsrat organisieren gemeinsam. Der integrative Gedanke des Festes wird bereits mit Programm und Verköstigung deutlich: Neben Kaffee und Kuchen gibt es orientalische Köstlichkeiten und Live Musik der Band „Kleopatra afro-oriental”. Zuletzt hatte sich die Realschule hat durch die Aufführung des Theaterstücks „Betti tut was!” von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit deutlich distanziert. Den Auftakt zur Preisverleihung gestalteten die Schüler der Grundschule Pannesheide, indem sie die Gäste in vielen verschiedenen Sprachen willkommen hießen und so zeigten, dass alle Nationalitäten erwünscht sind. Die offizielle Eröffnung des Integrationsfestes erfolgte durch Bürgermeister Christoph von den Driesch und Integrationsratsvorsitzenden Fehmi Tarasi. Sogar der Generalkonsul der Türkei war geladen.

Nach der Eröffnung erbauten die Schüler der Grundschule Pannesheide eine symbolische Mauer gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, bei der jeder Stein für eine Aktion der Grundschule gegen Rechts steht. Bereits nach kurzer Zeit hatte die Mauer eine beachtliche Größe erreicht. Von den Driesch setzte den letzten Stein an seinen Platz. Im Anschluss klärten die Schüler offene Fragen: Was ist Mobbing? Was heißt Ausgrenzung? Auf jede Frage hatten die Grundschüler eine Antwort parat. Die Verleihung des Integrationspreises erfolgte durch den ersten Bürger der Stadt und den Integrationsratsvorsitzenden Tarasi. Als Auszeichnung erhielten die Träger des Integrationspreises eine Trophäe aus Acryl in Form eines Puzzlestücks, das symbolisch für ein weiteres Stück im Integrationspuzzle steht. Außerdem nahmen die Preisträger eine Urkunde, sowie eine finanzielle Anerkennung mit nach Hause. Mit der Verleihung des Preises wird ehrenamtliches Engagement von Einzelpersonen und Gruppen zur Förderung der Integration anerkannt.

In der Kategorie Einzelperson wurde Selçuk Büyüktanir ausgezeichnet. Im Jahr 2000 kam er als Elektroingenieur nach Deutschland und begann im Elternrat des Kindergartens, sich öffentlich zu engagieren. Mittlerweile ist er Mitglied des Integrationsrats. Nebenbei wirkt er im Heimatverein Kohlscheid mit. „Ich bin hier zu Hause, ich habe deutsche Freunde und nette Nachbarn”, erzählt Büyüktanir stolz dem Publikum. Dieser Preis sei für ihn die größte Anerkennung, die er sich wünschen könne. „Wir sind zwar viele Kulturen, doch mit ein wenig Ehrgeiz findet man immer einen Mittelweg”, ist seine Philosophie. Abschließend lobte Bürgermeister von den Driesch: „Herzogenrath braucht Menschen wie Sie, Herr Büyüktanir”.

In der Kategorie Vereine, Gruppen und Institutionen hat sich die Grundschule Pannesheide durch ihr unermüdliches Engagement für den Integrationspreis beworben. Mit einer gestiegenen Aktivität rechter Gruppierungen hatte das Engagement der Grundschule begonnen. Der erste Protest erfolgte vor ungefähr zehn Jahren in Form einer kleinen Demonstration. Mittlerweile darf sich die Grundschule „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage” nennen. Als Paten haben die Kinder Erik Meijer, erzählten sie stolz.

„Hier hat das Leben mit einander einen höheren Stellenwert”, berichtet der Integrationsratvorsitzende und überreichte dem kleinem Robin die Trophäe. Nicht umsonst nennt sich die Schule „Gemeinschaftsgrundschule”.