Jungschützen engagieren sich für Wildbienen: Ein Hotel speziell für „beflügelte“ Sportler gebaut

Jungschützen engagieren sich für Wildbienen : Ein Hotel speziell für „beflügelte“ Sportler gebaut

Engagement für „beflügelte Sportler“: Gemeinsam mit dem Verschönerungsverien bauen die Jungschützen der Bruderschaft St. Josef aus Loverich ein Bienenhotel auf der Steuobstwiese an der Weihergasse.

„Mama, hast Du gesehen, wie stark ich bin?“ Florian Mingers möchte das von seiner Mutter Sabine wissen. Natürlich hat Mama gesehen, wie ihr Sohn eine etwa fünf Kilo schwere Baumscheibe aus dem Auto zum neuen „Schützenhotel“ gebracht hat. Die Jungschützenmeisterin Sabine Mingers streicht ihrem Sohn über den Schopf. Was schon Anerkennung genug für den Knaben ist.

An diesem Morgen sind die Jungschützen der Bruderschaft St. Josef aus Loverich schon früh unterwegs. Weil sie mit hohem Umweltbewusstsein ausgestattet sind. Auf der Streuobstwiese an der Weihergasse hinter der Grundschule soll das Hotel entstehen. Es ist für beflügelte „Sportler“ gedacht. Nach Fertigstellen des Holzkonstrukts sollen Wildbienen dort einziehen.

Die Idee entstand am „Runden Tisch“, der im Hause Setterich angeboten und regelmäßig von vielen Menschen besucht wird. Hier traf Mingers – sie leitet den DRK-Kindergarten „Pusteblume“ in Setterich – auf Helmut und Renate Herten. Die beiden emsigen Gartenbauer des Obst-, Gartenbau- und Verschönerungsvereins Baesweiler, waren dafür sofort zu haben. Aus der Idee schmiedete Gartenbauvereinsvorsitzender Helmut Herten konkrete Pläne. Der Verein baute auch die Anlage und finanzierte sie.

Am Samstag wurde das Projekt in knapp drei Stunden realisiert. „Wer weiß denn schon etwas über Bienen?“, fragt Helmut Herten. Natürlich fliegen da alle Arme der Jungschützen hoch. Und was noch nicht bekannt ist, liefert Helmut Herten nach. Leja Klaus, Amelie Heyman, Naomi Gerlach, Florian Mingers, Jadon Gerlach oder auch Ben Ringhand sind aufmerksame Zuhörer, die außerdem gerne fragen.

Natur- und Werkzeugkunde

Helmut Herten zeigt den Kindern und ihren Betreuern die „Schlupflöcher“, in die Bienen hereinkrabbeln, ihre Eier ganz tief ablegen und anschließend die Löcher mit Lehm und anderem natürlichen Material schließen. Herten erklärt das mit hohem Fachwissen aber auch mit Witz, bevor es ans Schrauben und Hämmern geht. „Wenn ich einen gelb-schwarzen Hintern sehe, weiß ich, es ist wieder eine Biene drin“, haben Herten und Mitarbeiter pro Baumstück etwa 30 Löcher in verschiedenen Größen gebohrt. Die kleinsten Löcher sind drei Millimeter, die größten messen etwa sieben Millimeter.

Im April beginnt die „Paarung“ der Bienen, die meist in der Natur bleiben „und nicht in den Ort fliegen“, erklärt Herten. Die Weibchen legen dabei ihre Eier und Blütenpollen so tief in die Bohrungslöcher, „dass da noch nicht mal ein Specht drankommt“. Eine Biene kann bis zu sieben Brutzellen hintereinander belegen.

Nach dem theoretischen Unterricht geht es in die Praxis. Dach und Wände sind bereits fertig, die Halterungskonstruktion ist betoniert, nun muß das Innenleben gezimmert werden. Dazu sägen die Kinder Rapsstengel klein, die ebenfalls als Unterschlupf im „Haus“ sind und aus denen die Wildbienen zusätzlich „Mark“ als Nahrung aufnehmen können. Ganz clever hat Herten in zwei Stammabschnitten eine „20“ und eine „19“ gebohrt. Um an das Entstehungsjahr des Schützenhotels zu erinnern.

Bewusst hat man als Standort die Streuobstwiese gewählt. „Um die Anlage vor Vandalismus zu schützen“, hofft Herten, dass sie im nächsten Jahr im April, wenn der ganze Zyklus wieder vorn losgeht, immer noch steht. Dafür möchten die Jungschützen und ihre Eltern oder Großeltern sorgen. „Wir gehen regelmäßig gucken“, versprechen die Kinder an einem Tag, der sie sehr stolz gemacht hat.

(mali)
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