Herzogenrath: Die extreme Hitze macht Feuerwehren im Nordkreis zu schaffen

Herzogenrath : Die extreme Hitze macht Feuerwehren im Nordkreis zu schaffen

Es ist nicht nur in der Zahl, sondern gerade im Inhalt der Feuerwehrmeldungen der vergangenen Wochen eindeutig abzulesen: Es brennt. Oft und in der Fläche. Nicht Autos, nicht Häuser, sondern Feld und Wald sind es, die Feuer fangen. Die Gründe? Nun, die liegen nicht immer da, wo man sie im ersten Augenblick vermuten würde. Thomas Hendriks von der Feuerwehr Herzogenrath im Interview.

Das heißt: Nicht immer ist ein rücksichtsloser Feuerteufel (siehe oben) dafür verantwortlich. Thomas Hendriks, Sprecher der Feuerwehr Herzogenrath, legt dies im Gespräch mit Thomas Vogel dar.

Täuscht der Eindruck, oder gibt es in diesem Jahr besonders viele Brände wegen Trockenheit?

Thomas Hendriks: Ja. Wir haben zum einen mit Waldbränden zu tun im Bereich Bergstraße in Kohlscheid. In diesen Fällen ermittelt auch die Polizei. Was wir zum anderen allerdings auch viel haben, sind Flächenbrände. Die Ursachen sind sehr unterschiedlich. Ob da jemand unbedarft eine Zigarettenkippe weggeschmissen hat, oder bei der Gartenarbeit plötzlich auf die Idee kommt, das Unkraut mit einem Gasbrenner wegzuflämmen — solche Zeitgenossen, die das selbst bei dieser extremen Trockenheit machen, haben wir immer wieder. Davor warnen wir als Feuerwehr sowieso, ganz unabhängig von den Außentemperaturen. In Herzogenrath hatten wir aus diesem Grund tatsächlich schon einige Einsätze in diesem Jahr.

In den vergangenen Wochen brennen vielfach Felder oder Strohmieten ...

Hendriks: Das Thema Feldbrände ist äußerst akut. Geschuldet ist das vor allem der Trockenheit. Die Stoppelfelder fangen zum Beispiel Feuer, weil die Bauern ernten müssen. Die großen Erntemaschinen entwickeln natürlich aufgrund der in ihnen verbauten Technik große Hitze, und bei der Trockenheit genügt ein Funke oder ein sehr heißes Bauteil und es brennt — so war es zuletzt auch bei dem Einsatz wegen des Flächenbrandes an der Roermonder Straße. Da konnte man richtig sehen, wo die Ballenpresse die Schneise gezogen hat. Hinten hat es Funken geschlagen und der Fahrer ist weiter gefahren, weil es ihm nicht aufgefallen war. Als wir ankamen hatten wir ein Feuer, das in Kohlscheid begonnen und in Uersfeld auf Aachener Gebiet aufgehört hat. Also die Witterung trägt ganz klar zu erhöhtem Einsatzaufkommen bei der Feuerwehr bei.

Können Sie das beziffern?

Hendriks: Nein, eine Auswertung erfolgt immer erst zum Jahresende, wenn die Landesstatistik kommt.

Gibt es neben den heißen Maschinen andere Ursachen für die Brände auf den Feldern?

Hendriks: Ja, dafür sorgen dann Zeitgenossen, die ihre Glasflaschen einfach wegwerfen. Die Glasscherben verwittern nicht, sondern bleiben liegen und wirken bei intensiver Sonneneinstrahlung wie eine Lupe, die den Strahl bündelt, verstärkt und damit trockenes Material entzündet.

Können Sie im nachhinein immer feststellen, welche Ursache zu einem Brand geführt hat?

Hendriks: Vielfach können wir schon sehen, woran es gelegen hat. Brandursachenermittlung ist aber Sache der Polizei, deswegen äußern wir als Feuerwehr uns in der Regel dazu nicht. Es gibt Ausnahmen, wenn eine Ursache zum Beispiel ganz offensichtlich ist — wie bei dem besagten Flächenbrand in der Roermonder Straße etwa. Bei klassischen Feuerwehreinsätzen, einem Zimmerbrand zum Beispiel, werden wir immer sagen: Geht es um die Brandursache oder die Ermittlungen dazu, bitte an die Polizei wenden.

Dinge, die jeder bei der extremen Trockenheit aktuell vermeiden sollte, dürften relativ eindeutig sein ...

Hendriks: Ja, das ist ganz klar: offenes Feuer, offene Flammen vermeiden. Dazu zählt auch, Unkraut nicht mit einem Gasbrenner abzuflämmen. In diesem Zusammenhang auch noch mal den generellen Appell, bei den derzeitigen Temperaturen viel zu trinken.

Gilt das auch für Mitarbeiter der Feuerwehr — bei diesen Temperaturen einen Gang zurückschalten?

Hendriks: Die Kollegen in den Feuerwachen haben natürlich kein Hitzefrei. Rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag sind die alle bereit, auszurücken. Allerdings gibt es bei den aktuellen Temperaturen schon so etwas wie einen Sommerfahrplan wie zum Beispiel in der Feuer- und Rettungswache Herzogenrath. Der Arbeitsdienst etwa endet dann um zwölf Uhr mittags, nachmittags ist nur noch Ausbildung angesetzt. Normalerweise müssen die Kollegen auch nach der Mittagspause noch einmal ran, müssen in die Werkstätten, müssen körperlich arbeiten.