Alsdorf: Ehemalige Hausmeisterwohnung des Alsdorfer Rathauses aufgemöbelt

Alsdorf: Ehemalige Hausmeisterwohnung des Alsdorfer Rathauses aufgemöbelt

Das optische Einerlei einer typischen Verwaltung endet an der Tür. Dahinter ein heller Flur, frische Tapeten, bunte Bilder an den Wänden. Am Ende ein großer Raum mit Krabbeldecke, Sessel, Sofa, kleiner Kochecke. Und ganz viel Spielzeug. Hier riecht nichts nach Büro.

Und soll es auch nicht. Wer die neuen Räume des Jugendamtes betritt, soll sich wohl fühlen. Selbst wenn die Begegnungen dort nicht immer frei von Konflikten sind.

Der Raum mit der Spielecke dient „begleitenden Besuchskontakten”, wie es fachsprachlich heißt. Dort begegnen leibliche Eltern ihren Kindern, die das Jugendamt aufgrund familiärer Probleme in Pflegefamilien geben musste. Oft sind es Eltern, die mit der Erziehung schlicht überfordert waren, die zu Gewalt neigten oder denen persönliche Probleme wie Alkoholmissbrauch einen fürsorglichen Umgang mit ihren Kindern unmöglich machten.

Es sind zarte Bande, die in dieser geschützten Atmosphäre geknüpft werden. Vielleicht nur für eine Stunde pro Woche. Doch immerhin. „Wir haben immer die Absicht, ein Kind in sein familiäres Umfeld zurückzuführen”, sagt Herbert Heinrichs, Leiter des Alsdorfer Jugendamtes. So könnte aus einer Annäherung im Rathaus der Beginn eines familiären Miteinanders werden.

In der Regel finden die Kontakte im Rathaus so lange statt, bis ein Gericht über den Verbleib eines Kindes entschieden hat. Das kann ein paar Monate dauern. Heinrichs: „Später können Kontakte in geeigneten Räumen außerhalb des Rathauses stattfinden.”

Um in einem nüchternen Verwaltungsgebäude eine angenehme Atmosphäre für die Besuchskontakte zu schaffen, ist die ehemalige Hausmeisterwohnung kräftig umgebaut worden, auch ein paar Wände mussten weichen. Auf rund 100 Quadratmetern blieb Platz für einen Besprechungsraum und zwei Büros, in denen die Pflegefamilien und Erziehungsstellen koordiniert werden. Und so ganz nebenbei gibt es dort nun auch den ersten Wickeltisch im Rathaus.

Was es auch gibt, ist ein großes Sichtfenster, das zum Begegnungsraum hin verspiegelt ist. Damit bei Bedarf die Mitarbeiter die Besuchskontakte im Blick haben können, ohne im Raum sein zu müssen. „Es ist ein sensibler Bereich”, sagt Sozialpädagogin Mona Krämer, die gemeinsam mit den Sozialarbeitern Sabine Weller und Markus Eßer in den neuen Räumen im Erdgeschoss arbeitet. Mitunter setzen sie sich auch zu den Eltern und zeigen ihnen, wie sie mit ihrem Kind spielen können, mit ihm sprechen. Überhaupt einen Zugang zu ihm finden können. Das neue Ambiente erleichtert das.

Zuvor nur in Büros

Die Mitarbeiter können sich an ganz andere Zeiten erinnern. Krämer: „Da fanden solche Begegnungen in unseren Büros statt. Mit ausgemustertem Mobiliar aus Kitas, während wir im Hintergrund arbeiten und telefonieren mussten.” Teilweise „haarsträubend” sei das gewesen. Weshalb rasch klar gewesen sei, dass für die Hausmeisterwohnung nur diese Nutzung in Frage kam, sagt Dezernent Stephan Spaltner. Es sind nun die modernsten, freundlichsten Räume im Gebäude. Für einen der sensibelsten Bereiche.

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