Herzogenrath: Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Herzogenrath: Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Ja, mit anreißen, körnern und anbohren kennt sich Anna Gillich mittlerweile ganz gut aus. Und das ist eigentlich höchst ungewöhnlich, denn Anna Gillich ist nicht nur am „Tag des Ausbildungsplatzes” so etwas wie der Hecht im Karpfenteich.

Wobei das mit dem Hecht so eine Sache ist, denn die Auszubildende des Herzogenrather Automobilzulieferers Saint-Gobain Sekurit ist genau genommen angehende Elektronikerin für Automatisierungsanlagen. Einer absoluten Männerdomäne. „Klar, ich muss auch schonmal meine Ellenbogen einsetzen können”, sagt die 20-Jährige im zweiten Ausbildungsjahr selbstbewusst und lacht. „Und das klappt auch.”

Anna Gillich ist zufrieden mit ihrer Ausbildungsplatz in Herzogenrath. Sie hat ihn gesucht und gefunden. Doch genau das könne man heute bei weitem nicht von jedem potenziellen Auszubildenden behaupten. „Im Gegenteil, viele Unternehmen suchen heutzutage gute und interessierte junge Leute”, sagt Gabriele Hilger, Leiterin der Bundesagentur für Arbeit Aachen. Sie beklagt, dass zurzeit rund 2000 Lehrstellen in der Region noch nicht besetzt seien (siehe auch Wirtschaft).

Es sei häufig nicht der Fall, dass zu wenig Lehrstellen angeboten würden, „es ist mittlerweile einfach schwieriger, geeignete Lehrlinge zu finden”, sagt Richard Graf von der Handwerkskammer Aachen. „Wir suchen machmal die Nadel im Heuhaufen.”

Auch Saint-Gobain, das Herzogenrather Traditionsunternehmen, kann längst nicht alle der ursprünglich 14 geplanten Ausbildungsplätze für das laufende Jahr belegen. „Uns fehlen zum Beispiel angehende Verfahrensmechaniker und Industriemechaniker”, sagt die Leiterin der Personalentwicklung, Heike Sroka. „Dabei geht es uns gar nicht nur um die besten Noten.” Die schulischen Voraussetzungen würden viele potenzielle Bewerber im Vorfeld abschrecken.

Dabei könnten interessante Lebensläufe, ordentliche Bewerbungen, erfolgreiche Praktika durchaus auch einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Das Wichtigste ist ohnehin, dass die Jugendlichen auch wirklich wollen.” Das gelte insbesondere auch für die Förderung von Frauen in technischen Berufen.

Wie eben Anna Gillich, die immer noch an ihrem Bohrer steht und kleine Platten vorbereitet. Gleich müssen sie noch gefräst werden. „Ich habe mich schon immer für´s Handwerk interessiert”, sagt sie über ihre ungewöhnliche Berufswahl. „Mein Vater arbeitet auch hier, dadurch konnte ich auch ein Praktikum machen.” Die ersten praktischen Erfahrungen. Nun ist sie bereits im zweiten Lehrjahr, die Zwischenprüfung liegt hinter ihr.

Gabriele Hilger wünscht sich mehr junge Leute der Marke Anna Gillich. „Es gibt genug Stellen und eigentlich auch ausreichend Leute, die einen Ausbildungsplatz suchen.” Die Schere zwischen Bewerbern und Plätzen gelte es in absehbarer Zeit wieder zu schließen.

Und es muss ja nicht jeder Beruf muss etwas mit bohren, körnern oder fräsen zu tun haben.

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