Würselen: Die Gründe für Engpässe am Rhein-Maas Klinikum

Würselen : Die Gründe für Engpässe am Rhein-Maas Klinikum

Das Rhein-Maas Klinikum (RMK) in Würselen kann sich — verschärft durch die Grippewelle — vor Patienten kaum retten, sagt Geschäftsführer René A. Bostelaar im Gespräch unserer Zeitung. Dennoch habe er dafür gesorgt, dass sich das RMK keinesfalls „abmeldet“.

Heißt: Anfragen von Rettungswagenbesatzungen, die einen Patienten aufgenommen haben, werden mit Blick auf unter normalen Umständen nicht zur Verfügung stehende (Betten-)Kapazitäten nicht abgelehnt. „Wir sind ein Schwerpunktkrankenhaus und fühlen uns verpflichtet, die Versorgung auf jeden Fall zu gewährleisten. Wir sind so groß, dass wir das einfach schaffen müssen.“ Bekanntlich ist das RMK nach dem Klinikum Aachen das zweitgrößte Krankenhaus der Region.

Politik muss handeln

Bostelaar weiß, dass dies allen Beteiligten viel abverlangt. Die Patienten, die die Notfallversorgung ansteuern, müssten leider längere Wartezeiten in Kauf nehmen, wofür er um Verständnis werbe. Das RMK sei bemüht, durch Klassifizierung bei Eintreffen im Krankenhaus dringende Fälle herauszufiltern und schnell zu behandeln. Das Personal, Ärzte wie Pflege- und Verwaltungskräfte, täten ihr Möglichstes, seien aber aufgrund der auch hier zu verzeichnenden Krankenfälle ausgedünnt.

Pauschale Kritik auch aus Reihen der Leserschaft unserer Zeitung empfindet er als nicht gerecht. Zuletzt hatte ein Leser aus Baesweiler in einem Brief an die Lokalredaktion das RMK an seinen eigenen Ansprüchen gemessen und angesichts von millionenschweren Investitionen in Neubauten und Medizintechnik die Frage aufgeworfen: „Wäre mehr Personal nicht sinnvoller?“ (Ausgabe vom 15. Februar). „Warum werden dort nicht die Geschäftsführer (Aufsichtsräte) zur Verantwortung gezogen?“, fragte der Leserbriefschreiber.

Bostelaar nimmt das so, wie es offenbar gemeint ist: persönlich. Und verteidigt sich: „Wir haben sehr wohl im vergangenen Jahr zum Beispiel 35 Vollzeitkräfte im Pflegedienst eingestellt.“ Und weiter: „Wir sind kein Unternehmen der freien Wirtschaft. Es geht uns nicht darum, Gewinne zu erwirtschaften, um Aktionäre oder Anteilseigner zu bedienen. Was wir an schwarzen Zahlen schreiben, wird zur weiteren Verbesserung der medizinischen Versorgung ganz im Sinne der Patienten gleich wieder investiert“, betont der RMK-Chef.

Im Jahre 2017 kam, vorbehaltlich der abschließenden Wirtschaftsprüfung, unterm Strich ein Plus von rund 1,1 Millionen Euro heraus. Das trage zudem zur Arbeitsplatzsicherung bei. Gesellschafter des RMK seien eben nicht Investoren oder „Krankenhausketten“ sondern die Städteregion Aachen und die Knappschaft Bahn-See zu gleichen Teilen. „Wir sind ein gesundes Krankenhaus, und wir setzen alles daran, dass das auch die Menschen möglichst (wieder) sind.“

Hart geht Bostelaar mit den (bislang) von der großen Politik gesetzten Rahmenbedingungen ins Gericht, so zum Beispiel mit der „Degenerationsrückführung“, einem auferlegten Abschlag im Falle von (vermeintlich) zu viel erbrachten Leistungen, sagt er. „Wir werden gezwungen, uns wie ein reines Wirtschaftsunternehmen zu verhalten, obwohl wir mit dem Auftrag der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung einen über einen reinen Unternehmenszweck hinausgehenden Auftrag zu erfüllen haben.“

Im Zweifel habe immer das Wohl des Patienten Vorrang. Auf der anderen Seite würden die Auflagen für die Abrechnung von Behandlungen immer größer. „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Krankenkassen uns nicht glauben und unter den Generalverdacht stellen, wir würden betrügen“, macht Bostelaar seinem Ärger Luft. „Ich komme mir schon wie ein Verbrecher vor.“

Grundsätzlich positiv bewertet Bostelaar Aussagen in der jetzt ausgehandelten Koalitionsvereinbarung von CDU und SPD auf Bundesebene. „Das liest sich erst einmal gut.“ Da sei die Rede von mehr Investitionen und dem Aufstocken von Personal. Bei genauerer Betrachtung und mit Blick auf früher schon gemachte programmatische Aussagen, die dann nicht eingehalten wurden, sei dies aber erst einmal mit Vorbehalt zu bewerten.

„Ich hätte von den nun im Raum stehenden Fördermitteln schon mal gerne zwei Millionen Euro, um die Notaufnahme vollkommen umzubauen, um den Patienten besser gerecht werden zu können.“ Die angekündigte Aufstockung um 8000 Pflegekräfte bundesweit reiche gerade mal für die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen, sagt er. Und einmal richtig in Fahrt gekommen, legt Bostelaar nach. „Selbst wenn eine angemessene Zahl an Personal finanziert werden würde, finden wir nicht genügend Leute.“ Das liege daran, dass in den vergangenen Jahren das Berufsfeld regelrecht kaputt gemacht worden sei.

„Zudem ist die Ausbildung von den dafür zuständigen Krankenkassen nicht durchfinanziert. Wir müssen immer wieder Mittel dafür abknapsen.“ Das Bundesgesundheitsministerium habe immer noch nicht die so wichtige neue Ausbildungsverordnung vorgelegt. „Wie sollen wir künftig ausbilden? Auf welcher Grundlage sollen sich die Leute entscheiden können, den Pflegeberuf zu ergreifen?“, fragt der RMK-Geschäftsführer. „Wir brauchen attraktive Konditionen für die Pflegeberufe statt immer neue Irritationen. Das alles ist natürlich für Patienten und ihre Angehörige nur schwer zu verstehen.“

Gemäß Masterplan zur Verbesserung der medizinischen Versorgung werde das RMK weiter investieren. An der Einrichtung der Notfallpraxis der KV am Standort Marienhöhe werde gearbeitet. Mitte des Jahres werde der neue OP-Bereich fertiggestellt. Außerdem werde das Untergeschoss ausgebaut, ebenso ein neues Schlaganfallzentrum (Stroke unit), das im April in Betrieb genommen werde. Im Zuge der Umbaumaßnahmen im Bestand müssten Abteilungen rochieren. Deshalb werde ein Containerpark mit bis zu 20 Elementen aufgestellt. „Wir wollen ein Topp-Krankenhaus und damit auch topp für die Patienten sein.“

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