Alsdorf: Eigene Welt in die Bilder tragen

Alsdorf: Eigene Welt in die Bilder tragen

„Texte sind für Kacper Bozek eine wichtige Inspiration. Doch die daraus entstehenden Bilder sind weit mehr als die Illustration von Texten”. Franz-Josef Kochs, der Vorsitzende des Kunstvereins Alsdorf, brachte die visuellen und spirituellen Eindrücke der Ausstellung des polnischen Künstlers „auf den Punkt”.

Der 1974 geborene Meisterschüler von Professor Stanislaw Weijman stellt noch bis zum 30. September seine Werke im Foyer der Stadtbücherei am Denkmalplatz aus.

Dort fand auch ­- passend zum Europafest-Partnerland Polen - die Vernissage von „Grafiken aus Krakau” statt. Der ihnen zu Grunde liegende Text ist der mystische Roman „Der Meister und Margarita” aus der Feder des unter Stalin verfemten russischen Dichters Michail Bulgakow. Er handelt auf dem Hintergrund biblischer Themen von der Verführbarkeit des Menschen durch Geld und Gier, von der Fragwürdigkeit des „Normalen” und der Weisheit des „Verrücken” sowie von einer dämonischen Macht, die das Böse will und doch das Gute schafft. Mitunter scheinen sich in den Grafiken von Kacper Bozek die apokalyptischen Reiter auf den Weg zu machen. In anderen erscheinen Menschen als Maschinen-Konstruktionen. In wiederum anderen spiegeln sich Sehnsüchte und Nöte des einzelnen oder Liebender in den Erfahrungen und verblichenen „Gespenstern” vorheriger Generationen.

Eindeutig festlegen lässt sich das Gesehene nicht. Doch zeigt sich nach dem Kunstphilosophen Adorno der zeitlose Wert eines Kunstwerkes gerade in seiner nicht eindeutigen Auslegbarkeit. Kacper Bozek hat seinen Grafiken dann auch keine Arbeitstitel gegeben. Der Betrachter soll seine Phantasie schulen und seine eigene Welt in die Bilder tragen.

Franz-Josef Kochs ging in seinen Erläuterungen zu Beginn auf die Technik, das Handwerk der Bilder des unerhört produktiven jungen Krakauers ein: die Tiefdruck-Lithografie. Das Arbeiten mit Schichten sei zu vergleichen mit dem Röntgen-Verfahren. Wie dieses körperliche Schichten freilege, so die Arbeit von Bozek seelische Schichten der dargestellten Menschen. Die surrealistischen Welten des 37-Jährigen Polen, so Franz-Josef Kochs, lehnten sich an große Vorbilder wie Hieronymus Bosch und Breughel an.

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