Herzogenrath: „Die Geschichte von Lena” bei „Theater Starter”

Herzogenrath: „Die Geschichte von Lena” bei „Theater Starter”

Lena ist ein ganz normales Mädchen, sie ist neun Jahre alt, hübsch, hat braune Haare, einen Seitenscheitel und ist intelligent. Sie geht gern zur Schule, ist total in ihren Mitschüler Tobias verknallt und ihre beste Freundin heißt Maria.

Gemeinsam erleben sie viele tolle Dinge. Aber beste Freundinnen können auch ganz anders - wenn sie sauer sind. Wie aus Freundschaft Ausgrenzung und Mobbing entstehen können, beleuchtet das einfühlsame Kindertheaterstück „Die Geschichte von Lena”. In der Reihe „Theater Starter” erlebten die Zuschauer im Forum der Gesamtschule eine beeindruckende Aufführung der freien Theatergruppe Ömmes und Oimel aus Köln.

Leise Musik und Geräusche untermalen die Szenen. Die jeweils passende Kulisse kommt aus einer großen mobilen Theaterbox. Die Wohnung und die Schule, in der die Handlung stattfindet, werden schlichtweg mit Klebeband auf der Wand markiert. Auf viele Requisiten können die beiden Schauspieler ebenfalls verzichten. Einzig die bunten Schulranzen stehen als Sinnbild des Milieus, in dem die Geschichte von Lena spielt. Besonders faszinierend ist die Wandlungsfähigkeit der beiden Schauspieler Stefanie Jansen und Emanuel Fleischhacker. Die zehn verschiedenen Rollen werden nämlich von nur zwei Darstellern verkörpert.

Die Geschichte könnte so oder so ähnlich in jeder deutschen Stadt geschehen. Die großen Ferien stehen vor der Haustür. Schon zweimal sind Lena, ihre Eltern und Maria im Sommer nach Schweden gefahren. Doch diesmal soll Lenas 20-jähriger Bruder Klaus mit in den Urlaub fahren, und da das Ferienhaus sehr klein ist, muss Lenas Freundin zu Hause bleiben. Eigentlich kein Problem, doch das Ganze entwickelt sich zum Drama.

Plötzlich ist alles anders

„Drei Wochen Urlaub, Fischen und Hotdogs mit Pommes essen und all das ohne Maria? Aber nächstes Jahr darf sie wieder mit, und ich schreibe ihr viele Briefe”, sagt sich Lena. Detailreich schildert sie ihre Erlebnisse beim Angeln und auf dem Bauernhof.

Doch Maria ist richtig sauer und beantwortet keinen einzigen Urlaubsgruß. Als Lena nach den Ferien voller Vorfreude in die Schule kommt und ihre Freundinnen begrüßen will, erlebt sie eine Überraschung. Laut liest Maria Lenas Zeilen vor, worin sie beschreibt, wie sie in einen Kuhfladen getreten ist, und macht sich mit den anderen Kindern über die Urlaubserlebnisse der Freundin lustig.

Plötzlich ist alles anders. Auch am nächsten Tag lassen die anderen sie einfach stehen. Niemand will mehr mit Lena spielen, sowohl im Unterricht als auch in der Pause ist sie ein isolierter Außenseiter, der angeblich stinkt. Sie verändert sich, fängt an, sich ständig zu duschen, damit sie nicht stinkt. Bei ihrem Schwarm Tobias hat sie keine Chancen mehr. Die Eltern sind ratlos. Zu ihrer Party zum zehnten Geburtstag erhält Lena nur Absagen. Sie versteht die Welt nicht mehr und bricht in Tränen aus, denn sogar Maria hat angeblich etwas Besseres vor...

Die Geschichte des dänischen Autors Michael Ramlaese regt zum Nachdenken an. Schnell wird klar, dass Mobbing ein Thema ist, das alle etwas angeht. Deshalb ist es besonders schade, dass sich so wenige Familien für die Aufführung interessierten. Der ambitionierten Inszenierung, die gezielt auf die Mobbing-Problematik unter Schülern hinweist, hätte man ein größeres Publikum gewünscht.

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