Würselen: Einbrecher schlagen erneut gnadenlos zu

Würselen: Einbrecher schlagen erneut gnadenlos zu

Hubert Wickeraths Gefühle schwanken, was seinen Würselener Wohnsitz anbelangt, zurzeit zwischen „Ohnmacht und Wut“. Innerhalb von acht Monaten wurde sein Haus zum zweiten Mal von Einbrechern heimgesucht.

Zu allem Übel ist diesmal der Schaden, nachdem er nach der traurigen Premiere auf Anraten der Polizei in die Sicherung von Fenstern und Türen kräftig investiert hatte, noch größer. Diesmal sind neben den entwendeten Gegenständen im Wert von rund 400 Euro zudem Sachbeschädigungen von rund 4500 Euro zu beklagen. Bei den Sicherungsmaßnahmen sieht sich Hubert Wickerath jetzt gezwungen, nochmals kräftig aufzurüsten.

Hubert Wickerath ist fassungslos: Erneut haben Einbrecher in seinem Haus in Würselen zugeschlagen. Allein der Sachschaden beträgt rund 4500 Euro. Foto: Georg Pinzek

Als der Hausherr nach seinem ehrenamtlichen Küsterdienst in der Kirche und auf dem Friedhof von St. Sebastian in sein Heim zurückkehrte, entdeckte er den Einbruchdiebstahl mit großen Verwüstungen. Mit brachialer Gewalt hatten sich der oder die Täter durch die Terrassentür Zugang verschafft. Bei der Suche nach Wertsachen wurden alle Behältnisse wie Schubladen und Schränke durchwühlt. Die Einbrecher hinterließen völliges Chaos. Fürchterlich! „Wunden schlagen nicht nur die Beschädigungen an Hab und Gut, sondern auch der Verlust von Erinnerungsstücken, zum Beispiel das Geschenk der Patentante zur Kinderkommunion“, sagt Hubert Wickerath. „Diese Unsicherheit bei Tag und Nacht im eigenen Haus ist heftig“, beschreibt er als Einbruchsopfer die Folgen des traumatischen Erlebnisses.

Bürger müssen zahlen

Wenn auch die Versicherung einen Teil des materiellen Schadens abdecke, so bleibe doch ein emotionaler Schaden auf nicht absehbarer Zeit. Sowie Fragen über Fragen: „Wer hat Grundstück und Haus betreten? Möglicherweise vorher ausspioniert? Waren es dieselben Täter? Warum haben die empfohlenen Sicherheitsmaßnahmen nicht geholfen? Werden die Täter gefasst? Möchte man einem Täter gegenübertreten? Wie würde man reagieren? Was ist eine gerechte Strafe?“ Und so weiter . . .

„Die Anzahl der Einbrüche in der Nachbarschaft — vier in einem Monat — und im Bekanntenkreis führt zu einer gewissen Solidarität“, stellt Hubert Wickerath fest. Bei vielen herrsche Ratlosigkeit und die lenke den Blick auf Polizei und Politik. Dabei beobachtet Wickerath, dass die „Forderung zu handeln“ quasi zu den Bürgern zurückgespielt wird. Die Bürger würden immer stärker in die Pflicht genommen, mehr für ihre eigene Sicherheit zu leisten. Anders gesagt: „Die Bürger müssen die wachsenden zusätzlichen Kosten übernehmen, die das Land versucht einzusparen. Damit zahlen wir gleich mehrfach die Zeche. Was kann man gegen diese Entwicklung tun?“, fragt Wickerath.

Im Schnitt alle vier Stunden

So gab es 2011 in der Städteregion immerhin 2068 Wohnungseinbrüche. 2012 zählte man zwar „nur“ 1818 Fälle, nun ist in diesem Jahr in der Städteregion erneut von einem Anstieg der Zahlen die Rede. In der Städteregion wird im Durchschnitt etwa alle vier Stunden in eine Wohnung oder ein Haus eingebrochen. Nicht mitgezählt sind dabei die Kellereinbrüche, da registrierte die Polizei in der Städteregion 2012 noch einmal 1648 Delikte. Und die Aufklärungsquote ist zweifellos dürftig: Nur jeder zehnte Wohnungs- und nur jeder zwanzigste Kellereinbruch wird aufgeklärt.

Bei der alljährlichen Vorstellung der Kriminalitätsstatistik auf Landes- oder regionaler Ebene werden immer wieder ein Rückgang der Gesamtkriminalität und eine Steigerung der Aufklärungsquote als Kernaussagen betont. Stolz werde verkündet: „Die Polizei Aachen klärte 2012 jede zweite Straftat auf.“ Für Hubert Wickerath hingegen müsste die Aussage lauten: „Nur die Hälfte der gemeldeten und angezeigten Straftaten können aufgeklärt werden.“ Und den statistischen Aussagen sei zum Beispiel auch der Bereich Ladendiebstahl mit 3978 Fällen in 2012, die zu 92,66 Prozent aufgeklärt worden seien, hinzugerechnet. Unberücksichtigt bleibe aber, viele Diebstähle würden aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten gar nicht gemeldet. Denn der Zeitaufwand lohne sich nicht bei den mäßigen Erfolgsaussichten. „Das haben mir mehrere Geschäftsleute berichtet“, erklärt Wickerath. „Nur wenn die Täter auf frischer Tat ertappt werden, wird die Polizei gerufen. Die Folge ist: Es gibt eine Meldung — eine Aufklärung. Diese hohe Aufklärungsquote bei Ladendiebstählen fließt aber dann in die Statistik ein und bringt eine Gesamtaufklärung von 50,99 Prozent — genau ein Prozent mehr als im Vorjahr“, betont Wickerath.

Der Politik spielten solche Rechnungen offenkundig in die Hände, dringender Handlungsbedarf werde nicht erkannt. Im Gegenteil. So verweist Wickerath auf weiteres Zahlenmaterial: Im Land NRW sollen Polizeistellen rasant abgebaut werden. Im Kreis Aachen sei die Rede von 61 Stellen, die bis 2020 eingespart werden sollen.

Mehr statt weniger Polizei nötig

Wer Hubert Wickerath kennt, und das sind nicht gerade wenige, beispielsweise durch sein Engagement bei „Lust auf Kunst, „Schwarz auf Weiß“ oder „Pius am Mittwoch“, der weiß, dass er bei der Klärung der Frage nicht lockerlassen wird: „Unternimmt der Staat genug, um seine Bürger vor Einbrechern zu schützen? Die vielen Einbrüche können wir doch nicht einfach als gottgegeben hinnehmen“, meint Hubert Wickerath. So hat er die Politik im Rathaus und im Städteregionstag sowie die Abgeordneten in der Region angeschrieben und fordert statt Stellenabbau eine höhere Polizeipräsenz. Denn: „Es gibt kein gutes Wohnen in einer Stadt mit eklatanten Defiziten bei der Sicherheit!“

Mehr von Aachener Nachrichten