Alsdorf: Diebstahl am Grab: „Da ist ein Stück aus meiner Seele gerissen worden“

Alsdorf : Diebstahl am Grab: „Da ist ein Stück aus meiner Seele gerissen worden“

Herbert Hintzen ist ein Mann, der anpacken kann, der gelernt hat, sein Leben zu meistern. Doch momentan ist der 55-Jährige fassungslos über das, was er am Montagnachmittag entdecken musste, zwischen immer neu aufkeimender Trauer und Wut wechselt seine Gefühlswelt.

Als er nach Feierabend auf den Kellersberger Friedhof kam, fiel ihm sofort auf, dass auf der aufwendig gestalteten Grabstätte seiner verstorbenen Frau etwas fehlte: Unter dem Bogen aus poliertem Granit mit dem Familiennamen hatte ein individuell gestalteter Lebensbaum aus Bronze gestanden, den Unbekannte offensichtlich abgesägt und gestohlen haben.

Nur noch ein zwei Zentimeter hoher Stumpf erinnert an das Denkmal, das Hintzen als symbolhafte Verbindung zu seiner so früh verstorbenen Frau hatte errichten lassen, wie er unserer Zeitung berichtet. Freitags sei das Grab noch komplett gewesen.

Birgitt Hintzen wurde nur 31 Jahre alt, ihr Tod kam plötzlich, eine Lungenembolie nach einer Operation. 1996 war das, Hintzen stand von einem Tag auf den anderen bei all seiner Trauer um den schmerzlichen Verlust mit seinen beiden kleinen Söhnen allein da. „Ich musste das Leben ganz neu organisieren“, erzählt er.

1997 wechselte er beruflich zu den Technischen Diensten bei der Stadt Alsdorf, eine Stelle, auf die er sich bereits beworben hatte, als seine Frau noch lebte. „Zum Glück klappte das“, ist er den damals neuen Kollegen heute noch dankbar, die ihn als verwitweten jungen Vater gut unterstützten.

Von Metallbauer gefertigt

„In ewiger Liebe“ steht auf einem Keramik-Herz, das Hintzen neben die Grableuchte gelegt hat. „Damals habe ich lange überlegt, wie ich das Grab gestalte“, erzählt er unserer Zeitung. „Dann hatte ich die Idee mit dem Lebensbaum.“

Bei einem Metallbauer ließ er ihn fertigen, mehrere Tausend Mark kostete das Kunsthandwerk. „Auf das Geld kommt es mir noch nicht einmal an“, sagt Hintzen. „Denn das hier ist eine Herzenssache“, kann und will er nicht nachvollziehen, wie jemand so rücksichtslos handeln kann — für einen im Vergleich zum seelischen und materiellen Schaden geringen Erlös durch den Metallverkauf. „Da ist ein Stück aus meiner Seele gerissen worden“, sagt er frank und frei. „Ich würde dem Täter gerne sagen, dass er sich etwas schämen soll. Einen Erlös aus einer Grabschändung kann man doch nicht genießen!“ Die einzige Genugtuung, die er jetzt noch habe, so Hintzen: „Jeder Mensch erhält im Leben die Quittung für sein Handeln.“

Kalle Wilhelm, der Florist am Friedhof, berichtet von einem ähnlichen Vorfall aus der vergangenen Woche: Einer Kundin ist ebenfalls ein bronzener Lebensbaum gestohlen worden. „Auch Schalen und Grablampen verschwinden in der letzten Zeit wieder häufiger.“

„Die Metallpreise sind zurzeit wieder auf höherem Niveau“, sagt dazu Polizeisprecher Paul Kemen. Parallel dazu entwickelten sich immer auch die Metalldiebstähle, ein stetiges Auf und Ab. „Wir haben zwar derzeit noch keine Schwerpunkte, doch stellen vermehrt vereinzelte Meldungen fest.“

Jeden Fall zur Anzeige bringen, rät Kemen. Und: Auch verdächtige Beobachtungen sollten sofort der Polizei gemeldet werden. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

(bea)
Mehr von Aachener Nachrichten