Herzogenrath: Ein riesengroßes „Dinner für die Demokratie“ im ganzen Land

Herzogenrath : Ein riesengroßes „Dinner für die Demokratie“ im ganzen Land

Mehr als 20.000 Menschen seien schon beim ersten Mal im vergangenen Jahr dabei gewesen, so werben die Erfinder der Idee des „Tags der offenen Gesellschaft“. Von Aachen bis Cottbus, von Bremen bis Freiburg, selbst in Finnland, Portugal und Italien hätten Menschen ganz spontan und öffentlich zur Tafel geladen.

Und das ist es auch schon, worum es geht: Sich an einem Tisch zusammenzufinden und bei gutem Essen und Trinken miteinander ins Gespräch zu kommen. „Auf Gehwegen, Marktplätzen und Hausdächern, in Parks, Gärten oder am Strand“ — überall im Land soll ein riesengroßes „Dinner für die Demokratie“ gefeiert werden, so die Akteure der Initiative Offene Gesellschaft e.V.: „Egal ob Hipster oder Rentnerin, eher konservativ oder weltverbesserisch, schon heimisch oder gerade erst angekommen: Am Tag der offenen Gesellschaft treffen wir uns und zeigen gemeinsam Haltung.“

Und damit daraus eine neue „gute Tradition“ werden kann, „ein neuer Feiertag“, sind derzeit Botschafter an den Start gegangen, um für die Idee im Sinne von Demokratie, Offenheit, Gastfreundschaft, Vielfalt und Freiheit zu werben. Ideen wie diese sind es, die auch die Macher des Soziokulturellen Zentrums Klösterchen immer wieder neu befeuern. Durchaus stolz sei man deswegen gewesen, als Botschafter angefragt worden zu sein, schildert Wilfried Hammers, Vorsitzender des Fördervereins Arbeit, Umwelt und Kultur in der Region Aachen.

Denn der Förderverein geht am selben Tag mit seinem neuen Projekt „Magnolia“ in Thiergarten und Ritzerfeld an den Start. Unter dem altehrwürdigen (und namensgebenden) Magnolienbaum vor dem Klösterchen an der Dahlemer Straße 28 soll zum Auftakt am 16. Juni ab 14 Uhr der Tisch gedeckt werden für die ganze Nachbarschaft und alle, die sich für Kontakte zu den Menschen dort interessieren. Wo bislang der Weltladen „fairwicklung“ Öko-Produkte aus aller Welt vertrieb, soll ein Nachbarschaftstreff entstehen für alle, denen ein funktionierendes Gemeinwesen ein Anliegen ist.

Einladung auch zum Zuckerfest

Die Tafel anlässlich des Tags der offenen Gesellschaft ist ein höchst willkommener Auftakt. Limo, Bierchen, ein paar Chips oder selbst gebackener Kuchen, ganz egal: „Man trifft sich, um selbst das Programm zu sein“, sagt Hammers, der mit den weiteren Akteuren des Hauses auf möglichst große Resonanz hofft. Mit dabei sind unter anderen etwa Natascha Kratz, die neue Musiktherapeutin im Hause, die Kurse für Kinder gibt.

Und Peter Nickels, der seit 15 Jahren auch schon vor Ort für das globalisierungskritische Netzwerk „attac“ steht. Auch Annette Schölzel hat sich zur Runde gesellt, die sich seit Jahrzehnten im Zuge des Arbeitskreises „Hand in Hand“ e.V. für Flüchtlinge und deren Belange einsetzt. Für eine offene Gesellschaft einzutreten und für deren Zusammenhalt zu wirken, ist ihr ein besonderes Anliegen.

Am 16. Juni hat man im Klösterchen doppelt Gelegenheit dazu: Denn — auch im Zuge der offenen Tafel — wird direkt neben „Magnolia“, in der Kapelle, das Zuckerfest gefeiert, zu dem die Bevölkerung ebenfalls von 14 bis 18 Uhr eingeladen ist. Ein hübsches Programm für Groß und Klein wird geboten und zudem fein „getafelt“. Die Organisation liegt im Wesentlichen bei den Flüchtlingen, die sich auf ein „munteres Miteinander“ freuen, wie Schölzel ankündigt.

Der Internationale Ökumenische Arbeitskreis „Hand in Hand“ hat knapp zwei Wochen später übrigens noch mehr in petto: Frauen, Mütter und Mädchen, sind am Samstag, 30. Juni, 14 bis 17 Uhr, zu einem fröhlichen und spannenden Nachmittag ins Frauenkommunikationszentrum FrauenKommGleis 1 im Eurodebahnhof in Herzogenrath, Bahnhofstraße, eingeladen. Titel des Nachmittags ist „Meine Zukunft in Deutschland“.

Es soll um alle Themen gehen, die Frauen in ihrer neuen Heimat voranbringen können — Schule, Beruf, Ausbildung, Praktikum, Arbeit, Studium, Familie ... „Frauen aus jeder Bildungsschicht seien willkommen“, wirbt Schölzel. Ältere Flüchtlinge berichten über ihre Erfahrungen, Gespräche führen, Lösungen suchen und ein Abschluss in fröhlicher Runde sind angesagt.

So ähnlich soll es demnächst auch mindestens zweimal in der Woche im „Magnolia“ zugehen. Damit möglichst viele Menschen vom kommunikativen Treff in dem „sehr heterogenen Quartier“ und natürlich dem Tag der offenen Gesellschaft erfahren, gehen die Akteure ab Juni auf Werbetour: „Aktivierende Einladungen“ wollen sie an den Haustüren aussprechen und dabei den Infoflyer mit dem in der Dahlemer Straße großartig blühenden Magnolienbaum an Mann und Frau bringen. Fördergelder gibt es für das Projekt auch: Für zunächst vier Monate kann eine Mitarbeiterin finanziert werden, die Impulse setzen soll.

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