„Spinnender Drucker“ im Rathaus: Ein Vergehen, sechs Knöllchen

„Spinnender Drucker“ im Rathaus : Ein Vergehen, sechs Knöllchen

Dass doppelt besser hält, gilt dem Volksmund als ausgemacht. Denkt man die zugrunde gelegte Logik konsequent weiter, hält dreifach natürlich erst recht bombensicher – und so weiter.

Geht es um das mehrfache Versenden identischer Briefe an ein- und dieselbe Person, stellt sich irgendwann die Frage, ob nicht übers Ziel hinausgeschossen wird.

Es ist drei Wochen her, dass Bolle Nowak (Name geändert) sein Auto in der Würselener Ringstraße auf Höhe des Hauses Nummer 33 abstellte. Dort gilt eingeschränktes Halteverbot, weshalb Nowak eine Parkscheibe in die Windschutzscheibe hätte legen müssen. Das tat er aber nicht, und prompt spazierte ein Mitarbeiter des Ordnungsamts vorbei.  Sie ahnen, was dann geschah.

Bolle Nowak bestreitet seinen Fehler nicht und wird das Bußgeld artig begleichen. Rätselhaft findet er allerdings, dass die Stadtverwaltung ihm Belehrung und Überweisungsträger gleich sechsmal zuschickte, und zwar sechsmal auf einmal. Von den zehn Euro Bußgeld dürfte so nicht sehr viel übrig bleiben, denn auch Behörden müssen Portokosten berappen.

Der Sprecher der Stadt, Bernd Schaffrath, hat eine simple Erklärung für den Vorgang. „Der Drucker hat an dem Tag gesponnen“, teilt er auf Nachfrage mit. Und vor allem kann Schaffrath die naheliegende Vermutung ausräumen, die Merkwürdigkeit sei flächendeckend aufgetreten. Nur drei Parksünder hätten an jenem Tage ihre Aufforderung zum Begleichen des Bußgelds in mehrfacher Ausfertigung bekommen.

Angesichts von 120 Bußgeldbescheiden, die die Stadt an dem besagten Tag verschickt habe, seien die mehrfach ausgedruckten Briefe deshalb nicht aufgefallen.

(jpm)