Burg Wilhelmstein: Die irrsinnig schnellen Sprachsalven von Kabarettist Wilfried Schmickler

Burg Wilhelmstein : Die irrsinnig schnellen Sprachsalven von Kabarettist Wilfried Schmickler

„Alexa, ich habe gesündigt!“, rief Wilfried Schmickler gegen Ende eines Abends aus, den er mit tollkühnen Wortwitzen und klugem Sarkasmus füllte. Der erfahrene und hochprämierte Kabarettist trat am Wochenende mit seinem aktuellen Programm „Kein Zurück!“ auf der Freilichtbühne Burg Wilhelmstein in Würselen auf.

Kern des Stücks ist Schmicklers Aussage, dass sich „Deutschland im Aufbruch“ befinde. Die guten, alten Zeiten gingen zu Ende, nichts bleibe, wie es war, sondern verändere sich in oft befremdlicher Art. Doch sei es letztlich egal, ob die Änderungen ärgerlich oder glücklich stimmen, sagt Schmickler doch ganz klar: „Es gibt kein Zurück!“

Samt kluger Gedichte und mehrerer Gesangeinlagen, die teils nachdenklich stimmten und teils schlicht mit frechem Witz bestachen, nahm sich Schmickler die Mehrheit aktueller gesellschaftlicher Themen vor. So sagte er seine Meinung zum Koalitionswahnsinn Anfang dieses Jahres und zog mit cleveren Vergleichen nebst bissigen Bezeichnungen über die handysüchtige Jugend, in die Jahre gekommene Männer und von Schmiergeld und Skandalen geprägten Sport her.

Durch seine immer wieder auftauchenden Moralappelle wirkte Schminkler ab und an wie ein für den Wahlkampf werbender Politiker der Linken. Doch würzte er all seine mit irrsinnig schnell gesprochenen Wortschöpfungen vollgepackten Sprachsalven gekonnt mit cleverem Witz. Beim Tempo seines geistreichen Programms war es nicht verwunderlich, dass nach Ende so manch ein Zuschauer Sätze murmelte wie: „Und das Ganze jetzt bitte nochmal langsam.“

Pointiert und meist urkomisch nahm Schmickler unsere aktuelle Lage auseinander, was dem Publikum zwei alles in allem kurzweilige Stunden Kabarett bescherte. Danach sieht man die Welt vielleicht nicht klarer, ist aber sicher um einige Lacher reicher.